Doctor Dru (Jeudi): „Ich finde es unfassbar, was im letzten Jahr passiert ist und bin sehr dankbar dafür“


Doctor Dru ist DJ, Produzent und Labelbetreiber aus der Hafenstadt Hamburg. Im August 2011 trumpfte er mit dem Track „Juicy Fruit“ auf, den er gemeinsam mit den Adana Twins auf dem Berliner Label Exploited Records veröffentlicht. Im Interview verriet er uns, wie er zu seinem Künstlernamen kam und wieso es nicht Mad Professor wurde, ob Hamburg bald Frankfurt und Berlin den Rang abläuft, wie er und seine Freunde das Label Jeudi Records gründeten und ob er momentan glücklich ist.

PS: Re:Fresh holt Doctor Dru am 2. März 2013 in das Lido nach Frankfurt. Wir verlosen noch 2*2 Tickets.

trndmusik: Wie bist Du zu deinem Pseudonym Doctor Dru gekommen?

Doctor Dru: Ja, die ewige Suche nach dem richtigen Namen … Es musste eben ein Name her, zu dem ich persönlich eine Geschichte habe. Zunächst der Doctor. Ich bin, wie viele anderen Produzenten auch, ein ziemlicher Nerd, was meine Arbeit angeht. Ich kann mich völlig in Beats und Sounds verlieren, und geh‘ auch mal zu weit in die Materie. Das ist dann so ein Mikrokosmos, in dem man da rum doziert. Der spätere Konsument auf dem Floor wird wahrscheinlich gar nicht wahrnehmen, was da im Detail passiert ist. Aber ich brauch dieses Dozieren für meinen Hang zum Perfektionismus. Ich hätte mich auch Mad Professor nennen könne, doch der Name ist bereits vergeben. Das Dru ist eine Reminiszenz an meine Vergangenheit als Drummer und ist ein Teil von mir. Doctor Drum klingt verwirrend, daher musste das M weg: Doctor Dru.

trndmusik: Wann und wie bist Du mit elektronischer Musik das erste Mal in Berührung gekommen?

Doctor Dru: Oh, die Frage nach dem ersten Mal. Wahrscheinlich war das Depeche Mode, die ich aber damals nicht vorrangig als elektronische Musik wahrgenommen habe, sondern einfach als gut gemachte Musik. Später, so in den späten Neunzigern, stand ich total auf diesen minimalistischen, technoiden, ambienten Sound. Aphex Twin und Move D hatten es mir angetan, und was da aus der Heidelberger, Frankfurter Ecke kam. Ich habe jahrelang nur Funk und Jazz gehört. Nur handgemachte Musik war in meinen Augen kredibel. Da brauchte ich, glaube ich, irgendwann mal diesen Kontrast.

trndmusik: Und wie kam es dann, dass Du DJ, Produzent und letztendlich Labelbetreiber geworden bist? Ein Schicksalsweg oder hattest Du eigentlich komplett anders geplant?

Doctor Dru: Komischerweise habe ich meinen Weg nicht so richtig geplant. Damals habe ich Drums gespielt, weil ich derbe Bock darauf hatte und mir nicht so Gedanken gemacht, wohin das wohl führen wird. Da bin ich im Nachhinein ziemlich naiv ran gegangen und wollte einfach Musik, etwas Kreatives, machen. Über das Spielen und Aufnehmen mit Bands im Studio kam es auch zur Produzentenarbeit. Zum einen waren es sehr gute Freunde, die als erfolgreiche Produzenten gearbeitet haben und mich inspirierten, das Handwerk der Musikproduktion zu verinnerlichen. Das Umfeld war somit schon vorhanden. Es führte eins zum anderen. An der elektronischen Musik fand ich immer faszinierend, dass man da komplett autonom seine Songs erschaffen konnte. Unabhängig von Launen und Motivation der Anderen. Da ist man als Bandmusiker ein gebranntes Kind. Das Auflegen war immer so da, aber nicht mein Hauptaugenmerk. Das hat sich erst im Laufe der Zeit entwickelt. Zuerst war da Funk & Disco und erst später House Musik.

Und das mit dem Labelbetreiber passierte auch aus Koinzidenz. Es macht echt Spaß mehrere Projekte gleichzeitig zu wuppen, du förderst dich selbst aufs Neue und wächst an deinen Aufgaben.

trndmusik: Deine Heimat ist die Hansestadt Hamburg. Wird die Hafenstadt anderen Städten wie Berlin und Frankfurt, die für ihre Szenen und die elektronische Musik bekannt sind, bald den Rang ablaufen?

