Dirty Doering (Katermukke): „Man muss diese Clubsituation ganz anders angehen“


Die Bar25 und der Kater Holzig gehörten zu den bekanntesten Clubs – weit über Berlin hinaus. Mit dem Holzmarkt25 wird die Geschichte nun weitergeführt zu einem kulturellen Dorf mit Friseur, Club und Restaurants. Wir sprachen mit Velten – auch Dirty genannt – Doering, dem Betreiber des Labels Katermukke, über den Holzmarkt25.

Dirty_Doering

trndmusik: Der Holzmarkt wartet mit einem kulturellen Gesamtkonzept auf. Warum dieser Schritt weg von der klassischen Klubidee zu einem ganzen Dorf in einer Großstadt?

Velten Doering: Also ich habe mit dem neuen Holzmarkt nur noch relativ wenig zu tun. Ich bin eigentlich nur nahe zu dem neuen Klub, dem Kater Blau, der auch auf dem Gelände ist. Aber auch die Bar25, wo ich früher aktiv war als DJ, war ja schon ein Kulturort mit Wohnen, Essen, Theater, Fußball, Public Viewing, Pool, Massage und Sauna. Diese Ideen konnte man im alten Kater Holzig gar nicht umsetzen, zumal der Kater von Anfang an eine zeitliche Begrenzung hatte. Die Idee gab es aber schon vorher und die wurde dann auch ausgreift. Dass das überhaupt alles geklappt hat, war dann einfach auch Glück. Natürlich haben auch viele hart dafür gearbeitet, ich jetzt nicht, ich mache nur meinen musikkulturellen Beitrag mit dem Label und meinetwegen dem Club. Ich war bei vielen Besprechungen des Konzeptes dabei, aber das ist so vielseitig und mit so vielen Leuten behaftet, auf einem riesigen Gelände. Das Areal geht ja jetzt weit über das ehemalige Gelände der Bar25 hinaus. Die Idee ist jedenfalls super. Ich hab zwar bei vielen Entscheidungen gar nicht mitgewirkt, aber online abgestimmt für das Konzept. Einen reinen Club hätte das Gelände gar nicht bekommen. Dass wir sowas dort machen dürfen, liegt an dem Konzept. Es gab unser Konzept oder das Konzept Glasbauten.

trndmusik: Jetzt war vor kurzem die Eröffnung des Kater Blau, also des Klubs auf dem Gelände des Holzmarktes. Warst du dabei und hast du von Problemen gehört?

Velten Doering: Leider nein, was auch an zahlreichen Verschiebungen des Eröffnungstermins lag. Ich habe aber kürzlich das erste Mal dort gespielt: mit Oliver Koletzki, Niconé und Schlepp Geist. Es war sehr nett, aber auch nicht sehr voll, was daran liegt, dass ganz offiziell noch nicht offen ist. Es gibt noch viele Sachen, die zu machen sind. Das war beim Kater aber auch so, da hat es ein halbes Jahr gedauert, bis alle zufrieden mit dem Sound und der Technik waren. Im Heinz (einer der Floors im Kater Holzig), haben sie z. B. das DJ-Pult dreimal umgebaut. Dieses Mal ist es auch so, dass sie das DJ-Pult wechseln, das ist verschiebbar. Die wechseln das gerade jedes Wochenende aus, um zu gucken, wo der beste Sound ist, wo die beste Akustik ist und wo es dem DJ am meisten Spaß macht. Das offizielle Opening ist im August 2014. Bis dahin wird es auch noch dauern, bis alles steht und perfekt ist. Aber ich hatte Spaß, ich war schon lange nicht mehr so viele Stunden auf einer Party.

trndmusik: Du hattest dein Studio bisher beim Kater, ziehst du jetzt auch das neue Gelände?

Velten Doering: Ich bin schon letztes Jahr im Sommer auf das neue Gelände gezogen. Da waren drei, vier Räume frei und einen davon hab ich zusammen mit Sascha Cawa bekommen. Bald gibt es noch neue Studios, eigentlich sollte mit dem Bau schon begonnen werden, aber wie immer bei Baugenehmigungen gab es da Verzögerungen, sodass im Herbst wohl mit dem Bau begonnen wird. In den neuen Studios werden dann Leute wie Oliver Koletzki, Acid Pauli, Britta Arnold und Marcus Meinhardt sein.

trndmusik: Liest man das Interview mit Christoph Klenzendorf und Juval Dieziger im Groove Magazin vom März/April 2013, hat man den Eindruck, dass die Musik im Holzmarkt völlig aus dem Mittelpunkt gerückt ist.

