Ein Quadrat voller Freiheit: Novation Launchpad S


Was haben David August, KiNK, Flume und Jonas Woehl auf all diesen Bildern gemeinsam? Richtig, statt auf Plattenspieler, CDJ und Co. vertrauen alle vier auf die Macht digitaler Controller für ihre Live-Performances. Insbesondere ein Controller fällt durch seine simpel-kompakte Form und sein prächtiges Farbenspiel ins Auge: das Launchpad aus dem Hause Novation. Natürlich ist das Launchpad mittlerweile keine Neuigkeit mehr. Seit etwa fünf Jahren ist das Gerät nun schon auf dem Markt und hat bedeutend dazu beigetragen, dass Musiker ihre Auftritte mit Hilfe von Ableton Live vollkommen im Griff haben. Auch im Internet ist das Launchpad längst hyperinflationär im Rahmen von Mashup-Videos, Live-Performances und Reviews zu sehen. Welche Neuigkeit kann euch dieser Artikel also überhaupt noch verkünden? Hiermit wollen wir nicht nur auf den fortgeschrittenen Nachfahren, das Launchpad S, hinweisen, sondern auch verdeutlichen, wie vielfältig ein solcher Controller eure Sets bereichern kann.

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Oberflächliches: Quadratisch, praktisch, gut

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Aber erst einmal zu den harten Fakten und damit schon zu der ersten guten Nachricht. Für etwa 170 € könnt ihr das Launchpad S käuflich erwerben, das komprimierte Launchpad Mini sogar schon für schlappe 100,- €. Das sind Preise, die auch für den ambitionierten Hobby-Producer durchaus erschwinglich sind. Dieser bekommt für seinen Start von Novation mit dem Kauf des Launchpads auch die Launchpad Edition von Ableton Live oben drauf, die in etwa der Version Live 9 Lite entspricht. Dazu gesellt sich noch das Novation-eigene Plug-In Bass Station, ein digitales Instrument, das für erstes Synth-Geträller vollkommen ausreichend ist. Als wäre das noch nicht genug, sind auch noch ca. 600 MB an Samples mit im Lieferumfang enthalten. Genügend Material also, um selbst von Null anzufangen. Sehr großzügig, Novation!

Der neuerdings in grau erscheinende Controller ist erstaunlich gut bestückt. Auf einer Fläche von 24 x 24 cm reihen sich in 2 cm Höhe 64 Pads zu einem Gitter zusammen, das mittels LEDs bunt zum Strahlen gebracht werden kann. Über und rechts neben dem Raster befinden sich nochmal jeweils 8 LED-unterstützte runde Pads, die als Steuerelemente fungieren. Im Übrigen ist die Leuchtkraft gegenüber dem Vorgängermodell erhöht worden und das bei niedrigerem Energieverbrauch. Die Gummi-Pads fühlen sich außerdem noch fluffiger an, man möchte sie am liebsten immer und immer wieder drücken. Dabei sitzt der Druckpunkt optimal und auch das verbesserte Reaktionsvermögen der Pads ist spürbar. Neben der erhöhten Geschwindigkeit hat Novation auch die Kompatibilität des Launchpads optimiert und dieses somit zur Universal-Waffe mutieren lassen. Nachdem das Launchpad über ein USB-Kabel an den PC oder Mac angeschlossen wurde, ist das Gerät dank Plug-and-Play sofort startklar. Die bei Tastendruck gesendeten MIDI-Signale können beliebig verwendet werden, auch mit alternativen DAWs. Hilfreich ist dabei die Software Automap, die Novation ihrer Hardware zur Seite stellt. Damit fällt das Mapping, also die Zuordnung von Steuerelementen in der Software zu Steuerelementen des Launchpads deutlich leichter, speziell was Plug-ins angeht. Entsprechend ihrem Selbstverständnis der digitalen Fortschrittlichkeit hat Novation dem Gerät auch eine Option zur Nutzung mit einem iPad spendiert, dazu später mehr. Dieses funktionale Gesamtpaket ist bei all seiner Kompaktheit mit 0,76 kg darüber hinaus erstaunlich leicht und alles andere als eine Last. Oberflächlich gesehen ist also alles einwandfrei. Novation hat die bewährte Tradition äußerlich weitergeführt und die Vorzüge des ersten Launchpads aufrecht erhalten.

