Gorge (8Bit): „Das Ploetzlich am Meer Festival war mein Highlight der letzten zwei Jahre“


Seit Jahren ist der Musikproduzent und Labelbetreiber Gorge in der Welt der elektronischen Musik zu Hause. Im Interview mit uns erzählt Peter „Pit“ Waldmann, was ihn bewog, um mit dem DJing anzufangen, wie seine Labels entstanden, und wann die Pressung von Vinyl auf seinem Label 8Bit eingestellt wird.

trndmusik: Seit 1993 bist Du bereits im Musikgeschäft aktiv. Wie kam es dazu?

Gorge: Ich kam damals durch den Bruder meiner Ex zum Auflegen. Er hatte einen Haufen Platten von Torsten Fenslau und anderen coolen Produzenten aus der Zeit gesammelt und zwei 1210er zu Hause stehen. Da habe ich dann immer Mixen geübt. Nach und nach habe ich das Vinyl für mich entdeckt und angefangen,
regelmäßig den Recordstore in Mannheim heimzusuchen und auf die begehrten Wunderpakete von Discomania und Intergroove zu warten.

trndmusik: War der Einstieg als Produzent und DJ zu deiner Zeit einfacher? Und wie hat sich die Qualität der heutigen Produktionen zu den damaligen verändert? Gibt es eine positive oder doch negative Entwicklung?

Gorge: Als Produzent habe ich erst etwa 1998 angefangen. Der Einstieg war wesentlich schwerer, da Musikproduktion wesentlich mehr Know how und vor allen Dingen das nötige Kleingeld erforderte, um sich erstmal die nötige Hardware zuzulegen. Das ging nicht mit Laptop und Ableton, sondern man musste noch analog mischen und auf DAT oder Minidisc aufnehmen. Hardware kostet eine Menge und so hab ich mir nach und nach ein Studio zusammengestellt.

trndmusik: Gemeinsam mit Nick Curly hast Du 2004 das Label Amused 8Bit Records gegründet. Ihr habt darauf hin aber Amused und 8Bit aufgeteilt. Warum dieser Schritt und was hat Dich damals dazu bewogen, ein Label zu starten?

Gorge: Wir waren 2004 zu dritt als wir die Labels Amused und Amused 8Bit gründeten. Der erste Schritt diesen Weg zu gehen, war einfach, dass wir es leid waren, auf unsere eigenen Releases auf anderen Labels ewig warten zu müssen. Ausserdem hatten wir in unserem Umfeld einige Leute wie Ray Okpara und Johnny D, die anfingen, cooles Zeug zu basteln. Das wollten wir bei uns veröffentlichen. Amused stand mehr für House und Electrosound und Amused 8Bit ging eher in die minimalistische Richtung. Für die DJs war es sehr schwer, diese kleine Unterscheidung im Namen zu erkennen und somit beschlossen wir. die Labels in Amused Records und 8bit Records umzubenennen und ein eigenes Artwork dafür zu entwerfen. Mit 8Bit wechselten wir dann auch direkt den Vertrieb und starteten mit Intergroove neu. Nach ein paar Veröffentlichungen stellte sich heraus, dass Nick und ich einen anderen Weg gingen als unser damaliger Partner Wolfgang Wahl und wir trennten uns.

trndmusik: Im Jahr 2009 brachtest Du dann dein zweites Label an den Start: Katchuli. Was ist der Unterschied von Katchuli zu 8Bit?

Gorge: Katchuli steht mehr für meine deepe Seite. Die Release dort spiegeln einen anderen Sound wider, für den ich eben auch stehe. Melodischer und deeper Sound prägen das Label und auch die Artists unterscheiden sich. Allerdings ist meine Zeit inzwischen sehr knapp geworden, sodass ich mich entschlossen habe, mich mit meinem langjährigen Freund und Partner SKAI (Kai Schmidt) bei seinem bereits bestehenden Projekt „Refresh your mind“ einzusteigen und dort gemeinsam das lange erwartete Label aufzubauen und zu etablieren. Dieser Schritt erschien mir logisch, da wir uns sehr gut ergänzen werden und musikalisch auch auf der gleichen Welle schwimmen.

trndmusik: Auf welche Neuheiten dürfen wir uns von deinen Labels in naher Zukunft freuen? Stehen neue Veröffentlichungen an?

Gorge: Mit 8bit geht es weiterhin straff voran und wir haben in naher Zukunft Release von Nick Curly, Junior Gee, Gorge, Andre Butano, Demian Muller sowie Miguel Lobo und sind noch an ein paar tolle Veröffentlichungen für das komende Jahr dran. Auf Re:Fresh your mind werden wir im Januar mit Christian Nielsen und Simon Mattson starten. Der Release wird gleich noch einen Remix von mir enthalten. Im Februar 2014 kommt dann eine EP von Mario Aureo mit einem Markus Homm und SKAI Remix hinterher.

trndmusik: Mit bürgerlichen Namen heißt Du Peter „Pit“ Waldmann. Wie ist dein Pseudonym, Gorge, entstanden?

