Martin Waslewski (Sunset Handjob): „Super Flu oder Monkey Safari spielen deinen Track, du stehst da und siehst, wie die Leute dazu tanzen und feiern“


Martin Wedler aka Martin Waslewski hat schon früh mit Hip-Hop angefangen kurz danach Musik selbst produziert. 2010 ging es richtig mit elektronischer Tanzmusik los und in diesem Jahr hat er seinen persönlichen Stil gefunden. Martin mit seinen polnischen Wurzeln ist in Halle geboren und aufgewachsen und steht derzeit mit einigen Soloprojekten, aber auch seinem guten Freund Ole Biege, in den Startlöchern. Im trndmusik-Interview spricht der 25-Jährige über die Künstler aus Halle, wie er zum Auflegen kam, seinen ersten Track, die Faszination am Auflegen, seine musikalischen Vorbilder und die ambitionierten Projekte.

trndmusik: Du hast jetzt vor Kurzem deine Single „Sir Beach a Lot“ auf Ahoi Records mit einem sehr coolen Video rausgebracht. Was hat dich zu dem Track animiert?

Martin Waslewski: Wie das Video ja zeigt, war ich voll wie ne Strandhaubitze! Nein, natürlich nicht. Grundsätzlich war das ein Zufallsprodukt und wurde spontan gedreht. Ich setze mich nicht mit dem Ziel „Du musst jetzt einen Sommertrack bauen“ an den Rechner. Als ich den Track produziert habe, war Sommer und natürlich wollte ich dann stimmungsmäßig einen frischen, sommerlichen Track produzieren und so kam dann eins zum Anderen. Auch wenn er jetzt im November erscheint, holt er ein bisschen den Sommer zurück. Im Großen und Ganzen bin ich auch zufrieden mit der ganzen EP. Sie ist sehr stimmig und ausgeglichen und mit Kollektiv Ost und Dole&Kom haben wir auch zwei super Remixer engagieren können.

trndmusik: Wann und wie hast du mit dem Musik machen angefangen? Was hat dich so fasziniert, dass es dich nicht mehr losgelassen hat?

Martin Waslewski: Alles fing 2002 an. Ich habe gerne Musik gehört und habe mir 2004 meine ersten Turntables gekauft. Aber damals habe ich noch Hip-Hop gemacht. Im selben Jahr habe ich auch meine ersten Clubgigs in Halle gespielt. Damals noch alles mit Vinyl. Es war schön, so wirklich noch das Handwerk zu lernen, zumal jeder weiss, wie schwer es ist, mit Vinyl Hip-Hop zu mixen. Natürlich kam so 2006 nach und nach der Trend dann auch zu uns, mit Rane Serato oder später auch Traktor zu mixen, was natürlich vieles erleichterte.

Manchmal denke ich mir aber heute noch, wer gerade anfängt, sollte nach Möglichkeit auch mal mit Vinyl gemixt haben. Du bekommst einfach ein viel besseres Gefühl für das Mischen. Alles geht heute so leicht und Mixconsolen oder CD-Player haben den Sync-Button. Dabei lernen viele nicht wirklich, was es heißt, zu mixen und das auch mal kleine Wackler im Liveset drin sind.

Mittlerweile spiele ich aber auch mit CD-Playern. Jedenfalls habe ich ca. 2008 angefangen, selber Beats zu bauen. Ich höre zwar noch viel Oldschoo-Rap, aber als DJ musst du ja die Charts hoch und runter spielen und auch als Produzent wollte ich mich ausleben. So habe ich 2010 angefangen meine ersten House- und Techno-Sachen zu produzieren. Heute muss ich darüber schmunzeln. Ich denke in diesem Jahr habe ich dann endlich zu meinem Sound und meine Richtung gefunden.

Mich hat immer fasziniert, dass die Leute einfach der Musik wegen in den Club gehen und sich nicht alle zwei Minuten einen Track wünschen, sondern einfach tanzen, weil es gut klingt. Früher musstest du immer dein gleiches Programm runterspulen, was ja eh jeder hören wollte, bis auf einige wenige Clubs, in denen du mal freier warst. Ich freue mich tierisch auf meine anstehende Release und bin auch ein bisschen stolz mit viel Arbeit und Kraft meine mir gesetzten ersten Ziele erreicht zu haben –  aber da soll ja nun wahrlich nicht Schluss sein.

trndmusik: Du hast auch bisher ziemlich viele Remixe für bekannte Künstler gemacht. Gibt es etwas, was dir mehr Spaß macht: Einen Track, den es schon gibt remixen und etwas Neues draus machen oder selbst an einem Abend vor Publikum deine selbst produzierten Sachen zum Besten geben?

Martin Waslewski: Ich wollte Andrea Berg nie remixen? Ach nee, darum ging’s ja gar nicht (lacht)! Ihr sprecht sicherlich die Edits oder Bootlegs an. Dazu möchte ich sagen, dasa mein erster Edit „Soley – The Sun Is Going Down“ (Rocque&Waslewski Re-Work) einfach nur zum Üben war. Ich wollte ihn gar nicht veröffentlichen. Freunde wollten ihn hören und unbedingt, dass ich was draus mache. Gesagt getan und ohne Erwartungen kam er gut an und hat aktuell über 30 000 Plays, was viel für einen kleinen Künstler ist! Danach hab ich noch drei Sachen als Edit und zum Free Download gemacht. Das war alles ein Teil meiner Entwicklung. Das werde ich definitiv so in der Form nicht wiederholen.

