Das Ende der YOU FM Clubnight


Ein Kommentar von Sarah Schlifter

Ich kann mich noch sehr gut an meine ersten Erlebnisse mit der XXL-Clubnight erinnern: Das muss so um 1997 rum gewesen sein. Das Ganze kam einem Event gleich, das ausgiebig zelebriert werden musste. Es waren immer Freunde zu Besuch, es wurde „vorgeglüht“ und sich auf die bevorstehende Musik vorbereitet und eingestimmt. Überpünktlich versammelte sich die komplette Mannschaft vor dem Empfangsgerät. Aufgepasst und den Record-Knopf gedrückt gehalten. Und schon wurde alles mitgeschnitten. Meist scheiterten die Versuche, Moderation, Werbung und weitere Ansagen nicht mitzuschneiden. Eins der Highlights war definitiv das Omen-Closing 1998, das live übertragen wurde.

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Bis zu diesem Zeitpunkt war die Clubnight ein Nischenformat, was aber immer wieder Begeisterung bei den Zuhörern fand. Auch als hr XXL 2004 in Young Fresh Music, kurz YOU FM , und somit auch das Format unbenannt wurde, blieb ich treu. Und viele andere Hörer auch. Bekannte und weniger bekannte DJs und Produzenten spielten jeden Samstag „live“ im Radio. Angereichert mit spannenden Informationen über das Label, Kollaborationen und Musikveröffentlichungen. Außerdem fand ich es aufregend, die „richtige“ Stimme des Gast-DJs zu hören.

Auch eine grandiose Erinnerung sind die Ostermärsche, die man bis 2003 verfolgen konnte. Ich weiß noch, dass ich mir das Programm ausgeschnitten und angekreuzt habe, was ich auf keinen Fall verpassen darf und unbedingt aufgenommen werden muss.

Nach über 20 Jahren wird das Format nun komplett eingestellt. Was mich aber am meisten traurig macht, ist, dass die Clubnight anderen Formaten weichen soll, die nur aus Kommerzialität bestehen. Mit viel Passion, Liebe und Akribie wählte Host Franksen Woche für Woche seine Gäste aus. Sicher gibt es andere gute Sendungen auf Byte FM, 1LIVE und FLUX Fm – aber nur eine originale Clubnight!

Mit dem Wegfall der YOU FM Clubnight wird das Rhein-Main Gebiet um eine Radiosendung im Bereich der elektronischen Musik ärmer. Nicht nur in Hessen geht damit eine Ära zu Ende – es ist ein großer Verlust für das ganze deutsche Sendegebiet.

trndmusik: Frank, du hast das Format YOU FM Clubnight maßgeblich in den letzten zehn Jahren mitgeprägt. Ich kann mir die Antwort zwar denken, aber was denkst du über das Ende?

Franksen: Natürlich bin ich weit über meinen eigenen Horizont hinaus traurig, dass ein solches Kultformat nach 24 Jahren in die ewigen Jagdgründe der Radiogeschichte eingehen muss. Da kam die Show schließlich her, aus der Radiogeschichte Deutschlands, in der die Show das erste deutsche Radio DJ-Format war. Eine Show, die unbestritten in nachhaltiger Wechselwirkung mit vielen namhaften DJ Karrieren stand.

Dass die Urformen von House und Techno im heutigen Radiomarkt immer weniger ein Standbein haben, ist für mich persönlich das Unschönste. Für mich als DJ, Redakteur und Moderator geht es nach langen Jahren auf zu neuen Ufern, das kann nie schlecht sein. Ich schaue mit einem lachenden Auge auf tolle Radiojahre zurück, in denen die Show nur wenig an Reputation eingebüßt hat. Das und die Musik kann der Clubnight-Gemeinde niemand nehmen. Und die Musik bleibt, egal, was die Trends kurzzeitig mit sich bringen. True Techno und Housemusic never dies!

trndmusik: Gibt es ein paar Highlights, an die Du Dich erinnern kannst? Wenn ja, welche?

Franksen: Eigentlich zu viele Highlights, um Namen zu nennen. Vorweg natürlich der Clubnight Hessentag, der auch dieses Jahr – 14. Juni 2014 in Bensheim – das Finale (zu allem) bietet. Da hauen wir mit Pig’n’Dan, Chasing Kurt, Pascal FEOS, Tom Wax, C-Rock und mir nochmal auf den Putz!

Am schönsten waren daneben die Liveshows, wenn viele Gäste da waren, die mit der Clubnight und ihren DJs den Abend zu einem persönlichen Erlebnis werden ließen. Diese Stimmung hat sich auch immer nach außen übertragen. Ebenso, wie besten Sets der DJs, die sich getraut haben, aus ihrem Radioset weit mehr als einen Standard Podcast zu machen, wie es heute üblich ist. Wer die zwei Stunden mit Bandbreite, musikalischem Motto, dem berühmten roten faden und Vibe füllen konnte, der hat – für mich – das DJing an der Wurzel gepackt. Die ja auch dank der Clubnight Blüten trieb. Ein DJ Set hat – Anfang, Mitte und Ende! Ein bisschen Drama, und schon ist die Soundreise perfekt. So war die Clubnight in ihren besten Sets!