Christian Löffler (Ki Records): „Der melancholische Grundklang schwingt immer mit“


Im Januar 2014 noch beim bpm Festival in Mexiko gespielt – heute im Norden Deutschlands auf der Interviewbank: Christian Löffler. Der DJ und Produzent gründete 2009 mit zwei Freunden das Label Ki Records und sitzt derzeit am Nachfolge-Album von „A forest“ aus dem Jahr 2012. Im trndmusik-Interview spricht der 28-Jährige über melancholische Tanzmusik, die Arbeit an seinem zweiten Album und darüber, wie er mit Fans umgeht.

SW2 - Photo MAXIMILIAN BARTSCH maximilianbartsch.de

trndmusik: Für dich war es das zweite Mal beim bpm-Festival. Es muss doch ein absoluter Traum sein, dort zu spielen?

Christian: Ja, ist es auch. Wie letztes Jahr wurde ich von Lee Burridge eingeladen. Es sind Parties am Tag, die bis in den Abend reingehen, wenn es dunkel wird. Und das ist schon toll so direkt am Strand mit toller Deko. Die Stimmung ist gut und die Musik ein bisschen chilliger – das mag ich. Es fühlt sich schon etwas businessmäßiger an – die ganze elektronische Musikbranche ist vertreten: Presse, Booker, Produzenten und man kommt sehr schnell ins Gespräch.

trndmusik: Auf deinem Album sind einige Tracks wie „Blind“, „Ash & Snow“ oder „Slowlight“ sehr melancholisch und verträumt, teilweise experimentell, aber trotzdem tanzbar. Verfolgst du eine bestimmte Herangehensweise, wenn du dich ins Studio setzt und anfängst zu produzieren?

Christian: Also, grundsätzlich habe ich keinen bestimmten Plan. Das ist stimmungsabhängig. Wenn mir nach Musikmachen ist, versuche ich direkt loszulegen und den Moment einzufangen. Die Strategie funktioniert oft ganz gut für mich und man hat schnell eine gute Grundlage, mit der ich später weiter arbeiten kann.

Ich habe rausgefunden, dass das meist besser funktioniert, als acht Stunden am Computer zu sitzen und auf eine gute Idee zu warten.

Dass es vielleicht teilweise experimentell anmutet, kommt wohl daher, dass ich den aktuellen Stand der Techno/House-Szene nicht besonders aufmerksam verfolge und sich deshalb keine Produktionstrends oder im Moment angesagte Sounds einschleichen können. Der melancholische Grundklang schwingt immer mit. Das ist einfach mein Sound. Egal, welche Art von Musik ich mache oder gern höre.

trndmusik: Die Veröffentlichung von deinem Debütalbum, „A forest“, ist jetzt eineinhalb Jahre her. Was passiert bei Dir gerade aktuell?

Christian: In den letzten Wochen ist ziemlich viel passiert. Es sind einige neue Stücke entstanden, die jetzt nach und nach auf unserem Label Ki veröffentlicht werden. Los gehts im Februar mit der Single „All Comes“. Darauf ist ein neuer Song, auf dem wieder Gry Bagøien singt. Eine Art Follow-Up zu „Feelharmonia“ von „A Forest“ und ein Remix von Monokle.

In diesen Tagen filme ich gerade eine Video für „All Comes“, dass wir zusammen mit der Veröffentlichung der Platte online stellen werden. Ende April kommt dann eine Extended EP mit acht neuen Tracks. Das ist eine Art Überblick, was ich in den letzten Monaten so gemacht habe. Tracks, die an das erste Album anlehnen, aber noch einige Schritte weitergehen.

Ganz aktuell produziere ich mein zweites Album. Ich genieße an so einem großen Projekt arbeiten zu können. Nicht nur einen Track zu machen, sondern die Möglichkeit eine ganze Geschichte zu erzählen. Spannend dabei ist, wie es sich vom Sound entwickelt. Mir kommt es so vor, als wenn es weniger Techno, aber dafür noch mehr Melodie und Atmosphäre hat. Das gefällt mir. Der Fokus liegt weniger auf der Kick und Highhat, sondern mehr auf Gesang und Harmonie, aber schon weiterhin in einem Gerüst, dass an Techno erinnert. Ich habe schon fertige Songs und einige Skizzen mit denen ich sehr zufrieden bin.

trndmusik: Verspürst du nicht einen starken Druck, weil man natürlich an den Erfolg des Vorgängers anknüpfen möchte?

Christian: Klar, der Druck ist schon da. Und auch so schnell wie möglich fertig zu werden. Ich wollte eigentlich viel schneller fertig sein. Ich habe so viel an dem Album gearbeitet und bin die ganze Zeit nicht fertig geworden. Ich sehe auch andere Künstler, die ich persönlich gut finde und die brauchen auch oft länger. Wenn man länger auf ein neues Album wartet, dann freut man sich noch mehr drauf und spürt auch noch stärker eine Weiterentwicklung. Ich glaube, dass es gut und gesund ist, wenn man sich für eine kleine Pause Zeit nimmt. Man macht sich natürlich Gedanken, wie man zum Beispiel am Ende die Reihenfolge der Tracks anordnet und stellt sich vor, wie jemand die Tracks finden könnte. Beim ersten Album hätte ich nie erwartet, dass es so gut ankommt.

trndmusik: Wir konnten uns ganz kurz beim Melt! 2013 kennenlernen. Dabei konnte ich beobachten, wie Fans nach deinem Gig auf dich gewartet haben. Wie fühlt sich das an, so famous zu sein?

Christian: Das fühlt sich super an. Ich freue mich, dass den Leuten meine Musik gefällt. Direktes Feedback zu bekommen, ist immer eine tolle Sache, obwohl ich ja nicht super bekannt bin.

trndmusik: Bitte skizziere uns kurz einen gelungenen Abend / Gig aus deiner Sichtweise.

Christian: Dazu braucht es gar nicht viel. Ich brauche kein großes Rahmenprogramm, wie edles Essen oder ein besonderes Hotelzimmer. Das was wirklich zählt, ist der Auftritt selbst. Dass die Stimmung gut ist und einfach ein positiver Vibe im Raum ist. Wenn ich spüre, dass die Leute es genießen, voll bei der Musik sind und man selbst auch abtauchen kann. Wenn man Zeit und alles andere vergessen kann, dann ist es am besten.

Das Interview führte Sarah Schlifter.