Leo Küchler, Deep Down Dave & Melanie Amelia (Aura.Karma.Alles): „Wir wollen der ganzen Techno-Geschichte ein wenig Transparenz verleihen“


Aura.Karma.Alles. – Das ist der Verein zur Förderung elektronischer Musikkultur und audiovisueller Kunst und genau das sagt eigentlich auch schon alles. Hinter dem ehrgeizigen Projekt stecken Melanie Amelia, Leo Küchler und Deep Down Dave – drei junge Münchner, die mit Herzblut und Tatendrang ein Ziel verfolgen: jungen Künstlern und Newcomern ein Publikum bieten und umgekehrt. Und vor allem der Stadt München zeigen, dass Techno nicht zwangsweise immer etwas mit Drogen zu tun hat und auch friedlich miteinander gefeiert werden kann. Weiter wollen sie die Tanz-Kultur fördern, Wettbewerbe für den Nachwuchs veranstalten und organisieren.

Im Interview erzählen die drei von ihren zukünftigen Plänen für die Aura.Karma.Alles-Events, was ihnen so gut an Bayerns Hauptstadt gefällt und sie gerne ändern würden.

trndmusik: Ihr habt euch im letzten Jahr gegründet und seit ein Verein zur Förderung elektronischer Musikkultur und audiovisueller Kunst. Bitte erklärt das kurz unsern Lesern. Wie ist eure Idee entstanden? Was sollte man über euch wissen?

Leo: Also wir alle gehen schon eine Zeit lang aus in München. Der eine schon etwas länger, wie zum Beispiel Dave, der noch das Ultraschall aus den 90ern kennt und manche noch nicht ganz so lange, wie ich, der 2007 auf seinem ersten Techno Festival, dem einmaligen Shining Festival, war.

Doch wir alle sind der Meinung gewesen, dass man die inzwischen sehr groß gewordene Szene in München trotzdem noch um etwas bereichern könnte. Die renommierten Clubs wie Rote Sonne, Harry Klein oder Bob Beaman laufen sehr gut. Wochenende für Wochenende gehen Hunderte wenn nicht sogar manchmal Tausende dorthin um zu feiern und das seit Jahren.

Wir hatten einfach mal Lust den Leuten hier eine Alternative zu bieten und neue Locations, neue Künstler, neue Möglichkeiten zu testen. Dabei versuchen wir immer wieder junge Künstler zu fördern und auch, abgesehen von der Musik, andere Bereiche aus Kunst und Kultur mit ein zu beziehen.

trndmusik: Wer ist für welche Aufgaben in eurem Verein zuständig?

Dave: Wir drei sind gemeinsam für die musikalische Gestaltung unserer Veranstaltungen zuständig. Wobei Mel noch viel PR und anderen wichtigen Bürokram macht. Sie ist meist auch mit all den Künstleragenturen in Kontakt und kümmert sich um die Vertragsabwicklungen. Gott sei Dank sind wir nicht nur zu Dritt. Wir haben noch einige andere Jungs hinter uns, die sich um zum Beispiel um die Location-Suche, die visuelle Gestaltung, die Gastro oder die Technik kümmern und um die wir sehr froh sind. Wir sind ein wirklich rundes Team mit dem es unglaublich viel Spaß macht zu arbeiten.

trndmusik: Leo und Dave sind unter anderem regelmäßig in Rote Sonne oder Harry Klein zu hören. Wie unterscheidet sich die Clubkultur in München gegenüber Berlin, Frankfurt oder Köln?

Leo: Naja, im Ausmaß und in der Größe unterscheidet sich erstmal jede andere Clubkultur zu der in Berlin. Unsere ist um einiges kleiner. Doch wir schätzen Münchens Clubkultur sehr, denn sie hat etwas unglaublich Privates und Gemütliches. Alles liegt total nahe beieinander und wenn man auf gut Glück um die Häuser zieht, ist man vor den ein oder zwei handvoll bekannten Gesichtern nie sicher. Das mögen manche vielleicht nervig finden, doch wir sehen gerade darin das Besondere an der Szene in unserer Stadt.

trndmusik: Wer gehört noch alles zu eurem Künstlerpool? Verbucht ihr eure Djs auch für andere Events oder ist alles nur Inhouse-Booking? Wie weit seid ihr mit der Labelgründung?

Melanie: Abgesehen von unseren Resident-Djs haben wir auch einen sehr erfolgreichen VJ im Boot. „Jedes Mal Kino“ von Visual Drugstore ist durchaus international renommiert und wir sind überglücklich, dass er dazugehört. Der Aufbau unseres eigenen Labels Aura.Karma.Records ist voll im Gange. Für das Jahr 2013 sind insgesamt drei Platten geplant mit Künstlern wie Oliver Deutschmann, Dario Zenker, Marco Zenker, Oskar Offermann, Panta Rhei oder Rik Elmont.

trndmusik:Vor einiger Zeit startetete eurer Remix-Contest mit Oliver Deutschmann. Wie groß war das Feedback? Seid ihr zufrieden?

Dave: Das Feedback war super. Wir haben innerhalb von zwei Wochen circa 100 Mails bekommen. Da waren Künstler aus Australien, Osteuropa oder Italien dabei. Das finden wir echt super. Es sind durchaus schon einige sehr gute Tracks angekommen. Wir haben ein gutes Gefühl. Bis zum 30. September sind die restlichen Remixe und Vorschläe bei uns eingehen.

trndmusik: München hat bei mir einer sehr sauberen und sicheren Stadt Eindruck hinterlassen. Trotzdem kann zu viel Polizeipräsenz auch nervig werden. Was wünscht ihr euch für Bayerns Hauptstadt bezüglich der elektronischen Musikszene?

Alle drei: Das ist ein Thema, dass uns besonders am Herzen liegt. Es geht dabei weniger um die Polizeipräsenz, als um die allgemeine Akzeptanz der elektronischen Musikszene beim bayerischen Staat und der hiesigen Gesellschaft. Nur zu oft haben wir schlechte Erfahrungen gemacht mit Menschen die beim Wort “Techno” falsche Vorstellungen im Kopf haben. So oft wurden uns schon Möglichkeiten vor allem in Bezug auf Locations versagt als durchsickerte, dass wir eine Technoparty feiern wollten. Nicht zuletzt deshalb wollen wir erreichen, dass unsere Arbeit kulturell anerkannt wird.

Vielleicht schaffen wir bereits 2013 ein Umdenken einzuleiten. Dort starten wir nun auch einige andere Projekte wie Workshops für Kinder aus sozial schwachen Verhältnissen und natürlich auch für alle anderen Interessenten. Bei diesen Workshops wird es immer um Elemente aus der elektronischen Musik gehen, wie etwa das DJing, Produzieren, elektronische Musikgeschichte usw.. Das Projekt heißt Aura.Karma.Anders. und dient dazu den Kindern und Jugendliche neue Möglichkeiten der Freizeitgestaltung aufzuzeigen. Mehr Infos dazu gibt es bald auf unserer FB-Page.

Generell ist es uns wichtig der ganzen Techno-Geschichte ein wenig Transparenz verleihen ohne es dabei zu „entmystifizieren“.

Das Interview führte Sarah Schlifter.