Velten Doering: Ja, das ist es auch. Aber ich finde das nicht problematisch. Ich habe das Interview auch gelesen. Was halt untergeht ist, wie du sagst, die Musik. Das liegt aber nicht daran, dass die beiden da nicht drüber reden wollen, sondern mit dem Label gar nichts zu tun haben. Das Label läuft total auf meinem Mist. Die beiden kümmern sich momentan darum, auf dem Gelände ein kulturelles Dorf aufzubauen und das ist halt vielseitiger als: Was ist jetzt Veltens Problem? Wir arbeiten halt parallel, die beiden sind die Leiter und Vermarkter vom Holzmarkt. Man darf halt nicht vergessen, dass der Club grade mal 5 % der Gesamtfläche ausmacht. Man kann sich daher vorstellen, wie viele Sachen es dort geben wird: einen Friseur, ein Restaurant, eine Strandbar, die Studios, die Theaterhalle, die Hostels oder die Kooperation mit der Uni. Die Realisierung wird zwei bis drei Jahre dauern.

trndmusik: Wie siehst du die Klubszene in Berlin gegenwärtig? Viele Klubs mussten schließen in den letzten Jahren, was immer wieder beklagt wurde. Dagegen sagen dann einige, z. B. Oliver Koletzki, dass ja immer wieder neue Clubs aufmachen. Das Weekend will jetzt mit einer neuen Strategie das Publikum über 40 Jahre fokussieren, indem man einen hochpreisigen Club macht.

Velten Doering: Die coolsten Clubs in den letzten Jahren waren ja immer Clubs zur Zwischennutzung, ob es die Bar25 war, der Tresor, WMF, Sisyphos oder Renate. Die besten Klubs hatten also immer nur Verträge zur Zwischennutzung. Jetzt ändert sich das: Zum Beispiel hat das Watergate schon seit zehn Jahren keinen begrenzten Vertrag. Das Berghain auch nicht, das alte Ostgut hingegen schon. Man muss diese Clubsituation daher ganz anders angehen. Ich bin momentan eigentlich ganz zufrieden mit der Clubszene, es gibt schöne kleine und schöne große Clubs. Es gibt Leute, die ins Watergate gehen, wiederum andere ins Weekend und wieder andere in den Kater oder ins Berghain. Jeder Club hat seine Leute. Ich hoffe, es gibt weiterhin Veränderungen. Momentan finde ich Veränderungen immer gut, die Leute werden immer feiern gehen, zumal Berlin immer noch günstig ist.

Ich finde das Clubsterben nicht so dramatisch. Es war damals schwierig, als das Ostgut
2001/2002 zugemacht hat. Dann haben noch andere Clubs geschlossen. Aber dann wurden ein paar kleinere Partys gemacht und irgendwann haben diese Leute dann einen Klub aufgemacht. Das heißt, wenn alle Clubs schließen, macht immer wieder jemand anders einen neuen auf. Zum Weekend: Diese Leute machen wie so viele andere seit 20 Jahren Clubs, da ist es klar, dass die auch mal was anderes machen wollen, das ist ein bisschen wie Erwachsenwerden.

trndmusik: In welchem Club spielst du in Berlin am liebsten und warum?

Velten Doering: Von den kleinen: Renate und Sisyphos. Da würde ich aber hingehen wenn ich feiern möchte. Sonntag ins Berghain geht natürlich auch immer, bei Innervisions zum Beispiel.

trndmusik: Wie geht es bei dir dieses Jahr musikalisch weiter und was steht auf deinem Label an?

Velten Doering: Ich hab grad einen Remix mit Ante Perry gemacht für das neue Album von Moonbootica, eine ziemliche Rave-Nummer. Dazu hab ich das Release für Rey & Kjavik für Katermukke gemacht, mit zwei schönen Tracks, die im Sommer rauskommen. Dann kam jetzt meine Mix-Compilation auf iTunes raus, wo wir seit kurzem mit Katermukke sind. Und dann kommt noch der Remix mit Sascha Cawa für Frivolous raus und wir haben einen Remix von Koletzkis „Up In The Air“ gemacht, der demnächst veröffentlicht wird. Dan Caster und Alfred Heinrichs haben letzte Woche eine neue EP auf Katermukke veröffentlicht.

Das Interview führte Philipp Kutter.