Tiefgründiges: Freiheit für den DJ

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Der Session-Modus ist die Kontrollzentrale des Launchpads. Von hier aus hat der User all seine Clips aus der Session-Ansicht in Ableton im Griff. Bei einem leeren Projekt bleiben natürlich auch die 64 Tasten des Launchpads noch unbeleuchtet. Unabhängig davon, wie groß euer Projekt ist, könnt ihr mittels der Richtungstasten auf dem Launchpad in jede Ecke eurer Projekts gelangen. Zur Orientierung sind alle Clips, die ihr mit euren 64 Pads erreichen könnt, mit einem bunten Kasten eingerahmt, den ihr beliebig bewegen könnt. Ist eine Spur aber mit einem Instrument ausgerüstet und aufnahmebereit, drückt ihr eine korrespondierende Taste in der Spur und es kann losgehen. Je nach eingestellter Quantisierung blinkt das gedrückte Pad für die Dauer eines Taktes erst rot auf, um dann solange rot zu leuchten wie der Clip aufnimmt. Die Aufnahme stoppt ihr ganz einfach, indem ihr die Taste noch einmal betätigt. Wenn der laufende Takt beendet ist, erstrahlt die LED dann in grünem Licht, was bedeutet, dass der Clip nun aktiv ist. Um diesen wieder zu stoppen, müsst ihr euch an die rechte Seite des Launchpads wenden. Die acht runden Tasten haben die Kontrolle über jede Szene, Ableton-Jargon für Zeile. Nach Betätigung eines dieser Pads werden also alle Clips in der korrespondierenden Szene gestartet und alle Clips außerhalb gestoppt. Diese acht Tasten könnt ihr dementsprechend auch nutzen, um Clips zu stoppen und zwar indem ihr eine Szene aktiviert, die bisher noch leer ist. Clips, die sich in nicht aufnahmebereiten Spuren befinden, können dahingegen durch Drücken einer grauen Taste derselben Spur angehalten werden. So ganz intuitiv ist das Stoppen von Clips mittels Launchpad also nicht gelöst. Hilfreich wäre vielleicht eine Shift-Taste, die gedrückt zu halten ist, während man den zu stoppenden Clip auf dem Launchpad antippt. Insgesamt aber merkt man schnell, dass das schon sehr simple Steuerungsprinzip von Ableton mit möglichst maximaler Intuition auf die Oberfläche des Launchpads übertragen wurde. Das Software-Interface wird fassbar.

User 1

Der User 1-Modus ist die Kreativzentrale des Launchpads. Hier finden Drum-Rack-Instrumentalisten ihren idealen Spielplatz. Austoben könnt ihr euch ganz einfach, indem ihr ein Drum Rack auf eine Spur in Ableton ladet und schon könnt ihr dieses exakt so steuern wie in Live abgebildet. Aber, und das ist schade: Ohne weitere Einstellungen tappt ihr hier im Dunkeln, die LEDs bleiben inaktiv. Nach einem kurzen Umweg über die unendlichen Weiten des Internets sind wir dann aber dennoch auf eine Lösung gestoßen, wie der User-1-Modus doch noch in Farbe genossen werden kann. Dazu muss zuerst ein neuer MIDI-Clip erzeugt werden, der eigens für das LED-Feedback einer bestimmten Spur verantwortlich sein wird. Lasst euch daraufhin in Ableton die Ein-/Ausgänge der jeweiligen Spuren anzeigen. Unter „MIDI From“ stellt ihr dann ein, von welchem Instrument ihr visuelle Rückmeldung erhalten wollt. In unserem Fall also das Drum Rack. Den „Monitor“ stellt ihr auf „In“ und unter „MIDI Out“ wählt ihr „Launchpad Output“. Direkt darunter stellt ihr dann als Ausgangskanal „Ch. 5“ ein. Warum gerade Kanal 5? Wissen wir auch nicht. Jetzt könnt ihr das Drum Rack nach Belieben steuern. Hier brilliert das Launchpad als musikalisches Instrument, denn die volle Bandbreite von 64 Pads kann nun genutzt werden, um neben Drums Töne jeglicher Art, wie beispielsweise Samples, zu triggern. Nachdem nun das LED-Feedback eingestellt ist, tanzen die LEDs bei einem gespielten Clip kreuz und quer über das Launchpad. Jeder Controller-Fetischist wird angesichts eines solch prächtigen Farbenspiels sofort zum begeisterten Kind und vergisst schnell alle Mühe:

