M.in (Zoo:Technique): „Ich habe mir eine Flasche Sekt aufgemacht und still und heimlich für mich selbst das Ergebnis gefeiert“


Der hessische Musikproduzent Markus Ferdinand alias M.in veröffentlichte vor einigen Tagen ein neues Album. „To The M.ax“, so der Name des Longplayers, erschien auf dem italienischen Imprint Zoo:Technique, das 2009 von Kasbah Zoo ins Leben gerufen. Wir sprachen mit dem DJ über seine Gedanken zu seinem zweiten Album, wie lange er an den neun Tracks saß und was demnächst ansteht.

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trndmusik: Markus, seit dem 13. August 2014 ist Dein Album To The M.ax im Handel erhältlich. Was war Dein erster Gedanke, als der Longplayer unter Dach und Fach war?

M.in: Puh, geschafft! Nein, mal im Ernst. Dieses Mal habe ich bewusst auf Clubtunes gesetzt und nicht versucht, etwas Neues für mich zu entdecken. Ein Schritt zurück, statt nach vorne, da es für mich logischer war, wieder das zu präsentieren, wofür M.in bekannt ist. Daher war es dieses Mal nicht so ein langer Arbeitsaufwand, wie bei meinem ersten Album. Trotzdem habe ich mir zu jedem Track viele Gedanken gemacht und versucht, das Spektrum im Tech-House-Genre voll auszuschöpfen. Als es fertig war, war ich erleichtert und zufrieden. Ich habe mir eine Flasche Sekt aufgemacht und still und heimlich für mich selbst das Ergebnis gefeiert.

trndmusik: Wie lange hast Du an den neun Tracks gesessen?

M.in: Im Gegensatz zum ersten Album, wo ich ein Jahr dran gesessen habe, ging es dieses Mal sehr schnell. Ich wollte zu jedem Track schnell eine Idee finden, die ich bereits im Kopf hatte und so schnell wie nur möglich umsetzen, da so immer die besten Tracks bei mir entstanden sind. Ob „New Orleans“, „Capetown River Boating“, „Sing And Blow At The Same Time“, „Lord Teach Me House“ oder „My Hands Are Closed“ – alle Tracks sind an einem Tag fast fertig gewesen.

Ich habe bewusst wieder auf meine alte Herangehensweise gesetzt und erst eine Idee gesucht und dann das Drumherum gebaut. Gerade bei „I Don’t Dig This“ versuchte ich, nicht zu viel Effekte, Bewegung oder ein gut strukturiertes Arrangement zu machen, sondern ich habe den Track so früh wie möglich abgeschlossen. Er ist gewollt tooliger, aber gerade deswegen kommt der Track sehr gut an und wurde zum Beispiel von Roger Sanchez zwei Mal in seiner Radio Show Release Yourself gespielt. Einmal als Release Yourself Exclusive, wo man über mich und den Track noch mal etwas mehr erfährt.

Insgesamt habe ich drei Monate für das Album gebraucht. Zwei Tracks waren an einem Tag fertig, für die anderen habe ich etwas länger gebraucht. An dem Track mit Mike Mash haben wir ca. zwei Monate gearbeitet.

trndmusik: Bei einigen Nummern hast Du Unterstützung von Musikerkollegen bekommen – wie z. B. Patrick Kunkel und Gunman. Wie kamen die jeweiligen Kollaborationen zustande? Und wie hast Du Dir die „Helfer“ ausgesucht?

M.in: Mit Patrick war ein neuer gemeinsamer Track schon lange überfällig. Da das Label International Freakshow, auf dem der Track „Frauen und Blumen“ im Jahr 2009 heraus kam, zu gemacht hat, haben wir uns entschlossen, den Track noch mal zu überarbeiten und neu zu releasen. Schon damals hat die Nummer sehr großen Support bekommen und erreichte zum Beispiel auf Resident Advisor Platz 17 der Top 50 Monatscharts. Auch Harold Todd fand die Idee sehr gut.

Maurice Deek ist sehr talentierter Produzent und DJ und wird sicherlich bald seinen Weg gehen und da wir uns gut verstehen, war es klar, dass ich ihn dabei haben wollte.