Für mich liegt mein Augenmerk, meine eigenen Sachen zu schaffen. Natürlich kann man samplen, aber wenn, dann versucht man ja, das Sample so zu verändern, dass es kaum raushörbar ist, woher es stammt. Man wird in meinen nächsten Produktionen mehr organische Klänge hören, da ich Schrottplatz-Geräusche wie z. B. das Schlagen auf Eisentonnen oder Sonstiges aufgenommen habe. Für mich ist es jetzt natürlich auch eine total schöne und neue Erfahrung, zu sehen, wie die Leute meine Tracks annehmen und besonders auf der Tanzfläche. Insbesondere wenn ich selber spiele oder Freunde und Bekannte DJs wie Ole Biege, Super Flu oder Monkey Safari deinen Track spielen und du da stehst und siehst, wie die Leute dazu tanzen und feiern. Da bekomme ich jedes Mal Gänsehaut. Es gibt für mich einfach nichts Schöneres und ich kann mir auch keinen besseren Job bzw. besseres Hobby vorstellen.

trndmusik: Ich habe seit einiger Zeit das Gefühl, dass gerade aus dem Osten Deutschlands unglaublich viele interessante Künstler und Festivals aus dem Boden sprießen. Ist das nur ein Gefühl oder könnte an der Vermutung etwas dran sein? Wie siehst du das?

Martin Waslewski: Na ja, zum dem Gefühl kann ich nicht so viel sagen. Man merkt aber schon, dass sich hier was entwickelt. Ich kann nur von meiner Stadt ausgehen und dort ist es schon verblüffend, was passiert und wie viel Talente hier schlummern. Angefangen bei Super Flu, Ron Flatter, Monkey Safari, Ole Biege, um die bekanntesten Gesichter zu nennen. „Junge“ Künstler wie ich oder z. B. Casimir von Oettingen versuchen natürlich ihren Weg zu finden. Man kann schon sagen, dass die eben Genannten Vorbilder für mich sind. Aber auch Freunde – und das finde ich wichtig. Es ist wichtig, dass das Ganze musikalisch passt und wir im Idealfall bei uns in Halle alle gut miteinander auskommen. Ich persönlich wollte aber auch immer musikalisch überzeugen und mir das erarbeiten. Ich freue mich, dass ich die Jungs von mir überzeugen konnte und in diesem Jahr noch ein Release auf Super Flus Label Sunset Handjob ansteht und Anfang 2014 auf Monkey Safaris Hommage. Weiter finde ich es schön, dass uns diese Künstler in Halle erhalten geblieben sind und nicht gesagt haben: „Wir gehen nach Berlin!“

trndmusik: Was machst du, um deine Bekanntheit zu erhöhen?

Martin Waslewski: Mich mit Ole Biege im Internet prostituieren und den ganzen Tag den Mist hochladen, der uns mal wieder durch den Kopf geht! Da wir unter anderem eine WG zusammen haben, geht da viel in den Köpfen rum. Nein, aber mal Spaß beiseite: Ich will releasen, releasen, releasen! Aktuell habe ich vier EPs fertig, drei davon kommen noch dieses Jahr raus. Dazu kommen noch vier weitere Remixe für verschiedene Künstler. Durch die Release wird sich das schon ergeben mit der Bekanntheit. Und vielleicht klopft dann auch mal eine Booking-Agentur an und sagt, dass sie mich wollen.

trndmusik: Bitte erzähl mir noch etwas über Ahoi Records und generell über die nächste Zeit. Was steht bis Ende des Jahres bei dir an? Mit wem spielst du welche Gigs und wo kann man dich spielen hören?

Martin Waslewski: AHOI Audio ist ein neu gegründetes Label von Beatamines und Andlee. Die „Moonburn“ EP inklusive einem MatJoe-Remix ist bereits auf Gold Records erschienen und am 30. November 2013 steht das Release auf Ahoi Audio: „Sir Beach A Lot“ EP inkl. Kollektiv Ost, Dole &Kom Remix an. Im letzten Quartal 2013 wird noch ein Release auf Sunset Handjob inkl. Ronte Monte Mo Remix erscheinen. Anfang 2014 ist etwas auf Hommage  inkl. Ole Biege Remix geplant.

Bestätigte Gigs für 2013:

– 16. November 2013 @ Brotfabrik in Gransee mit Ole Biege, Beatamines & Kollektiv Ost
– 29. November 2013 @ Wohnstube in Magdeburg
– 07. Dezember2013 @ Archiv27 in Neubrandenburg mit Stephan Bodzin
– 13. Dezember 2013 @ Docks in Hamburg
– 28. Dezember 2013 @ L`Hibou in Dresden mit Ron Flatter

trndmusik: Danke, Martin, für das Interview – und man wird sich dann im Dezember im Docks sehen!

Das Interview führte Sarah Schlifter.