SoloWg (Very You): „Die Liebe zur Musik kam mit den Anfängen von Andhim und Super Flu“


SoloWg – das sind die Freunde Dario, Hendrik und Nigel aus dem Sauerland. Dort geboren und aufgewachsen, lernen sie sich auf Veranstaltungen kennen. Mit ihrem Projekt SoloWg sind die Drei nun schon seit rund zwei Jahren unterwegs. Neben dem Produzieren sind sind sie alle berufstätig, aber treffen sich so häufig es geht bei Hendrik im Studio zum Musik machen. Wir erwischen die Drei noch kurz vor ihrem Soundcheck, bevor sie auf dem Dockville- Butterland-Floor auf die Bühne gehen, um mit ihnen im Interview über die Liebe zur Musik, emotionalen Tracks, Gänsehautfeeling und ihr Label Very You zu sprechen.

trndmusik: Ihr seid jetzt aus Köln angereist. Was bringt einen denn vom Sauerland in die Domstadt und dann bis hier nach Hamburg?

Nigel: Nee, wir kommen jetzt auch direkt aus dem Sauerland und wohnen auch dort. Ich hab SoloWg quasi gegründet und dann kamen die anderen dazu. Ich hab aber in Köln gewohnt, bin da jetzt fertig und zurück Richtung Sauerland gezogen. Hendrik kommt aus meiner Heimatstadt, dann hat das alles angefangen mit uns und sind wir alle wieder zurück nach Meschede bei Dortmund gezogen. Für ein Jahr war ich sogar mal in Hamburg. Es ist eine super Stadt, aber ich mag Köln lieber.

trndmusik: Ist Köln dann die zentrale Anlaufstelle und spielt ihr da meistens?

Nigel: Nee, als wir in Köln waren, ging das mit SoloWg noch gar nicht so richtig los. Das war noch die Anfangsphase und eigentlich waren wir nur zu faul, um das alles zu ändern.

trndmusik: Wer von euch hat dann angefangen aufzulegen und wer sich eher auf das Produzieren konzentriert?

Hendrik: Wir beide haben eigentlich angefangen mit dem Auflegen. Am Anfang war das viel Techno und so was wie „Oh my god it’s Techno-Music“. Irgendwas war uns das zu stressig und es fehlte an der Leidenschaft. Wir kannten uns ja aus dem Heimatort und jeder ist über die Jahre dann an den Sachen, die er gemacht hat, gewachsen. Ich habe zu der Zeit Partys veranstaltet und man kam sich immer näher. Zu den Veranstaltern von „Rockin Lüdenscheid“ und „Mixery Cave“ hatten wir gute Kontakte und so hat sich das dann ergeben. Nigel und Dario haben früher auch viel mehr diese Electro-Sachen aufgelegt. Dann hat man sich auf Partys getroffen, es harmonierte und dann haben wir gemeinsame Sache gemacht. Wesentlich besser, als in dem Kaff zu vergammeln.

trndmusik: Euer Label sitzt ja aber in Dresden. Wie kommt ihr da zusammen?

Hendrik: Ehrlich gesagt hatten wir kein Bock auf Experimente. Wir hatten einige Anfragen von Labels und Booking-Agenturen, die uns gleich exklusiv haben wollten. Dann kam Knut S., der erst sein Label „Circle“ gründete und das aber in zwischen in „Very You“ geändert hat. Er hat uns quasi aufgenommen. Auf „Very You“ hatten wir jetzt die ersten Releases (Self Control) und Gigs. Dann kommt jetzt bald noch ein zweites Label, „Play with us“ von Tony Casanova hinzu.
Dario: Wenn wir nett angeschrieben werden, machen wir aber in manchen Fällen auch unser Booking selbst.

trndmusik: Die Sachen, die ihr rausbringt, sind ja schon sehr gefühlvoll. Ich würde sogar so weit gehen, zu sagen, dass es vielleicht sogar am meisten die weiblichen Fans anspricht. Wie kommt das? Wieso sind die Tracks meist so emotional?

Hendrik: Liebe. Wir sind eben Lover-Boys… (lacht)

Nigel: Es passiert einfach. Man will vielleicht eher etwas Tanzbares machen und dann findet man auf einmal eine liebvolle Melodie, verliebt sich in diese und macht einfach weiter. Das ist der Sinn dahinter!

trndmusik: Ihr habt relativ viele männliche Vocals auf den Tracks. Mit wem arbeitet ihr da zusammen?

Nigel: Eine Sängerin kommt aus Amerika. Das ist die Jane Doe, die wir jetzt nicht persönlich kennen. Das läuft alles über den Soundcloud-Accont: Sie singt dann Stücke ein und davon haben wir jetzt zum Beispiel den Rihanna-Remix gemacht. Sie hat das quasi gecovert, wir haben den Gesang genommen und das dann weiter bearbeitet. Viele andere Sachen sind bisher immer zusammen geschnibbelt.
Aber wenn sich da was bietet, dann freuen wir uns natürlich. Aber man muss auch erst mal einen Sänger finden, die einen wirklich ansprechen und aus dem produzierten Track etwas rausholen.

trndmusik: Woher kommen eure musikalischen Einflüsse?

Nigel: Wir haben mit Electro angefangen und sind dann eigentlich immer ruhiger geworden.  Und die Liebe zur Musik kam so mit den Anfängen von Andhim und Super Flu. Dann kamen damals noch ein paar unbekanntere Sachen wie Lexer und FalscherHase dazu. Dadurch hat sich dann unsere Art heraus entwickelt. Ich würde sagen, wir haben unsere spezielle Art.

trndmusik: Spezielle Art – da liegt die Frage Nahe, was euch denn von anderen Dj/Produzententrios unterscheidet. Gerade momentan gibt es unwahrscheinlich viele junge Talente, die ähnliche Musik machen wie ihr.

