Ellen Allien (BPitch Control): „Ich habe erlebt, dass Männer „Likes“ kaufen, um besser dazustehen“


Ellen Allien gehört zu den bekanntesten DJanes Deutschlands und hat die Szene der elektronischen Musik mit ihrem Können und eigenem Stil geprägt. Bald kann die Berlinerin auf ihr 25-jähriges DJ-Jubiläum zurückblicken.

Ellen ist eine Allrounderin und hat zusätzlich auf allen Gebieten überaus Erfolg. Sie ist nicht nur eine international verbuchte DJane und Produzentin, sondern bereits unter die Designer gegangen und kreiert Mode. Außerdem ist sie Chefin des BPitch Control-Kosmos und ständig auf der Suche nach neuen Talenten. Wir haben die Berlinerin für zum Interview gebeten. Die BPitch-Betreiberin spricht mit uns über ihr Tattoo, den Geschlechterunterschied in der Musikszene, ihren Zweitwohnsitz in Spanien sowie ihre Lust am Reisen und dem Job.

trndmusik: Obwohl Du nun schon einige Jahre im Geschäft bist, bekommst Du bestimmt nach wie vor etliche Booking-Anfragen – gerade im Sommer. Nach welchen Kriterien entscheidest Du, ob du einen Gig annimmst oder absagst?

Ellen Allien: Anfragen bekomme ich eigentlich über das ganze Jahr verteilt. Gerade im Sommer sind aber viele Clubs geschlossen. Durch unsere Booking-Agentur und die Arbeit kennen wir die meisten Promoter. Wir haben inzwischen weltweite Netzwerke sowie Kontakte und können schnell entscheiden, ob ich in den Club passe und ob er die Vorrausetzung hat, so dass ich gut performen kann.

trndmusik: International bekannte DJanes und Produzentinnen kann man noch immer an zwei Händen abzählen. Du legst auf, bist Labelinhaberin und hast als erster weiblicher DJ einen Mix für die Fabric-Serie angefertigt. Wie hat sich das angefühlt?

Ellen Allien: Ich finde, dass es mittlerweile sehr viele erfolgreiche und talentierte Frauen in dem Bereich gibt. Auch bei BPitch haben wir welche. Da sind zum Beispiel Dillon, Aeréa Negrot, Joy Wellboy, Shinedoe, Camea, Baby D und noch viele mehr. Früher war das alles ein bisschen anders. Mittlerweile sind weibliche DJs keine Seltenheit mehr. Ich muss sagen, dass ich mich über die Jahre hinweg inzwischen als „hard working woman“ fühle.

Es macht nach wie vor so viel Spaß und befriedigt meine Musiksucht. Ich denke im stressigen Alltag darüber nicht viel nach, weil es naütrlich auch viel Reiserei ist. Oft habe ich nur zwei bis drei Stunden Schlaf und spiele die dritte Show an einem Wochenende. Dann geht es nach einer Show gleich zurück ins Hotel und am nächsten Tag weiter.

trndmusik: Denkst Du, dass es heute immer noch schwieriger ist, als Frau sich in einer doch eher männergeprägten Domäne durchzusetzen? Wenn ja, warum ist das so?

Ellen Allien: Nein, überhaupt nicht. Die Menschen da draussen entscheiden selbst, wen sie abfeiern. Inzwischen können sich Künstler durch digitale selbstverwaltete Medien doch gut promoten. Ich habe erlebt, dass Männer „Likes“ bei Facebook kaufen, um besser dazustehen. Dabei verliert man doch völlig die Realität aus den Augen. Die talentierten Frauen werden geliebt und auch sehr gut verbucht. Bei Männer ist es so, dass sie sich oft besser vernetzen und zusammen arbeiten als wir Frauen. Wir Frauen machen das nicht so häufig!

trndmusik: Du machst Mode, Musik, hattest deine eigene Radiosendung, betreibst seit über zehn Jahren BPitch Control und hast die komplette Welt bereist. Was kann da noch kommen? Hast du noch Träume, die bisher unerfüllt blieben?

Ellen Allien: Ja, ich habe noch viele Träume. Ich weiß nur noch nicht, wie ich sie alle umsetzen kann. Eigentlich habe ich viel zu wenig Zeit, um alle Sachen umzusetzen. Dazu müsste ich erstmal mein Zeitmanagement komplett umstellen. Nur habe ich darauf gerade gar keine Lust. Ich liebe es einfach zu sehr, zu reisen und aufzulegen. Es macht einfach einen Riesenspaß und gibt mir so viel zurück. Weiter ist es eine enorme Freude, BPitch mit all den unterschiedlichen Künstlern zu arbeiten.

Einen Traum habe ich mir auf jeden Fall erfüllt: Im Sommer auf Ibiza zu leben. Es ist jetzt schon das zweite Jahr und ich spüre einfach, dass es mir so viel Energie gibt, dort Abends am Meer zu sitzen. Bisher war ich leider dieses Jahr aber so viel unterwegs, dass ich davon bisher noch nicht so viel profitieren konnte. Jetzt im September kann ich Ibiza ein paar Wochen genießen.

trndmusik: Ein Blick in die Vergangenheit: 1999 hast Du dein Label BPitch Control in Berlin gegründet. Was war der ausschlaggebende Punkt, um eine Plattenfirma zu gründen, und wie kamst Du auf den Namen?

Ellen Allien: Der Name entstand durch ein Wortspiel: Der DJ ist die Bitch, der die Tänzer mit dem Pitcher (Ein Teil am Plattenspieler, der die Geschwindigkeit einstellen lässt) kontrolliert. Die Plattenfirma entstand damals, da es kaum Labels in Berlin gab, die meine Musik rausbringen konnten. Um einfach andere Musikstile veröffentlichen zu können, musste ich das Label gründen. Aber heute gibt es ja sooo viele Labels …

trndmusik: Eine letzte, aber doch intime Frage: Verrätst Du uns die Bedeutung deines Tattoos auf dem linken Unterarm?

Ellen Allien: Es ist meine Göttin, die mich beschützt. Ein Tier.

Das Interview führte Sarah Schlifter.