Selbstverständlich könnt ihr in diesem Modus auch Instrumente steuern, wobei die Pads jeweils aufeinander aufbauend bestimmten Noten zugeordnet sind. Zugegebenermaßen ist das Launchpad nicht optimal dafür geeignet – um ein Keyboard kommt man für ein optimales Spiel mit Noten nicht rum. Aber den Anspruch hat Novation auch überhaupt nicht. Das Launchpad möchte primär kein Keyboard sein, sondern ein Kontrollinstrument für Live, das in all seiner Kompaktheit auch genau das leistet. Unter diesem Aspekt ist auch zu verkraften, dass die Tasten des Launchpads nicht anschlagdynamisch reagieren, d. h. die Kraft, mit der ihr auf die Pads hämmert, wird nicht in einen exakten digitalen Wert transformiert. Dennoch würde eine solche Velocity-Funktion sicherlich nicht auf Ablehnung stoßen. Anschlagdynamik gehört auf dem Markt mittlerweile zum guten Ton und selbst kostengünstigere Alternativen wie AKAIs LPD8 können’s. Doch an dieser Stelle müssen wir Novation in Schutz nehmen. Das Launchpad müsste so programmiert werden, dass es je nach Modus zwischen Launch-Funktion (Session) und Velocity-Funktion (User 1) hin- und her schalten müsste, was in der technischen Umsetzung problematisch werden könnte. Aber vielleicht finden die Innovations-Genies von Novation hier ja tatsächlich eine Lösung.

User 2

Als wäre das noch nicht genug, bietet euch das Launchpad im User 2-Modus nochmal einen Raum von 64 Tasten, um selbst die radikalsten musikalischen Freigeister zu befriedigen. Was ihr hier anstellt, ist vollkommen euren Individualisierungswünschen beim Setup überlassen. Eine wirklich simple Möglichkeit wäre beispielsweise, die Pads im User 2-Modus als Aktivierungsschalter für Effekte zu nutzen. Dazu muss nur der Modus fürs MIDI-Mapping in Live aktiviert werden und anschließend der An-/Aus-Schalter auf dem Launchpad definiert werden. Und schon läuft’s, dank unserer Einstellung des LED-Feedbacks sogar mit Beleuchtung. Natürlich ist es auch möglich weitere Parameter dieses Effekts im User 2-Modus zu steuern, z. B. die Dry-/Wet-Mischung. Also wieder in den MIDI-Mapping-Modus und auf den Drehregler in Live drücken. Daraufhin zieht ihr eure Finger von rechts nach links und schon habt ihr die Mischung unter Kontrolle, wenn auch mit großen Sprüngen. Leider fehlt hier die visuelle Unterstützung durch LEDs. Sicher ließe sich das wieder irgendwie bewerkstelligen, aber wir wären überglücklich, wenn die Einstellung zukünftig leichter von der Hand gehen würde. Trotzdem danke für diese Extra-Portion Freiheit!

Mixer

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Der Mixer-Modus bietet genau das, was der Name verspricht. Wegen der vielen verschiedenen steuerbaren Parameter, ist dieser Modus auch dementsprechend bunt auf dem Launchpad gestaltet. Mit den runden Tasten auf der rechten Seite könnt ihr die einzelnen Parameter im Detail steuern. Nach Drücken auf „vol“ erreicht ihr die Lautstärken für jede einzelne Spur, die ihr hier per Tastbewegung verändern könnt. Sicher, die Auflösung ist nicht ideal für die Studioanwendung, aber für den Live-Einsatz reicht sie locker. Mehr kann man von einem padbasierten Controller nicht erwarten. Nach selbigem Prinzip ist auch mit den „pan“-Reglern zu verfahren, wobei hier die LEDs mittig leuchten und somit eine mittige Position im Stereopanorama anzeigen. Drückt ihr auf die Pads oberhalb oder unterhalb des LED-Balkens, verschiebt sich die Position der Spur im Panorama nach rechts oder links. Alles ganz logisch und sinnvoll. Genauso logisch und sinnvoll könnt ihr mit den Send-Spuren A und B umgehen. Für jede einzelne Spur ist hier einstellbar, welcher Anteil vom Send-Effekt wirksam wird. Wieder zurück im Hauptmenü des Mixers schauen wir uns an, was von hier aus machbar ist. Die grünen Tasten oberhalb fungieren als Reset-Buttons, mit denen ihr die eben gemachten Veränderungen an den Parametern rückgängig machen könnt. Zur Orientierung dienen auch hier wieder die Beschriftungen rechts am Launchpad. Mit der Zeile „stop“ kann per Tastendruck die korrespondierende Spur logischerweise gestoppt werden, und mit „trk on“ stumm geschaltet werden. Genauso schnell könnt ihr in der Zeile „solo“ jede Spur einzeln hörbar machen und in der Zeile „arm“ die Aufnahmebereitschaft ein- und ausschalten. Hier ist alles sehr übersichtlich und logisch angeordnet und das Launchpad holt ein Maximum an Kontrolle aus seinen technischen Möglichkeiten heraus. Es ist wirklich schön, alles unter Kontrolle zu haben.

