Hufschlag & Braun: „Unsere Musik lebt von ihren unterschiedlichsten Einflüssen“


Patrick und Carlos kennen sich, seitdem sie elf Jahre alt sind, und bilden gemeinsam seit 2011 das Duo Hufschlag & Braun. Ende August 2013 bespielten die Wahlkölner zum ersten Mal das Ms Dockville in Hamburg. Am Festival-Sonntag gab es nachmittags, bevor der Regen alles überflutete, eine Stunde ein Live-Set im Maschinenraum zu hören. Nach ihrem Auftritt trafen wir die Jungs zum Gespräch.

Im Interview erzählen die beiden Musiker von der Aufregung und Vorbereitung vor Gigs, den Dorfjungs und ihrer Booking-Agentur c/o Pop. Weiter steht das nächste Release der Jungs vor der Tür: Die EP „VOICES“ mit den Remixern Hobo, Less Hate und Marvin Hey & Ferdinand Dreyssig wird auf Get Physical/Poesie Musik in Kürze erscheinen.

trndmusik: Mit Festivals kennt ihr euch ja bereits aus. Letztes Jahr habt ihr zum Beispiel beim Melt! gespielt. Hier in Hamburg beim Dockville wart ihr aber das erste Mal. Wie war’s für euch?

Carlos: Das Melt! wirkt noch wesentlich rauer, technoider und hat Industriecharme. Hier kommt man an, alles ist grüner, es sind weniger Leute und die Stimmung ist gelassen und entspannt. Die Leute hier sind super offen und wir hatten wirklich eine gute Zeit!

trndmusik: Habt ihr euch besonders für heute vorbereitet?

Carlos: Auf unsere Sets müssen wir uns im Vorfeld immer vorbereiten, weil wir hohe Ansprüche an den Begriff „live“ stellen. Das heißt wir müssen uns sehr konzentrieren und wenn ich irgendwo mal falsch drehe, und er nicht hinguckt und aufpasst, dann ist der Song durch. Wir haben vor einigen Wochen in Salzburg gespielt. Zwar ein ähnliches Set, aber dadurch dass wir alle Elemente individuell steuern können, ist es ganz anders geworden..
Patrick:
Als wir heute hier beim Dockville angefangen haben, war noch keiner da und es war ziemlich leer. Carlos meinte dann zu mir, wenn ich die erste Bassdrum reinhaue, geht die Sonne auf. Genau so wars. Nach den ersten zehn Minuten, als der Regen komplett verdrängt wurde, war die Energie da und das hat sich dann gesteigert!

trndmusik: Seid ihr denn noch aufgeregt vor Gigs?

Carlos: Sehr. Gut, dass es einen Raum hinter der Bühne gibt. Da kann man sich nochmal dehnen und stretchen und ein bisschen klarkommen.

trndmusik: Mit c/o Pop habt ihr eine starke Booking-Agentur, Festival, gutes Netzwerk und auch Köln im Rücken. Das ist doch schon wesentlich einfacher, als ohne Verstärkung anzufangen und loszulaufen, oder?

Patrick: Klar, macht das viel aus. Wir haben diese Leute, die auch unsere Freunde sind und auf die wir zurückgreifen können. Wir können sie jederzeit fragen: „Wie ist das eigentlich damit und damit… ?“ Das gibt einem Sicherheit und lässt einen nicht ganz so krass ins kalte Wasser fallen.

Wir würden manchmal gerne ein bisschen mehr spielen. Wir beide studieren und arbeiten allerdings nebenbei und ganz realistisch gesehen, ist es zurzeit auch schwer umzusetzen viel zu spielen. Das Live-Ding ist auch schnell ausgelutscht und so ist es auch einfach manchmal exklusiver, wenn man seltener spielt!

Man muss dazu sagen, dass wir auch noch andere starke Leute haben, die uns unterstützen. Wir haben noch das andere Pariser Label, die schon vor langer Zeit unsere einzige EP rausgebracht haben. Wir warten jetzt da drauf, dass unsere angekündigten Sachen dieses Jahr auf zwei verschiedenen Labels erscheinen.

