Niklas Ibach: „Diskotiere steht für Dinge, die mir persönlich wichtig sind – zum Beispiel Nachhaltigkeit und Authentizität“


Am Freitag, den 11. Juli 2014, brachte der Stuttgarter Niklas Ibach seine erste EP auf dem neugegründeten Label Diskotiere raus. Dabei schafft der Musikproduzent in den Tracks eine perfekte Synthese zwischen Melodie, Gesang und Instrumenten. Die prägnante Bassline von “Tiger Parade”, die fröhliche Melodie von “Goldene Zeiten” und der housige Groove des Remix lassen definitiv Sommergefühle aufkommen. Mit dem jungen Musiker sprachen wir über seine Anfänge, seine erste EP und wieso er in Paris einmal vor seinem Gig aus dem Club geworfen wurde.

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trndmusik: Du beschreibst Dich selbst als ein Kind der Neunziger mit vierzehnjähriger Klavierausbildung, der keinen Sync Button braucht. Wie und wann bist Du zur elektronischen Musik gekommen?

Niklas Ibach: Zur elektronischen Musik bin ich mit 14 Jahren gekommen und ausschlaggebend war damals eine Cocoon-Compilation. Das war quasi der Startschuss für mich. Danach habe ich mich immer weiter in die elektronische Musik eingelebt und bin damit bis heute nicht fertig, da das volle Spektrum gigantisch ist und immer wieder etwas Neues passiert. Damals wie heute haben mich Künstler wie Booka Shade, Tiefschwarz und Dominik Eulberg sehr beeinflusst. Mit 15 haben ich mir dann das Auflegen mit CDs autodidaktisch beigebracht.

trndmusik: Depeche Mode, Mighty Oaks, Super Flu, Deltaspirit und Nicolas Jaar zählst Du zu den Musikern, die Dich beeinflusst haben. Eiferst Du einem Musiker speziell nach? Oder versuchst Du, deinen eigenem Stil treu zu bleiben?

Niklas Ibach: Es gibt definitiv verschiedene Dinge, die man probiert, nachzubauen – vielleicht auch unterbewusst. Für mich persönlich sind das vor allem Percussions und Synthie-Melodien. Die Problematik ist aber, dass das nicht authentisch ist und wirkt, daher verwerfe ich solche Projekte oder entwickle sie zu etwas ganz anderem, was mit dem von vorher gar nichts mehr zu tun hat.

trndmusik: Am 11. Juli 2014 erschien Deine erste EP: „Tigerparade“. Woher kam die Idee zur EP?

Niklas Ibach: Generell nehme ich die Ideen für meine Musik immer aus dem Leben selbst. Also alles, was mich in irgendeiner Weise beeinflusst, versuche ich, durch meine Musik zu reflektieren. Der Frühling und der Sommer haben mich im Bezug auf die Idee zur EP auf jeden Fall geprägt.

(Die EP ist ITunes, Beatport und Amazon käuflich zu erwerben.)

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trndmusik: Und wie bist Du zum Titel der EP gekommen?

Niklas Ibach: Ich habe den Tiger schon öfter als Synonym für verschiedene Dinge benutzt und da das Label Diskotiere heißt, hat das für mich natürlich gepasst.

trndmusik: Wie und wo ist die EP entstanden?

Niklas Ibach: Die EP ist bei mir zu Hause im Studio entstanden und in Kooperation mit verschiedenen Künstlern. Unter anderem war ich mit einer Sängerin namens Valerie in Mannheim im Studio, um verschiedene Vocals aufzunehmen. Außerdem habe ich mit Ben Yoo Suk aus Zürich zusammengearbeitet, der das Cello selbst eingespielt hat. Mit Ben will ich definitiv noch weitere Projekte umsetzen, da er ein sehr begabter Künstler ist. Zusätzlich hat Florian Petzold, mit dem ich auch schon länger in Kontakt bin, noch einen Remix beigesteuert. Florian hat eine housige Note mit reingebracht und das richtig geil umgesetzt.

trndmusik: Wieso veröffentlichst Du Deine erste EP auf dem noch jungen Mannheimer Label Diskotiere? Wie kam der Kontakt zustande?

Niklas Ibach: Das Label Diskotiere steht von seiner musikalischen und auch prinzipiellen Ausrichtung her für Dinge, die mir persönlich wichtig sind. Zum Beispiel Nachhaltigkeit, Authentizität, Professionalität und Qualität in Verbindung mit einem positiven Umfeld. Zum Beispiel spendet das Label einen Teil seines Halbjahres- oder Jahresgewinns an Tiere, die auf der roten Liste aufgeführt sind. Ich arbeite gerne mit den Menschen und vor allem Artists zusammen, die hinter dem Ganzen stehen, wie zum Beispiel niju. Diskotiere wird definitiv in Zukunft noch einige interessante Künstler und Release präsentieren. Leider kann ich dazu noch nicht zu viel verraten, aber ich empfehle es jedem, das Projekt im Auge zu behalten. Der Kontakt kam durch meine Agentur zustande.

trndmusik: Wie schätzt Du – mit Hinblick auf die Gründung des Labels Diskotiere – die Szene im Rhein-Neckar-Raum derzeit ein?

Niklas Ibach: Es gibt zum Beispiel die halle02 in Heidelberg mit Großveranstaltungen um Acts wie Alle Farben, aber auch die Disco-Zwei in Mannheim, die eher undergroundlastig ist. Mit der Time Warp in der Maimarkthalle gibt es im Rhein-Neckar-Raum dann natürlich auch die Art von Veranstaltung, die bereits auf ein zwanzigjähriges Bestehen zurückblicken kann.

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trndmusik: Was steht nun nach der Veröffentlichung an? Gibt es schon weitere Projekte, an denen Du arbeitest?

Niklas Ibach: Ich arbeite aktuell an verschiedenen Remixen und konzentriere mich darauf, mich weiterzuentwickeln. Die Release sind auch für größere Labels, aber hierzu kann ich leider auch noch nichts Konkretes sagen. Um auf dem Laufenden zu bleiben, schaut am besten auf Facebook und SoundCloud vorbei.

trndmusik: Gibt es noch einen Traum – egal, ob im musikalischen oder alltäglichen Bereich – den Du Dir noch erfüllen möchtest?

Niklas Ibach: Ich bin dankbar dafür, dass ich das machen kann, was ich aktuell tue. Mein Traum war und ist es, Musik zu machen. Das kann ich momentan besser als je zuvor, dank der Möglichkeiten, die mir gegeben sind.

trndmusik: Zum Schluss erzähl uns doch, welche bisher die kurioseste Nacht war, die du als DJ erleben durftest?

Niklas Ibach: Ich wurde in Paris vom Betreiber eines Clubs vor die Tür gesetzt, obwohl ich noch gar nicht gespielt hatte. Warum er mich vor die Tür gesetzt hat, kann ich bis heute nicht erklären. Das war – auch auf Grund der nicht ganz einfachen Verständigung – eines der verrücktesten Erlebnisse, die ich bis jetzt hatte.

Das Interview führte Benjamin Reibert.