Mit Gunman arbeite ich seit über einem Jahr regelmäßig zusammen und auch sein Album wurde bei mir im Studio immer wieder etwas zu Recht gerückt. Eigentlich war „Lucky Guy“ für eine neue EP angedacht, aber die Nummer wurde so gut, dass ich sie gerne auf meinem Album haben wollte.

Dennis aka D-Lee habe ich auf einer Party kennengelernt. Wieso das überhaupt zustande kam, weiß ich ehrlich gesagt nicht mehr, aber man verstand sich gut. Dennis redet sehr gerne und hat viele Ideen in seinem Kopf, so dass ich nur einmal dran rütteln musste. Zudem hat er sehr viel Arbeitseifer, weshalb er ruck zuck meine Idee umgesetzt hat. In Kürze gehen wir auch unser „Follow Up“ an, was allerdings dann eine EP von Yost Koen aus Jerusalem, mir und Dennis sein wird.

trndmusik: Hast Du einen absoluten Trackliebling aus dem Album?

M.in: „People In The Front“! Yeah! Warum? Weil ich genau so einen Track im Kopf hatte und ihn zu 100 % umsetzen konnte. Ich erinnere mich noch zu gerne an Cheerleaders von Michael Forshaw, den ich damals – 2006 – sehr gerne aufgelegt habe und gehört habe. Meinem Empfinden nach gab es schon lange keine Cheerleaders mehr auf dem Dancefloor und das, obwohl die Vocals immer sehr prägnant sind und gut ins Ohr gehen.

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trndmusik: Der Longplayer erschien via Zoo:Technique. Wieso ausgerechnet das italienische Label von Kasbah Zoo?

M.in: Über Alex Gori kam ich mit einem Remix auf Zoo:Technique und schnell verstand man sich so gut, dass eine EP geplant war. Schnell kam der Gedanke auf, dass man doch auch gleich das Album da machen könnte und da ich gelernt habe, auf mein Bauchgefühl zu hören und dieser ganz verrückt nach italienischem Essen ist, war das unumgänglich. Die Jungs von Kasbah Zoo sind sehr zielstrebig und versuchen, alles Mögliche in Bewegung zu setzen, damit alles in die richtige Richtung läuft. Zudem sind sie und das Label gerade sehr aufstrebend, was die Entscheidung leicht machte. Aber man darf auch nicht vergessen, dass ich mittlerweile ein tolles Team hinter mir stehen habe, dass diese Entscheidung unterstützt hat. Danke an Lars und Annika an diesem Punkt!

trndmusik: Was sind nun die nächsten Schritte? Gibt es zum Album auch eine Tour?

M.in: Die Tour ist bereits voll im Gange und wird bis Ende des Jahres laufen. Momentan sind Touren in Südamerika (Peru, Brasilien, Argentinien), der Schweiz, Italien und Thailand als Abschluss geplant. Aber auch in anderen Ländern mache ich Halt, da aber nur ein Wochenende – bisher. Mal sehen, was noch so dazu kommt.

Zu meiner Tour gibt es parallel ab Oktober die We Are One-Tour, die zu unserem My Favourite Freaks Music Label und die dazugehörige Compilation starten wird. Dort werden unsere Künstler unser Label und unsere Bookingagentur My Favourite Freaks präsentieren. Nach ca. zwei Jahren Planung startet endlich das neue Label, wofür ich das komplette Konzept erstellt und umgesetzt habe. Selbst das grafische Konzept, was eigentlich über andere Designer geplant war, habe ich nun selbst umgesetzt. Es gibt immer etwas zu tun!

trndmusik: Abschließend: Was ist das für ein Gefühl, wenn man sein eigenes Album als Schallplatte in den Händen hält? Immer noch etwas Besonderes?

M.in: Ein Album ist immer etwas Besonderes oder sollte es zumindest sein.
Dass das Album auf Vinyl heraus kam, habe ich Marcus von Deejay.de zu verdanken und ich bin sehr froh, dass wir uns schnell einig werden konnten. Auch die CD ist etwas Besonderes! Diese habe ich auf eigene Kosten herstellen lassen und sie zum Vinyl dazu gepackt – ohne Aufpreis. Sprich: ein Geschenk von mir für jeden, der das Album auf Vinyl kauft. Das Album wird auch bald an meiner Wand hängen, eingerahmt und eventuell extra beleuchtet sein.

Das Interview führte Benjamin Reibert.