Carlos: Das Schöne ist, dass wir uns beide nicht so einen Stress machen und sagen, dass wir jetzt alle zwei Woche einen Remix raushauen müssen. Und das wollen wir auch gar nicht.

trndmusik: Ihr seid unter anderem auch noch Teil des Kollektivs „Dorfjungs“. Was passiert da denn gerade?

Carlos: Es ist eine coole Mischung: Auf der einen Seite sind wir Künstler für unsere „Dorfjungs“ und c/o Pop und auf der anderen Seite haben wir den Spaß das Label aufzubauen und Bookings für seine Kumpels ranzuholen. Neben Studium und Job passt das gerade gut und macht total viel Spaß!

trndmusik: Wie lässt sich eure Musik denn beschreiben?

Patrick: Ich möchte Musik nicht „einkategosieren“. Wir bringen beide ein weites musikalisches Spektrum mit. Wir versuchen momentan so viel Verschiedenes zu machen, um sich vielleicht auch irgendwann mal zu finden.

Obwohl ich das persönlich ganz furchtbar finde, wenn junge Künstler ihren Sound suchen, gerade junge Bands, die unbedingt dem Erfolg hinter herhecheln und sagen: „Wir brauchen unseren Sound sonst funktioniert das alles nicht.“
So was muss sich doch auch erst entwickeln und das dauert seine Zeit!  Ich finde einfach, dass das der falsche Ansatz ist.

Carlos: In den Produktionen sind wir schon sprunghafter, was daran liegt, dass wir nicht 20 Jahre im Plattenladen gearbeitet haben und alles von Anfang an verstanden haben. Wir haben mit unserer Musik angefangen und auf dem Weg gelernt, welche verschiedene Stile es gibt und wie man sie verwenden kann.. Unsere Musik lebt von ihren unterschiedlichsten Einflüssen!

Patrick: Das einzige, was wir uns vielleicht auf die Fahne geschrieben haben, ist, dass unsere Sachen zumindest ein bisschen „raw“ klingen sollen; also nicht ganz fertig und durchproduziert. Dazu sind wir eh im Moment nicht in der Lage.

Wir mögen keine glatt geschliffenen Sachen. Darüber hinaus kann man sagen, dass die Entwicklung des Producings zeigt, dass in der letzten Zeit immer stärkere House Einflüsse in unsere Musik kommen. Wenn du in der Lage bist, Rock, Pop, House, Hip Hop und Techno in ein Set zu packen, sodass sich das alles in einem Kontext fügt, dann ist das total die krasse Kunst!

Und vielleicht auch die Leute mal zu ärgern, und nicht gleich direkt zu befriedigen. Da gibt es heute Beispiele en màs, bei der es nur um diese Befriedigung geht. Und es ist doch total schön, den Leuten mal etwas anderes zu bieten.

Carlos: Wir haben letztes Jahr Theo Parrish im Schrebergarten gesehen und es war unglaublich gut! Da standen 500 Menschen, die auf ihn gewartet haben, aber 400 davon sind wieder gegangen, weil es ihnen zu krass war. Die 100 Leute, die da geblieben sind, haben das Set ihres Lebens gehört. Der hat einfach Dinge gebracht, die ich mich im Leben nicht getraut hätte. Vor so etwas ziehe ich echt den Hut!

trndmusik: Das bringt mich zu meiner nächsten Frage. Was funktioniert besser: Sich eine Nische aufbauen oder die ganze musikalische Bandbreite abdecken?

Patrick: Bloß nicht darüber nachdenken, wo man sich einordnet. Das machen die anderen schon.
Carlos: In dem Moment, in dem ich mich einordne, limitiere ich mich auch ganz krass. Und das macht für uns gerade überhaupt keinen Sinn!

trndmusik: Die Sommerzeit ist leider fast zu Ende. Was passiert bei euch noch in diesem Jahr?

Carlos: Franz Beckenbauer würde sagen: Schau ma mol.

Das Interview führte Sarah Schlifter.