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iPad

In Zeiten der digitalen Revolution darf natürlich auch die Möglichkeit der Anbindung an ein iPad nicht fehlen. Dementsprechend hat Novation die gleichnamige App Novation Launchpad entwickelt, mit der jeder Musik-Fanatiker auch unterwegs produktiv zu Werke gehen kann. So zumindest die zugrundeliegende Idee all jener neumodischen Musik-Apps für’s iPad. Mal sehen.

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Über das obligatorische Camera Connection Kit schließt ihr das Launchpad an euer iPad an. Während ihr das tut, haltet aber bitte die Session-, User 1-, User 2- und Mixer-Taste gedrückt. Damit wird das Boot-Menü geöffnet, in dem ihr das Launchpad in den Low-Power-Mode versetzt, sodass es über das iPad mit Strom versorgt werden kann. Dazu drückt ihr einfach auf das rechte rot aufleuchtende Pad. Jetzt nur noch das Kabel aus- und wieder einstecken und das mobile Geklimper kann beginnen. Nun habt ihr die Möglichkeit, ähnlich wie im Session-View von Ableton Live, vorgefertigte Clips per Tastendruck zu launchen und rudimentäre Effekte anzubringen. Mit einer mobilen DAW sollte die App jedoch nicht verwechselt werden. Wirklich eigene Beats basteln ist hiermit kaum möglich. Zumindest über iTunes, mit kostenpflichtigen Erweiterungen wie der App „Audio Import“ (6,- €) oder Sound-Paketen von Novation könnten weitere Loops, Samples etc. in die App integriert werden, ansonsten müsst ihr euch aber mit dem bereitgestellten Material begnügen. Hier drängt sich die Frage auf, ob eine solche App wirklich produktiv praktikabel sein kann oder von ihren Nutzern lediglich zur Spielerei degradiert wird. Allein ausgehend vom Können wäre die App in Kombination mit dem Launchpad durchaus live brauchbar, beispielsweise als mobile Sample-Station. Wir sind uns aber sicher, dass Novation da bezüglich Funktionsumfang noch nachlegen wird, sodass Setups wie dieses wirklich einen nahe liegenden Mehrwert für ihre Nutzer bieten können.

Exkursion: Perfektion durch Kombination

Soweit, so gut. Aber da wir ja ein Magazin mit selbstauferlegtem Bildungsauftrag sind, wollen wir euren Erkenntnishorizont natürlich noch etwas erweitern. An dieser Stelle soll daher mit den Vorurteilen gegenüber digitalen DJ-Instrumenten aufgeräumt werden. Diesen wird ja im Gegensatz zu analogen Geräten, beispielsweise dem klassischen Plattenspieler, ein Mangel an Authentizität nachgesagt. Sicherlich ist dieses Argument in soweit gültig, dass die Form digitaler Musik, nämlich als Datei, von ihrem Inhalt, dem musikalischen Klang selbst, vollkommen entkoppelt ist. Auch in Sachen Klangästhetik liegt die Datei, zumindest die MP3-Datei, hörbar hinter ihrem analogen Vorbild, was sich zukünftig aber mit Sicherheit erübrigen wird. Ungeachtet all dieser streitbaren Defizite wollen wir euch mit einigen simplen Anwendungsbeispielen beweisen, was digitale Controller, in diesem Fall das Launchpad S, ihren Usern stattdessen bieten können.

