Max Graef (Box aus Holz): „Allein im Jazz kann man sich unheimlich viele Inspirationen holen“


Max Graef ist bereits seit mehreren Jahren als Produzent, DJ und Labelgründer von Box aus Holz bekannt. Seine Sets zeichnen sich durch eine Abwechslung aus, die besonders im musikalischen Einheitsbrei der Berliner Szene auffällt. Trndmusik sprach mit ihm im Rahmen einer Boiler Room Daytime Party, bei der er ein einstündiges Set spielte.

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trndmusik: Max, wie war für dich das Jahr 2013. Wie siehst du den relativ großen Hype um deine Person, den ich an der häufigen Erwähnung deines Namens von Detroit Swindle auf ihrer Facebook-Seite fest mache und wie bemerkst du ihn, wenn überhaupt?

Max Graef: Also einen großen Hype gab es nicht so unbedingt. Aber ich hab schon gemerkt, dass die Plays bei Soundcloud sehr schnell um 2000 hochgingen, wenn Detroit Swindle einen Track von mir gepostet haben. Das liegt dann aber eher an dem Hype, den Detroit Swindle im Moment haben und weniger an mir. Mein persönlicher Eindruck ist eher, dass sich alles ganz langsam etabliert hat. Es wirkte fast natürlich.

trndmusik: Wirst du wie viele andere junge Produzenten auf dein Alter (20 Jahre) angesprochen? Nervt das?

Max Graef: Ich will überhaupt nicht über mein Alter sprechen, ich finde das für Musik völlig irrelevant. Ich denke, jemand, der 40 Jahre alt ist, kann genau so gute Musik machen wie jemand, der 15 Jahre alt ist.

trndmusik: Du verwendest viele Samples in deinen Tracks. Woher kriegst du die und glaubst du, dass das Sampling mittlerweile an seine Grenzen stößt, weil jedes Sample im Prinzip schon ein mal benutzt wurde?

Max Graef: Für mich persönlich, habe ich mir als Ziel gesetzt, auf Dauer weniger bis gar nicht zu samplen. Ich denke, das ist eine schöne musikalische Herausforderung. Mittlerweile nehme ich schon immer mehr auf und benutze immer weniger Samples, verglichen mit meiner Produktionsweise von vor einem Jahr. Es gibt natürlich immer diesen gewissen Konflikt. Die Hip Hoper sagen, dass es ok ist, Samples zu benutzen und ich finde das am Hip Hop auch immer noch geil und eigentlich auch sonst und es macht halt einfach auch ohne Ende Laune zu samplen. Ich persönlich fühle mich allerdings häufig schlecht dabei, irgendwelche Sachen von manchen Künstlern zu samplen und will es auch deshalb immer weniger machen. Das heißt aber nicht, dass ich andere Künstler, die samplen, nicht gut finde! Ganz im Gegenteil. Da geht’s nur um mein persönliches Gewissen. Aber es gibt schon saugeile Sachen von Bands und Künstler aus den 70er Jahren und auch schon davor. Da fragt man sich, wie die so fresh klingen konnten. Die sample ich immer noch gerne. Der Konflikt bleibt dabei in mir allerdings immer noch bestehen.

trndmusik: Du willst also auch eher dahin, mehr Vocals und Instrumente selbst aufzunehmen?

Max Graef: Ja, auf Dauer. Ich nehme auch schon voll viel selber auf, zum Beispiel Bass, Gitarre, Synthis, Rhodes, wenn mal welche verfügbar sind. Für mein Album, das 2014 erscheinen wird, hab ich nur noch ganz wenige Tracks mit Samples gemacht. Das meiste hab ich selbst eingespielt.

trndmusik: Als deine musikalischen Einflüsse werden meist Hip hop, Garage, House und Ghettodisco, was auch teilweise deine Eigenbezeichnung ist, genannt.

Max Graef: Also im Housebereich zunächst gar keiner. Da hab ich erst später Sachen entdeckt, die mich voll geflasht haben. Und Hip Hop auch erst viel später. Eigentlich komme ich mehr aus dem Rockbereich, also Jimi Hendrix und Led Zeppelin und so Zeug. Und später dann mehr Funk & Jazz, zum Beispiel The Meters oder halt Herbie Hancock oder so. Diese Funksachen sind immer noch in meinem Kopf drin und das ist auch genau der Sound, den ich versuche hinzubekommen.

trndmusik: Glaubst du, es ist ein Problem, dass viele DJs und Produzenten sich ihre Inspiration nur aus einem musikalischen Genre holen?

