Parra for Cuva (WellDone!): „Meine damalige Nachbarin hat fast die Polizei gerufen“


Parra for Cuva – viel ist bisher über den DJ und Musikproduzenten aus der deutschen Hauptstadt nicht bekannt. Im Interview mit uns sprach der junge Künstler über sein Alias, seinen anstehenden Release auf Well Done und wieso er wegen den Backstreet Boys schonmal beschimpft wurde.

trndmusik: Nicolas, unter dem Alias Parra for Cuva bist Du bekannt. Wie kamst Du zur elektronischen Musik und wie kam der Name deines Pseudonyms zustande?

Parra for Cuva: Bevor ich den Namen Parra for Cuva gewählt habe, hatte ich einen Namen, mit dem ich sehr schnell unzufrieden war. Irgendwann brauchte ich auf jeden fall einen neuen Namen, der schön und möglichst verrückt sein sollte. Meinen eigenen Namen wollte ich auf keinen Fall verwenden, weil ich sowas grundsätzlich eher langweilig finde. Es sollte eher was Exotisches sein, wo man erstmal denkt: „Was ist das denn Irres.“

Nach einer langen Nacht mit dem spanischen und portugiesischen Wörterbuch hatte ich dann Parra for Cuva. Da ich aber selber nie eine Ahnung hatte, was der Name zu bedeuten hätte, gab mir ein Spanier folgende Bedeutung: Parra bedeutet Zwischen den Welten / for / Cuva – in dem Fall könnte es sich um ein Mädchenname handeln. Jeder darf sich aber vorstellen, was er mag.

trndmusik: Du hast bisher eine Veröffentlichung auf dem Label Delicieuse Records rausgebracht. Am 21. Juni 2013 erscheint deine neue EP, „Something Near“, auf dem Berliner Imprint Well Done! Music. Was erwartet uns?

Parra for Cuva: Ja, was erwartet uns? Ich glaube, das sind wirklich zwei der verspieltesten Stücke, die ich je gemacht habe. Beide haben Anna und ich Ende 2012 produziert, als ich grade nach einem Jahr in Neuseeland wieder nach Hause gekommen bin. Ich war so fasziniert, dass ich wieder ein Mikrofon und so viele andere Möglichkeiten zum Aufnehmen hatte, sodass ich mich drei Wochen eingesperrt habe, um tausende kleine Sounds aufzunehmen. Auf „Wicked Games“ kann man zum Beispiel Sounds von analogen Kameras hören, Steel Drums, die ich irgendwo unterm Bett gefunden habe, ein Spielzeug Klavier für Babys und so weiter.

Gleiches gilt für „Something Near“. Ein Lied, was eigentlich erst ein Solo-Kalvierstück von mir war. Auch hier versüßt Anna mit ihrer Stimme natürlich das ganze Stück. Ich habe es teilweise so lange gehört, dass ich meine damalige Nachbarin in Berlin fast dazu gebracht habe, die Polizei zu rufen, weil sie immer nur „Umz Umz Umz Umz“ gehört hat und wirklich fast ausgerastet ist. Alles im allem: zwei sehr verträumte, popige Stücke.

trndmusik: Wird es auch Remixe zur EP geben? Und wenn ja, von wem?

Parra for Cuva: Es gibt nur einen „Something Near“-Remix und ich bin sehr froh, dass sich das Duo Thalstroem & Grambow damit angelegt haben. Ich glaube auch, dass sie wirklich sehr, sehr heiß darauf waren, dafür den Remix zu machen. Es ist ein sehr schöne langsame popige Interpretation von „Something Near“.

trndmusik: Viele deiner bisherigen Produktionen entstanden mit der Sängerin Anna Naklab. Wie habt Ihr Euch eigentlich kennengelernt? Und wird es weitere gemeinsame Arbeiten von Euch Beiden geben?

Parra for Cuva: Anna und ich sind schon sehr lange gute Freunde. Vor langer, langer Zeit (ich glaub mit 13) stand sie zum ersten Mal vor der Tür mit der Gitarre in der Hand, weil sie gehört hatte, dass ich Klavier spielen könne. Zu der Zeit haben wir angefangen, Songs zu machen, die wir unter den Namen „Nian“ veröffentlicht haben. Wir hatten auch ein paar kleine lokale Auftritte, aber nichts wirklich Großes. Irgendwann habe ich dann angefangen, viel Donwtempo zu produzieren und da musste sie dann mitziehen, bis heute. Natürlich wird es auch in Zukunft viele Stücke geben, die wir zusammen machen.

trndmusik: Nach der Veröffentlichung auf Well Done!: Was werden die nächsten Schritte in deinem Produzentenleben sein?

Parra for Cuva: Nach der „Something Near“ EP muss ich mir nach all dem Stress erstmal zwei Wochen auf den Malediven gönnen! Nein, es geht natürlich heiter weiter. Im Juli 2013 kommt als allererstes eine schöne Remix EP von der „Fading Nights“ EP auf Delicieuse Musique und auch eine weitere verträumte EP auf dem Label von HNQO, Playperview, im September 2013.

trndmusik: Was möchtest Du mit Hinblick auf dein DJ- und Musikproduzenten-Dasein noch erreichen?

Parra for Cuva: Der nächste Schritt ist auf jeden Fall ein Liveset mit Anna, wo wir auch schon fleißig dran sitzen. Außerdem produziere ich, was die wenigsten wissen, auch sehr viel Downtempo und hoffe auch, dass ich für diese Stücke bald ein Label finde, die Interesse daran finden. Aber was die Zukunft genau bringt, weiß ja niemand so genau.

trndmusik: Welcher war dein bisher kuriosester Abend als DJ? Und wieso?

Parra for Cuva: Mein kuriosester Abend als DJ war vor drei Jahren auf einer Party, die eindeutig als Swing-Party ausgeschrieben wurde. Ich stand also komplett verkleidet mit Fliege und super Hosenträger am Pult, ganz im Zeichen der Swingzeit eben. Das Blöde war nur, dass niemand anderes wusste, dass es eine Swing-Party ist und ich mich warscheinlich völlig lächerlich gemacht habe.

Während des Auftritts kamen dann mindestens zehn Leute zu mir und wünschten sich irgendwas von den Backstreet Boys. Nachdem ich ihnen deutlich gemacht hatte, dass es unter meiner Würde stehen würde, sowas zu spielen und dass sie doch etwas mehr Niveau zeigen sollten, wurde ich lauthals beschimpft, sodass jemand neben dem Pult stehen musste, um aufzupassen. Gott sei dank gab es natürlich noch genügend andere, die auch dem Swingfieber verfallen waren und es wurde auch gut getanzt. Insgesamt aber ein toller Abend. PS: Ich spiele auch weiterhin kein Stück von den Backstreet Boys!

Das Interview führte Benjamin Reibert.