Marco Riemann (Imola Music): „Die Wiener Clubszene wurde oft unterschätzt“


Der in Wien lebende Marco Riemann wurde 1977 in Frankfurt am Main geboren und ist leidenschaftlicher Musiker, Produzent und Tontechniker. 2009 gründet er Imola Music – sein Label und Plattform für moderne Clubmusik. Auf Imola tummeln sich die Frankfurter DJs und Acts wie zum Beispiel Vogelbär, Sola, Patrick Weiss und Sasa Grandic. Ende Juni 2012 ist die EP „Mangowald“ von Marvin Maitreya geplant.

Riemann ist als klassischer Schlagzeuger zur elektronischen Musik gekommen und hat früh angefangen, zu produzieren. Im Interview mit trndmusik erzählt der 35-jährige DJ von seiner Labelgründung, warum bisher nur Frankfurter Künstler auf Imola Music veröffentlicht haben und berichtet von der Wiener Clubszene.

trndmusik: Wie bist du zu deiner Liebe, der elektronischen Musik, gekommen? Wie fing alles an?

Marco Riemann: Mit 14 Jahren habe ich Schlagzeug in einer Band gespielt. Leider hat sich diese irgendwann aufgelöst und als Schlagzeuger hing ich dann etwas in der Luft. Ungefähr zur gleichen Zeit besuchte ich meinen ersten 3-Tage-Rave und dieses Erlebnis hat mich absolut geflasht. Die Begeisterung für elektronische Musik hat mich seitdem nie mehr verlassen.

Ich habe elektronische Musik nun nicht mehr im Club konsumiert“ sondern fing auch an, mich intensiver mit diesem Genre zu befassen und eben auch selbst Musik zu produzieren. Um weiterhin Schlagzeug spielen zu können, habe ich mir ein E-Drum und einen Sequencer zugelegt, später kamen Synthesizer und Drumcomputer dazu. Neben der Musik als solcher hat mich begeistert, dass ich hierbei völlig autark handeln konnte und nicht abhängig war von anderen Musikern, wie damals in der Band, die sich ja aufgelöst hatte.

trndmusik: Gab es zu der Zeit DJs oder Künstler, die dich inspiriert oder beeinflusst haben?

Marco Riemann: Ja, absolut. Sven Väth hat mich immer sehr begeistert. Wenn ich bis zum Ende einer Clubnacht im Omen getanzt habe, hat seine Art aufzulegen mich immer noch wach gehalten. Grundsätzlich habe ich mich aber weniger mit einzelnen DJs beschäftigt, sondern mit elektronischer Musik im Allgemeinen. Hier müssen unbedingt genannt werden: Depeche Mode und Kraftwerk. Aber auch Africa Bambata, Public Enemy und RunDMC. Es gab Phasen, in denen ich nur HipHop gehört habe, bevor ich über Hardrock und Heavy Metal zu Techno und House kam.

2001 habe ich meine erste Veröffentlichung mit Sasa Grandic unter dem Namen Orbit-Starz auf Poker Flat Recordings gehabt und das war der Zeitpunkt, an dem ich mich ausschließlich Produzenten und DJs der elektronischen Musik zugewandt habe. Steve Bug ist hier natürlich der erste Name, der zu nennen ist. Sein Minimal-Sound hat mich lange begleitet und inspiriert.

trndmusik: Was passiert aktuell nach deinen letzten Releases „Swag“ und „Capital Venture“?

Marco Riemann: Es geht natürlich einiges weiter!Auf Imola Music wird in Kürze die EP Mangowald von Marvin Maitreya erscheinen. Drei herrliche Sommertracks, wie ich finde. Zurzeit plane ich auch einige Remixe von bekannten Acts, um die Aufmerksamkeit auf das Label zu erhöhen.

Ich persönlich werde meine nächsten Release zum Jahresende herausbringen. Zur Zeit arbeite ich an einigen Skizzen und habe viele Ideen gesammelt. Fertige Tracks brauchen aber ihre Zeit. Aber es werden auch noch einige Überraschungen zu erwarten sein. Es bleibt also spannend.

trndmusik: 2009 hast du dein Label Imola Music gegründet und es dient unter anderem als Plattform für moderne Clubmusik. Wie wichtig war es für dich ein eigenes Label zu haben und nicht auf anderen zu releasen?

Marco Riemann: Die Idee eines eigenen Labels stand schon lange im Raum und ist mit den Jahren immer mehr gewachsen. Natürlich ist es manchmal einfacher, sich nur auf die Musik zu konzentrieren. Ein eigenes Label macht einiges an Zusatzarbeit. Die meisten raten einem ja auch davon ab, ein eigenes Label zu gründen. Aber genau das hat mich noch einmal angespornt und motiviert, es doch zu tun. Letzten Endes habe ich mit Imola Music absolute Flexibilität und Freiheit und entscheide selbst, in welche Richtung es geht. Natürlich könnte ich mir auch vorstellen auf anderen Labels zu releasen, wenn es vom Sound her passt. Aber ich möchte mich nicht verbiegen, nur um mit meinen Tracks auf einem bestimmten Label zu landen.

trndmusik: Wie kommt es, dass auf Imola Music bisher nur Frankfurter Künstler vertreten waren?

Marco Riemann: Das ist eine sehr gute und berechtigte Frage. Um ehrlich zu sein, war es nie mein Plan, mich nur auf Frankfurter Künstler zu konzentrieren bzw. zu beschränken. Aber als gebürtiger Frankfurter habe ich natürlich ein großes Netzwerk vor Ort. Viele meiner Frankfurter Freunde produzieren selbst elektronische Musik. Es lag also nicht nur nahe, genau sie als erste mit an Bord zu nehmen, sondern ich halte ihre Musik auch für so gut und einzigartig, dass sie dringend releast werden musste. Derzeit gibt es also einen Frankfurt-Fokus, aber das muss nicht zwingend so bleiben. Entscheidend ist natürlich die Musik, nicht der Wohnort der Künstler. Aber ein besonderer Wunsch wäre schon auch Wiener Acts auf imola zu releasen, schließlich ist Imola ein Label, das in Wien beheimatet ist.

trndmusik: Wie unterscheidet sich die Clubszene in Wien zu deutschen Großstädten?

Marco Riemann: Wiens Clubszene wurde oft unterschätzt. Mit Sicherheit hat sich die Clubszene anders entwickelt als in Berlin oder Frankfurt. Während in den deutschen Großstädten das Angebot jedoch so groß ist und die Leute oft schon übersättigt wirken, ist Wien noch sehr lebendig und bietet regelmäßig Neues. Die Pratersauna ist sehr etabliert und wurde nicht ohne Grund vom De:Bug unter die Top 10 Clubs gewählt. Aber auch das SASS oder die neue Grelle Forelle sind natürlich immer wieder einen Besuch wert und stehen deutschen Clubs in nichts nach.

trndmusik: Auf was freust du dich jetzt im Sommer am meisten?

Marco Riemann: Auf die Sonne. Die neuen Imola Music Release und auf die Europameisterschaft natürlich.

Das Interview führte Sarah Schlifter.