Dario: Wir wollen mit unserer Musik die Menschen erreichen und den Menschen das Gänsehaut-Gefühl verschaffen. Genau das hinzukriegen, ist echt schwer. Wenn es ein Lied gibt, das uns Gänsehaut macht, dann wird das bei anderen ja auch möglich sein.

Hendrik: Wir versuchen nur Lieder zu produzieren, die auch uns berühren. Und nur weil gerade jemand total gehypet wird, heißt das nicht, dass wir ihn spielen. Uns muss es auch gefallen. Wir sind ja zu dritt und da spielen dann drei verschiedene Musikgeschmäcker mit rein. Es ist von jedem etwas mit dabei. Und bei den Tracks, die wir machen, müssen alle dreihundert Prozent dahinter stehen.

trndmusik: Dreht ihr dann viele Abstimmungsschleifen unter euch?

Nigel: Eigentlich nehmen wir uns am meisten die Kritik von Freunden zu herzen. Wenn alle sagen, das ist nichts, dann machen wir den Track auch nicht weiter. Oder er wird dann einfach eine Woche liegen gelassen.

trndmusik: Dario, du bist jetzt der Dritte im Bunde. Wie bist du dazu gestoßen?

Dario: Im Prinzip war ich schon immer dabei, aber nie so richtig offiziell. Ich stand eher im Hintergrund, wurde aber oft dazu gezogen und sollte meine Meinung zu unfertigen Tracks äußern. Irgendwann habe ich dann gefragt, ob ich nicht einfach dazu kommen kann.

trndmusik: Der Track „Love“ ist großartig, wie ich finde. Ich liebe ihn. Gibt es eine Geschichte dahinter; wie ist der Track entstanden?

Nigel: Erst mal danke! Ich saß mit einem anderen Freund im Keller und mir kam einfach nur der Gedanke: „Ich produziere jetzt was Geiles“! (Lacht) Dann habe ich irgendwelche Akkorde rein gehauen und mein Kumpel fand es sofort super! Ich habe ihn dann aber drei Monate liegen gelassen, weil ich selbst davon nicht mehr so überzeugt war. Der Kumpel hat mich quasi zu meinem Glück gezwungen, dass ich ihn fertig machen soll. Zu der Zeit war er auch noch komplett ohne Gesang. Dann habe ich ihn fertig gemacht und nach einer Zeit lebt man sich in einen Track auch immer mehr ein. Durch Zufall kamen die Vocals hinzu und dann folgte eins auf das andere. Ich hätte niemals erwartet, dass er so gut ankommt! Dieser Track hat uns ja bekannt gemacht. Er war eine Woche online und wir hatten direkt Anfragen von Lexer, FalscherHase und Forsthouse, ob sie ihn haben können … Es ist auch bisher das meist überarbeitete Lied.

trndmusik: Das ist heute hier euer erstes Dockville. Habt ihr noch andere Festivals diesen Sommer bespielt?

Hendrik: Bisher waren wir bei einem Open-Air in Dresden – das war eine Benefizveranstaltung von Very You selbst. Unter „Solo WG“ ist es das erste Festival und es gefällt uns total gut. Als wir noch solo unterwegs waren, habe ich zwei Jahre hintereinander bei der „Ruhr in Love“ gespielt. Und ich war jetzt eine Woche auf Ibiza.

trndmusik: Bereitet ihr euch irgendwie auf Gigs vor? Gibt es ein bestimmtes Ritual?

Hendrik: Wir haben vorhin im Auto auf der Fahrt hier her die Playlist geschrieben :)
Wir haben natürlich unsere Lieblingslider, die kommen dann in eine Playlist und daraus wählen wir dann aus. Bei einem letzten Gig hatten wir nur einen USB-Stick dabei, haben drauf losgespielt und das hat auch prima geklappt!
Nigel: Man kann sich auch nicht immer hundertprozentig darauf vorbereiten..  Improvisiertes kam bisher auch immer sehr gut an! Oft saßen wir vor einem Gig zusammen und haben alles noch mal umgeschmissen.

trndmusik: Eure „Interview“ EP ist dieses Jahr zum Free-Download erschienen. Was kommt als Nächstes?

Nigel: Die Tracks auf der EP sind eigentlich eher alle zufällig entstanden und ein bisschen anders, als sonst auf einer EP. Alle Tracks sind zum „free download“, um den Leuten eine Freude zu machen und sie zu unterhalten.

Dario: Wir freuen uns auch echt immer über jeden Kommentar bei Soundcloud oder Facebook. Wenn unser Booker nicht dazu kommt, beantworten wir die Fragen. Es kann manchmal etwas dauern, aber wir gehen auf alles ein. Als ihr uns das erste Mal bei trndmusik erwähnt habt, haben wir so gefeiert!

Nigel: Wir versuchen noch ein paar Tracks dieses Jahr fertig zu machen, die vielleicht auf „Kunsthandwerk“ aus Köln erscheinen werden und bei „Play with us“ kommt ein Remix raus. Zwei – drei andere Sachen sind in der Mache, aber noch lange nicht fertig. Im Oktober geht’s zu einer Benefiz-Veranstaltung  nach Amsterdam! Ein Album würden wir erst machen, wenn man ganz sicher ist, dass es ein zusammenhängendes Kunsthandwerk wird!

Das Interview führte Sarah Schlifter.