Doctor Dru: Das glaube ich nicht. Vielleicht ist es so wie mit dem deutschen HipHop. Da kam der Sound der Stunde mal aus Hamburg, mal aus Berlin und jetzt gerade eher aus dem Frankfurter Raum. Die Städte haben ja ihre eigene Charakteristik. Hamburg z.B. habe ich schon immer eher als Stadt des House wahrgenommen. Seit einiger Zeit schwebt nun die Housewolke auch über Berlin, aber Berlin ist doch viel technoider. Hamburg ist vielleicht gerade des Öfteren im Gespräch, weil die Szene merkt, dass hier viel Qualität herkommt. Unter anderem haben Solomun und sein Ego Club sicherlich dazu beigetragen. Auch wir mit JEUDI Records merken, das ein zunehmendes Interesse aufkommt, aber das ist eine kleine Ecke im Kosmos elektronischer Musik. Frankfurt und Berlin haben ihre ganz eigene Geschichte.

trndmusik: Wie kam es zur Gründung deines eigenen Labels Jeudi Records? Was waren die Beweggründe? Und welche Veröffentlichungen erwarten uns in naher Zukunft?

Doctor Dru: Im Grunde war es so, dass wir (Davidé, Benni, Friso und ich) uns angefreundet hatten und da ein Partyveranstalter, Designer, DJs und ein Produzent zusammen kamen. Das war eher so ein emotionales „Lass uns mal ’n Label machen“-Ding. Ich hatte schon etwas Erfahrung, was die Businessseite angeht, aber eigentlich waren wir alle grün hinter den Ohren. Learning by doing eben. Mittlerweile haben wir da eine professionelle Struktur geschaffen, die Aufgaben sind verteilt. Wir haben sogar schon einen Hit mit Montes „True“ gelandet und die Adanas & Digitaria sind in den Top 10 bei Beatport. Gerade haben wir die Turntablerocker releast. Dann kommt bald wieder eine Friends EP. Monte und ich werden auch wieder nachlegen. Wir planen weitere Labelparties. Da ist einiges am Start.

trndmusik: Du hattest bisher Release auf den Imprints Exploited, Baalsaal Records sowie Jeudi Records. Arbeitest Du bereits an neuen Veröffentlichungen, die demnächst erscheinen? Oder welche Projekte stehen aktuell bei Dir auf dem Plan?

Doctor Dru: Klar, ich arbeite momentan an neuen Tracks. Ich musste erst einmal meinen Rhythmus im Studio finden. Bei dem vielen Getoure der letzten Zeit. Aber es kommt Neues. Gerade hab ich einen exklusiven Track für die 5 Jahre Jackmode Compilation fertiggestellt. Parallel arbeite ich an neuen EPs. Auf JEUDI und auch auf Exploited kommt auf jeden Fall was.

trndmusik: Was möchtest Du im Bezug auf dein DJ- und Produzenten-Dasein noch erreichen? Oder bist bereits wunschlos glücklich?

Doctor Dru: Nein, nein, auf gar keinen Fall, das muss immer weiter gehen. Ich finde es großartig, was da im letzten Jahr passiert ist und bin sehr dankbar dafür. Natürlich bin ich neugierig, wo das noch hinführen kann. Glücklich bin ich, aber träumen muss ich auch. Das ist eine Motivationsquelle. Ein paar Geschichten gibt es auf jeden Fall noch zu erzählen, sonst würde man ja aufhören.

trndmusik: Mit Blick auf den kommenden Frühling: Spielst Du lieber im Club oder unter freiem Himmel? Welchem Open-Air fieberst Du jetzt schon entgegen?

Doctor Dru: Na, das hat Beides was. Nur im Club erlebst du, dass der Schweiß von der Decke tropft und die Enge des Clubs kann eine unglaubliche Energie freisetzen. Open Airs haben einen komplett anderen Vibe. Mit Festivals verbinde ich immer so’n Hippie-Ding: Gelassenheit, gebräunte Haut, smiling faces und frische Luft. Aber das bringt der Sommer eben auch mit sich. Es gibt schon ein paar schöne Festivalbookings, auf die ich mich freue. Aber welches das schönste war, kann ich Dir nach der Saison sagen.

trndmusik: Abschließend würden wir gerne von Dir wissen, was aus Dir geworden wäre, wenn Du nicht die elektronische Musik für Dich entdeckt hättest?

Doctor Dru: In der Musik gibt es doch noch tausend interessante Dinge zu entdecken. Das ist ja das Spannende. Man lernt nie aus. Ich liebe z.B. die technische Seite von Musik. Ich habe Musik für Filme komponiert, Popmusik produziert usw.. Solange es Spass bringt und mich ernährt, kann ich mir keine Alternative vorstellen.

PS: Re:Fresh holt Doctor Dru am 2. März 2013 in das Lido nach Frankfurt. Wir verlosen noch 2*2 Tickets.

Das Interview führte Benjamin Reibert.