Das Launchpad spielt für euch nämlich auch selbstverständlich die Rolle des MIDI-Controllers. Somit fällt es nicht schwer, das Wunderkind bei eurem DJ-Setup, hier in Traktor, helfen zu lassen. Je nach Anforderung könnt ihr das volle Potential der 64 Tasten auskosten, um beispielsweise Cue-Points oder Remix-Decks steuern zu können. Dafür müssen die MIDI-Kommandos, die vom Launchpad ausgehen, lediglich den Kontrollelementen in Traktor zugeordnet werden. Wenn ihr es euch leicht machen wollt, gibt es einige Möglichkeiten, wie ihr von der Vorarbeit anderer profitieren könnt. Diesen Wohltätern habt ihr es zu verdanken, dass ihr ganz einfach auf Mappings zurückgreifen könnt, die mit viel Liebe angefertigt wurden, und verschiedenste Anforderungen erfüllen. Manuell könnt ihr euer Launchpad natürlich auch mappen, wobei das zugegebenermaßen komplizierter ist als in Ableton. Falls da Bedarf eurerseits besteht, können wir dazu in Zukunft gerne auch noch ein Video nachschieben. Das Launchpad schlägt sich hier auf jeden Fall sehr solide. Jeder DJ, der mit MIDI-Controllern arbeitet, kennt es: Von MIDI-tauglichen Steuerelementen kann man nicht genug kriegen und das Launchpad kann diese Sucht mit all seinen Tasten kurzfristig vollends befriedigen.

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Traktor + Live + Launchpad

Wenn ihr für euer DJ-Set aber nicht auf die Vorzüge von Live verzichten wollt, haben wir eine interessante Möglichkeit, mit der ihr die Vorzüge beider Softwares nutzen könnt. Stellt euch folgendes Szenario vor: Mit Traktor mixt ihr wie gewohnt eure Tracks fein säuberlich nach den Lehren der Harmonien, ergänzt durch alle verfügbaren effektiven Zutaten à la Filter, Reverb oder Delay. Aber weil euch das einfach noch nicht genug ist, weil euch vorgefertigte Klangerlebnisse einfach zu eintönig sind, macht ihr diese kurzerhand selbst zur einmaligen Erfahrung. Ausgerüstet mit Ableton Live und dem Launchpad manipuliert ihr den Mix spielerisch mit euren eigenen Klängen zu einem individuellen Gesamtkunstwerk… Zugegeben: Diese glorifizierende Beschreibung klingt sehr dick aufgetragen. Dennoch steckt Wahres dahinter, was es zu beweisen gilt.

Diese Arbeitsweise zu realisieren ist vergleichsweise leicht. Das Ziel der folgenden Einstellungen soll es sein, Mixing-Software (in diesem Fall Traktor) und Ableton Live zu synchronisieren, sodass sowohl Takt als auch Tempo der Tracks in den beiden Programmen zusammen passen. Das Schlüssel-Instrumentarium dafür ist die sogenannte MIDI-Clock. Diese findet ihr in den Einstellungen von Traktor unter der Kategorie „MIDI Clock“. Hier wählt ihr dann „Send MIDI Clock“ aus. Jetzt muss nur noch unter „Controller Manager“ ein neues „Generic MIDI“-Gerät hinzugefügt werden, dessen Ausgänge dann auf „Traktor Virtual Output“ gesetzt werden. Damit erzielt ihr, dass sozusagen innerhalb eures Computers MIDI-Signale gesendet werden. Das war’s schon in Traktor. Jetzt können wir uns den Settings in Live zuwenden. Unter der Kategorie „MIDI Sync“ synchronisiert ihr Live nun mit dem eben arrangierten „Virtual MIDI Output“ und damit fehlt nur noch die Feinjustierung. Um jetzt in Live die MIDI-Signale aus Traktor empfangen zu können, muss der externe Sync-Schalter aktiviert werden. Für die optimale Synchronisation checkt ihr jetzt, ob die Metronome von Traktor und Live übereinander laufen. Hier müsst ihr unter den Einstellungen fürs Metronom in Traktor „EXT“ und „TICK“ anklicken. Nachdem ihr irgendein Deck nun auf „CUE“ gesetzt habt, hört ihr das taktgerechte Ticken. In Live schaltet ihr ebenso das allseits bekannte Metronom ein. Ihr werdet nun wahrscheinlich merken, dass beide nicht wirklich exakt übereinander laufen. Der Grund dafür sind die Delay-Zeiten der MIDI-Clocks, doch diese könnt ihr glücklicherweise in Live nachregulieren. Zurück bei „MIDI Sync“ verändert ihr bei „MIDI Clock Sync Delay“ die Verzögerung so, dass beide Metronome exakt synchron erklingen. Falls ihr feststellen solltet, dass der Delay wieder zu auffällig wird, beispielsweise wenn ein Track vom bisherigen Takt abweicht, betätigt einfach nochmal diesen „Sync“-Button in Traktor kurz bevor der neue Takt anfängt und schon läuft Live wieder synchron. Dank Launchpad können wir jetzt, nachdem alles ordnungsgemäß eingestellt ist, über deutlich mehr kreativen Freiraum verfügen. Wie angepriesen nutzen wir Traktor nun zum Mischen der Tracks, mit allen Optionen, die uns zur Verfügung stehen. Und währenddessen können wir in Live Loops einspielen, Melodien ergänzen, und, und, und. Das Setup kann natürlich noch beliebig ausführlich ergänzt werden, beispielsweise durch Keyboards und Drum-Computer, deren Outputs ihr dann mittels Launchpad steuern und arrangieren könnt. Die professionellen Kollegen von Dubspot haben diese Anleitung freundlicherweise in einem Video veranschaulicht:

Ein kleiner Tipp: Damit die eingespielten Sounds aus Live nicht so ‚hart‘ über die Tracks in Traktor knallen, empfiehlt es sich, diese mit verschiedenen Effekten abzudämpfen. Ihr könntet zum Beispiel den Reverb aus der Send-Option des Launchpads nutzen, um euer eigenes Spiel etwas unauffälliger in einem größeren Raum erklingen zu lassen.

In diesem Anwendungsbeispiel zeigt es sich also, dass wir die exzellenten Vorzüge beim Workflow des Launchpads in Live nun auch für unser DJ-Set nutzbar machen könnten, wenn wir denn wollten. Sicherlich gibt es da noch unendlich viele weitere Nutzungsmöglichkeiten, die es zu entdecken gilt. Probiert einfach aus, was am besten zu eurer eigenen Arbeitsroutine passt und entwickelt dabei einen eigenen Stil. Das Launchpad kann dabei auf jeden Fall hilfreich sein!

Das waren für den Anfang erstmal einige, noch relativ einfach einzurichtende, Integrationsmöglichkeiten für das Launchpad. Damit wollten wir vor allem demonstrieren, welche Freiräume erschlossen werden können, wenn man sich nicht vor unentdecktem Terrain verschließt. Zwar stellt einen dabei immer wieder das Interface, sei es Traktor oder Live, vor kleinere oder größere Probleme, aber mit ein wenig Geduld sind die alle lösbar. Tatsache ist aber, dass es Instrumente wie das Launchpad möglich machen, euer Set zu individualisieren. Ganz einfach dadurch, dass sie das Potential, das in der Software steckt, entfesseln und praktikabel machen. So kann das konventionelle DJ-Set, das sich vor allem als mehr oder weniger harmonisches Mixing versteht, um einige Attraktionen erweitert werden. Aber letztendlich muss jeder DJ selbst entscheiden, welches Medium für die Übermittlung der eigenen musikalischen Botschaft am geeignetsten ist. Wir vertreten lediglich die Meinung, dass man im Zuge dieser Entscheidung immer kritisch und gleichzeitig auch offen an alles Neue herantreten sollte. Genauso sollten die unendlichen Weiten der digitalen Welt nicht nur als Gefahr, sondern auch als Möglichkeit betrachtet werden.

Urteil

Novation hat mit dem Launchpad S die vielversprechende Tradition des ersten Launchpads fortgesetzt. Einige sinnvolle Aufwertungen technischer Natur wurden gemacht, wie der niedrigere Energieverbrauch oder die geringere Latenz. Ansonsten überzeugen sogar noch mehr als beim Vorgänger die sehr solide Verarbeitung und das umfangreiche Software-Paket. Lediglich das LED-Feedback in den User-Modi muss noch relativ schwerfällig manuell eingestellt werden, da würden wir uns von Novation eine intuitivere Lösung wünschen. Genauso hoffen wir auch, dass auch das Potenzial in der Verbindung mit dem iPad voll ausgeschöpft wird, damit das Launchpad auch mobil zu einer praktischen Workstation werden kann. Auch wenn Novation mit dem Launchpad S gegenüber seinem Vorgängermodell keinen wahnsinnigen Schritt vorwärts gemacht hat, der größte Vorzug ist weiterhin nahezu optimal umgesetzt: Das Launchpad S holt aus seinen technischen Möglichkeiten alles raus, um die weitläufige Oberfläche von Live haptisch zugänglich zu machen. So habt ihr die wichtigsten Kontrollelemente stets zur Hand. Auf Grund seiner Beschaffenheit ist das Launchpad auch bestens geeignet, um den Freigeistern unter den DJs gerecht zu werden und kann auf verschiedenste Art und Weise kombiniert werden. Insgesamt also ist das Launchpad S immer noch ein überaus variabel einsetzbarer MIDI-Controller, der alles richtig macht, wofür er gebraucht wird.

Ein Artikel von Vitus Bachhausen.