RaucherEcke (200 Records): „Unser Live-Sound ist sehr episch mit klassischen Elementen wie 909 Drums und Synth-Sounds“


Sebastian Habber und Joschka Tschirley aka RaucherEcke aus Köln rauchen beide. Sebastian schon seit seiner Jugend; Weggefährte Joschka bezeichnet sich selbst einen klassischen Leidenschaftsraucher. Als die beiden Musiker noch gemeinsam unter einem Dach wohnten, hatten sie oft Besuch von rauchenden Freunden. Der Dank geht somit an Sebastian’s Bruder – denn er hatte die Idee zum Künstlernamen des Duos.

Im Interview mit trndmusik berichten die Jungs, die sich seit zwölf Jahren kennen von ihrer Partyreihe „I’m in love“, die seit Oktober 2012 regelmäßig im Kölner Roxy stattfindet, wie sehr sie HipHop beeinflusst hat und wie sie durch einen glücklichen Zufall bei 200 Records gelandet sind.

trndmusik: Wie auch bei so vielen anderen DJs und Produzenten, die heute verstärkt elektronische Musik auflegen oder produzieren – habt auch ihr beide ursprünglich HipHop gehört und wahrscheinlich auch gelebt. Wann kam der Wechsel und warum? Einfach irgendwann genug gehabt?

Joschka: Für mich gab es auch keinen kompletten Umstieg aber ich war circa 2003 an dem Punkt das ich einfach keine neuen HipHop-Platten mehr gefunden habe, die mich wirklich umgehauen haben. Und somit hatte ich auch keine Lust mehr HipHop aufzulegen oder zu produzieren. Das war kurze Zeit sehr frustrierend und dann habe ich langsam Techno bzw. House kennengelernt. Durch diese Musik wurde ich damals seit langem mal wieder richtig beeindruckt. Relativ zeitgleich habe ich dann auch angefangen elektronische Musik zu produzieren.

Sebastian: Für mich gab es nie wirklich einen Wechsel. Ich bin zwar nicht mehr so richtig im HipHop aktiv, aber nach wie vor sehr an HipHop interessiert und auch ganz gut auf dem Laufenden was in Deutschland und so passiert. Außerdem sind Techno und House für mich auch so eine Art HipHop. Kommt ja alles aus der selben Zeit und dem gleichen Kultur-Kreis.

trndmusik: Euch als Duo RaucherEcke gibt es jetzt seit rund fünf Jahren. Mit 200 Records habt ihr euer Label gefunden. Wie entstand die Zusammenarbeit?

Joschka: Die Zusammenarbeit mit 200 war ein wirklich toller Zufall würde ich sagen. Dirk und Kai waren als wir sie kennenlernten, grade dabei das Label 200 zu gründen. Ich glaube sie hatten damals auch dazu aufgerufen ihnen Demos zu schicken, jedoch hatte ihnen davon nichts zugesagt. Sebastian und ich fingen grade hochmotiviert an unter dem Namen RaucherEcke Musik zu produzieren und aufzulegen. Und nach nicht allzu langer Zeit haben wir den Jungs ein Demo in die Hand gedrückt was dann nach ein, zwei Nächten der Überarbeitung die ersten Platte des Labels 200 wurde.

trndmusik: Bisher gibt es vier Releases von euch (u.a. auf 200 und Treibstoff). Andere Künstler produzieren am laufenden Band. Wie ist das bei euch? In welcher Stimmung müsst ihr euch befinden, um kreativ zu sein und wie lange kann es dauern, bis ihr hundert Prozent zufrieden seid?

Joschka: Manche unserer Tracks entstehen direkt als Track – werden also beim Produzieren schon arangiert. Andere, wie zum Beispiel Malibu, sind eigentlich erst im Liveset richtig entstanden. Da gab es zu Anfang einen kurzen Loop der aus den Melodien und ein paar Drums bestand. Das Arangement ist dann im Liveset entstanden. Das hat uns dann im Endeffekt so gut gefallen, dass wir es dann fast so auf die Platte gepresst haben.

trndmusik: Für Leute, die euch nicht kennen – beschreibt doch kurz euren Stil. Gab oder gibt es musikalische Einflüsse? Wie weit fließt die „HipHop Vergangenheit“ in eure Sets mit ein? Oder trennt ihr das strikt?

Joschka: HipHop fließt nicht in unsere die Sets ein. Ich finde beide Sachen stehen musikalisch für sich allein. Ich mag nach wie vor beides sehr gern aber es hat sich noch nie vermischt. Den Stil zu beschreiben ist immer schwer. Auf den Geschmack gekommen bin damals mit recht minimalen Sachen. Das war sehr organischer Sound mit vielen holzartigen Geräuschen und interessanten Sounds. Das hat mich damals wirklich umgehauen und ich bin glaub ich bis heute davon beeinflusst. Ich würde unseren Sound als eine Mischung aus relativ modernen Sample-Elementen, wie echten Congas oder anderen Drums, und den alten Klassikern wie der 909, die wirklich oft in unseren Tracks zu hören ist, beschreiben.

Sebastian: Unser Live-Sound ist sehr episch mit klassischen Elementen wie 909 Drums und Synth-Sounds. Die DJ-Set sind immer sehr an die Situation im Club angepasst. Das heisst, dass man von uns morgens bei einer Afterhour eher organisch, verspulten House Sound hört und nachts im Club eher klassischen Techno. Einflüsse kommen oft von Künstlern deren Tracks wir im Club spielen oder von befreundeten DJ’s und Produzenten. HipHop-ähnlichen Sound machen wir eigentlich nicht. Jedoch ist unsere Einstellung zu Techno sehr HipHop ganz nach dem Motto „each one teach one“.

trndmusik: Zu „Malibu“ (Im Oktober 2012 veröffentlicht) lauft ihr mit zwei Gorilla-Perücken durch Köln. Wer hatte die Idee zu diesem witzigen Video und welche Message steckt dahinter?

Joschka: Wir machen uns halt gern zum Affen (Hahaha..)

Sebastian: Ich weiß gar nicht mehr, wer die Idee dazu hatte ..

trndmusik: Was für Zukunftspläne gibt es bei euch?

Sebastian: Wir beziehen gerade unser neues Studio. Werden dort weiter an unserem Live-Set arbeiten und neue Tracks machen.Wir arbeiten gerade auch beide an Solo-Produktionen. Da wird bestimmt spätestens nächstes Jahr was raus kommen. Außerdem veranstalten wir seit Oktober letzen Jahres zusammen mit unserem Freund Markus Jakob die Party-Reihe „I’m in Love…“, mit der wir noch viel vorhaben.

Das Interview führte Sarah Schlifter.