Gorge: Das große Fragezeichen. Ich bin Windsurfer und mein Traumspot war lange Zeit die Columbia River Gorge in den USA. Dort wurden tolle Surbretter gebaut und so hab ich mir gedacht. Gorge klingt ganz cool, dann mache ich das mal so. Heute holt mich das natürlich ein, da ich in einigen Ländern auf ratlose Minen schaue, da das französche Wort z. B. Kehle bedeutet. Da muss man aufpassen, dass man nicht immer sofort als Schluckspecht gesehen wird.

trndmusik: Vor knapp zwei Monaten warst Du beim Ploetzlich am Meer Festival dabei. Wie war es? Und bevorzugst Du lieber ein warmes Open Air oder doch lieben den dunklen Club, um aufzulegen?

Gorge: Dieses Open Air war für mich das Highlight der letzten zwei Jahre. 10 000 Leute, Spitzenwetter und ich konnte ein dreistündiges Set spielen. Die Jungs haben einen tollen Job gemacht. Ich habe den halben Gig den Gänsekombi angehabt und selten so coolen Sound beim einem Open Air spielen können. Da ich doch tendenziell eher deeperen Sound spiele, funktioniert das ntürlich oft besser im Club als auf den typischen Festivals. Allerdings hat sich ja auch der Sound verändert und die Leute nehmen diese Musik wesentlich besser an als vor ein paar Jahren. Prinzipiell bevorzuge ich natürlich die frische Luft, da ich Nichtraucher bin.

trndmusik: Im Juli 2013 warst Du mit einem Track auf Noirs Kollektion „Use Your Ears 2013“ vertreten. Wann kommt wieder eine EP von Dir in den Handel? Oder fertigst Du lieber Remixe an, wie Du es die Jahre zuvor schon gemacht hast?

Gorge: Ich finde es sehr erfrischend, Remixe zu produzieren und habe auch einige neue fertiggestellt. Dieses Jahr wird noch eine EP auf 8Bit erscheinen und ein Track für eine Christmas-Compilation auf Mirco Veitengrubers Label Degree. Im neuen Jahr sind einige Singles geplant und insgesamt weniger Remixe.

trndmusik: Vor Kurzem wurde bekannt gegeben, dass der Vinylverkauf in Großbritannien im Vergleich zu den Jahren zuvor sprunghaft gestiegen ist. Wie siehst Du die aktuell Entwicklung? Lässt Du überhaupt noch Schallplatten für deine Labels produzieren oder bist Du komplett zum digitalen Format gewechselt?

Gorge: Man muss das realistisch betrachten. Der Vinylverkauf ist deshalb sprunghaft angestiegen, weil mittlerweile sehr viele Pop und Rockgruppen wie z. B. Deep Purple wieder Special-Editions auf Vinyl herausbringen, die von Sammlern gekauft werden. Im elektronischen Bereich ist das nicht ganz so, da viele junge DJs überhaupt nicht das Geld verdienen können, um im Monat 400 bis 500 € für Vinyl auszugeben. Früher hatte man einen Resident-Club, in dem man acht Stunden am Abend gespielt hat und auch entsprechend Geld bekommen hat, weil es noch keine anderen Medien gab ausser Vinyl. Wir produzieren noch Vinyl mit 8Bit, weil wir die Wertigkeit unserer Musik demonstrieren möchten und noch nicht drauflegen. Wenn es aber an den Punkt kommt, dass wir für Vinyl obendrauf zahlen müssen als Label, hört der Spass auf. Die digitalen Medien sind einfach inzwischen relevanter und man findet auch immer weniger Clubs (außer in Deutschland), die noch funktionsfähige Plattenspieler besitzen.

trndmusik: Du beschäftigst Dich seit knapp 20 Jahren mit Musik und bist mittlerweile über 40. Wie stellst Du Dir deine kommende Zukunft vor? Wirst Du der Musik irgendwann den Rücken zukehren?

Gorge: Musik wird immer ein Bestandteil meines Lebens bleiben. Als DJ werde ich bestimmt noch ein paar Jahre machen, da ich auf meinen Reisen sehr viele Eindrücke und Impressionen bekomme. Ich lerne viele Leute verschiedener Kulturen kennen und das möchte ich nicht so schnell vermissen. In Zukunft werde ich mich wahrscheinlich eher auf die Labelarbeit und Produktion konzentrieren und neben meinem Partner Nick Curly auch einige andere Artists produzieren und mit dem Studio auch wieder mehr Dienstleistungen anbieten wie z. B. Mixing und Mastering. Desweiteren arbeite ich an Sideprojekten wie einem Chillout-Album usw.

Tracklist:

01. Woodcut – Now you do
02. Kyle Watson – Throwback
03. Junior Gee – Way down low
04. Detroit Swindle – Unfinished business
05. Guti & Mark Fanciulli – The light
06. Simon Mattson & Christian Nielsen – Reality (Gorge Remix)
07. Nick Curly – Multiply
08. Redscape – Funky feeling
09. Gorge – All night
10. Mario Aureo & Manuel Moreno – Autumn Bell
11. Oliver Schories – Hear myself

Was? Re:Fresh
Wann? Samstag, den 2. November 2013 ab 23:00 Uhr
Wo? Rockmarket, Mainzer Landstrass 36, 60325 Frankfurt
Wer? Santé, Gorge, Steffen Deux, SKAI, Marc Keen, Nisse Nilson

Wir verlosen 2*2 Gästelistenplätze für den Rockmarket! Was müsst ihr tun? Entweder schreibt ihr einen Kommentar mit eurer Emailadresse oder ihr schickt einfach eine Email mit eurem kompletten Namen und dem Betreff ( Re:Fresh! ) an win@trndmusik.de!

Das Interview führte Benjamin Reibert.