Max Graef: Nein, nicht unbedingt. Ich meine Genre ist so wie so nur ein Wort! Allein im Jazz kann man sich ja unheimlich viele Inspirationen holen. Sicherlich limitiert man sich etwas, wenn man sagt, ich möchte nur diese eine Musikrichtung hören, aber ich kann mir gar nicht vorstellen, dass viele Leute so denken. Probleme habe ich damit sowieso nicht! Wenn mir was gefällt, hör ich es mir gerne an, wenn nicht dann nicht.

trndmusik: Ich habe bisher mit Rose Records und Luv Shack Records über das Thema Vinyl gesprochen. Du legst meistens mit Vinyl auf und dein Label (Box aus Holz) ist auch ein Vinyl-Only-Label. Was ist in deinem Fall der Grund? Der Sound?

Max Graef: Ich halte Vinyl gerne in der Hand. Das ist irgendwie was schönes. Ich finde es außerdem einfach nicht cool, dass man einen Track produziert und der dann überall im Internet kursiert. Ich mag diese Limitierungen bei Vinylproduktionen gerne. Wenn die Nachfrage da ist, spricht ja trotzdem nichts gegen ein paar Represses! 1000 Platten sind ja immer noch extrem limitiert. Der Sound ist natürlich auch geil. Es klingt halt geil, wenn es kratzt.

trndmusik: Willst du in Zukunft im Bereich der House- bzw. elektronischen Musik bleiben? Kannst du dir vorstellen für andere Leute zu produzieren und selbst gar nichts mehr zu machen?

Max Graef: Gar nichts mehr zu machen, kann ich mir nicht vorstellen. Auf meinem Album hab ich mit einem Sänger zusammengearbeitet und für den mach ich wahrscheinlich auch seine Platte. Ich glaube nach dem Sommer 2014 hab ich überhaupt keine Lust mehr auf Techno, hab ich jetzt schon oft nicht mehr. Zum Party machen ist das ja immer noch ok. Aber bezüglich eigener Produktionen werde ich vermutlich eine andere Richtung einschlagen in den nächsten Jahren. Aber wer weiß. In ein paar Monaten hab ich vielleicht wieder richtig Bock auf 4/4.

trndmusik: In welchen Klubs spielst du am liebsten?

Max Graef: Im Farbfernseher spiele ich gerne, weil es immer sehr intim ist und häufig viele Freunde da sind. Und die Wilde Renate mag ich auch gerne. Da wird man gut aufgenommen und es ist immer eine fette Party am Start.

trndmusik: Unweigerlich muss am Jahresende die Frage kommen: Was waren deine Lieblingsplatten 2013?

Max Graef: Ich weiß die Platten nicht genau, aber von den Künstlern Glenn Astro und IMYRMIND, das sind meine großen Hoffnungen aus Deutschland. Auf die hab ich wirklich Bock, die mag ich immer, die sind immer frisch irgendwie. Ansonsten Seven Davis Jr., der hat eine Platte auf Apron gemacht. Die ist ein ich Killer. Gab ein Haufen geile Platten aber jetzt fallen mir nicht so viele ein. Damiano von Erckert, der hat ein echt gutes Album gemacht. Im Hip Hop gab es viele gute Sachen: Beatvadda „The Drum Machine“ fand ich sehr geil zum Beispiel.

trndmusik: Musikalisch bist du also recht divers. Du suchst deine Platten wahrscheinlich nicht über Beatport, oder?

Max Graef: Bei Beatport hab ich vor ein paar Jahren mal ein paar Tracks gekauft, danach nie wieder. Ich finde es so beschissen, was die auf ihrer Frontpage haben, da hab ich schon gar keinen Bock irgendwas zu suchen. Ich suche viele Platten im Internet. Ich bin leider ein wenig Discogs süchtig. Aber eigentlich geht nichts über einen schönen Plattenladen, auch wenn es manchmal nur zum abhängen ist. Plättenläden wie der von Oye Records in Berlin sind oft sehr inspirierend irgendwie, natürlich auch wegen der Musik, die sie verkaufen! OYE 4 EVA (lacht).

Mehr Informationen zu Max Graef und Box aus Holz findet Ihr auf www.soundcloud.com/max-graef und www.soundcloud.com/box-aus-holz.

Das Interview führte Philipp Kutter