MÖWE: „Es ist wichtig, dass neue, frische Stimmen die Chance bekommen, gehört zu werden“


An dem Augustwochenende vom 21. bis 23. treffe ich das MÖWE-Duo – bestehend aus Melanie Ebietoma (25) und Clemens Martinuzzi (21) – beim Utopia Island Festival in Moosburg. Direkt nach dem Gig geht Melanie ins Publikum, um einige Fans persönlich zu begrüßen. Wie wichtig den beiden Musikern so etwas ist, betonen sie immer wieder. Und dabei geht es nicht um die rund 50 000 Facebook-Fans, sondern um echte Menschen, die den zwei Produzenten und der Musik seit rund anderthalb Jahren treu sind.

Im trndmusik-Interview sprach ich mit den Österreichern über Dreamdie, Rihanna, das erste Album und wie die beiden Wien-Liebhaber vom Indie zum Elektro kamen. Schon bevor ich für das Interview angefragt hatte, war auch ich Fan der wunderschönen Musik von MÖWE. Doch nach dem Gespräch bin ich es nun noch mehr!

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trndmusik: Ich habe Euch jetzt direkt nach eurem Gig abgefangen. Wie hat es Euch denn gefallen?

Clemens: Es hat uns richtig gut gefallen und wir waren echt überrascht, dass sich so viele Leute am zweiten Tag eines Festivals um 14:00 Uhr motivieren konnten, uns bei der Eröffnung der Mainstage beizustehen und das Ding zu rocken. Alles in Allem ist es ein sehr feines Festival!

trndmusik: Erzählt mir doch bitte kurz die Geschichte, wie Ihr Euch kennengelernt habt. Wie habt Ihr Euch gefunden?

Melanie: Also, ich habe in einer Indie-Rockband gespielt und unser Bassist hat uns damals leider verlassen. Dann haben wir Clemens bei einem Konzert gesehen und gedacht „Den quatschen wir einfach an, weil er ein geiler Bass-Spieler ist.“ Genau das haben wir getan und er wurde zu unseren neuen Bassisten. Ab dann haben wir natürlich viel Zeit miteinander verbracht.

trndmusik: Mel, Du hast eine absolut geile und sehr prägnante Stimme. Wann genau war Dir bewusst, dass Du damit vielleicht irgendwann mal was anfangen kannst?

Melanie: Ich glaube, das war in meiner ersten Band – so mit 13 Jahren. Da hatten wir einfach Bock auf Musik machen. Wir haben irgendwann gesagt: „Lass uns eine Band gründen! Aber wer singt?“ Und ich habe mich dann dazu bereit erklärt und zusätzlich Gitarre gespielt. Das waren die erste Schritte in Richtung Musikmachen. Eigentlich hatte ich immer den Traum, Rockstar zu werden. In der elektronischen Musik habe ich mich früher nicht gesehen und eigentlich waren DJs für uns keine richtigen Musiker! Die stehen da und schrauben an Knöpfen rum.

Clemens: Als es mit der Indie-Band im August 2012 zu Ende ging, haben wir versucht, etwas zwischen Indie und Dream-Pop zu machen – Dreamdie sozusagen. Melli hat in der Forelle gearbeitet und mir erzählt, was ein DJ verdient. Wenn wir als Band irgendwo hingefahren sind, haben wir in den meisten Fällen eher drauf gezahlt – und das bei fünf Personen. Da haben wir schon begonnen, elektronische Musik auf unserem YouTube-Channel gehört. Laptop hatten wir daheim, ich bin mit einer halben Nummer zu Melli gegangen, fertig gestellt und hochgeladen. Dann kam der Support von vielen Leuten und Freunden. Bei der ersten Nummer haben wir aber nicht gesagt, dass es von uns ist.

Melanie: Heute bekommst du fast nie eine ehrliche Meinung. Wir haben dann drauf geschrieben, dass wir aus Berlin kommen. Für den Österreicher ist ja alles, was aus Berlin kommt, total edgy!

trndmusik: Wann war der springende Punkt, an dem ihr gesagt habt: „Jetzt machen wir kein Indie mehr – sondern Elektro?“

Clemens: Wir haben in Wien die Nummer „Blauer Tag“ fertig gemacht und online gestellt und einen Monat später kamen diverse Booking-Anfragen aus Deutschland, ob wir Rudimental und Dusty Kids supporten können. Wir hatten ein Lied draußen und haben in unserem Leben noch nie aufgelegt und wussten auch nicht, wie das geht. Dann kamen immer mehr Likes und Aufmerksamkeit dazu und dann war das für uns klar! Und jetzt machen wir das, was uns gefällt.

Melanie: Ich muss für mich sagen, dass nicht nur zwangsweise dieser finanzielle Aspekt im Vordergrund steht – sondern auch dieses Organisatorische. Ich musste vier Jahre lang vier Jungs koordinieren, wo jeder seinen eigenen Kopf hat. Zu zweit ist das so viel einfacher. Man kommt viel schneller auf einen grünen Zweig!

Clemens: Man ist auch viel freier. Ich muss nur die Meli von dem Beat überzeugen und nicht fünf andere (beide lachen).

trndmusik: Und wie ging es anschließend weiter?

Clemens: Wir haben unseren Manager getroffen und er hat uns gefragt, zu welchem Label wir wollen, was unser Traum wäre. Und da haben wir direkt Stil vor Talent genannt, weil es das einzige Label war, was wir uns vorstellen konnten.

Melanie: Er sagte, dass das schwer werden könnte, weil deren Release-Pläne immer gesteckt voll sind. Dann hat er es aber dem Oli (A. d. Red. Oliver Koletzki) geschickt, der zurückschrieb, dass es ganz nett ist, aber die Release-Pläne voll sind. Von daher – vielleicht ein anderes Mal. Dann kam drei Tage später noch eine Nachricht, dass es doch sehr geil ist und sie es gleich machen wollen für 2014.

Clemens: Es ist schon geil, so ein Ziel zu erreichen! Wir dachten echt, dass wir es jetzt geschafft haben. Auch mit Robin Schulz, mit dem wir sehr gut befreundet sind, haben wir gesprochen und er meinte auch, wie toll es ist, da dabei zu sein und er wäre auch gerne auf dem Label.

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trndmusik: Wie kann man sich so einen typischen Produzentenalltag von MÖWE vorstellen?

Clemens: Also, ich schlafe erst mal so bis eins oder zwei. Dann werde ich von der Melanie angerufen, die wissen will, wo ich bleibe. Entweder holt sie mich dann mit dem Moped ab oder ich komme mit dem Auto zu ihr. Dann treffen wir uns und facebooken erstmal eine Stunde lang. Das ist uns super wichtig: Wir machen alle Seiten selber und wir geben auch keinem anderen die Zugangsdaten.

trndmusik: Wir sprechen nochmal in einem Jahr. Da wird das dann nämlich zu viel werden und ihr werdet es abgeben müssen …

Melanie: Nein, das ist mir echt egal! Ich werde mir immer die Zeit nehmen und das selbst machen. Das ist etwas, was ich wirklich wichtig finde! Und ich antworte tatsächlich allen, außer die Frage ist wirklich richtig dämlich – oder ich gebe Feedbacks zu Songs. Da nehme ich mir die Zeit. Oder share das, was wir in Erfahrung bringen konnten, wie wir zum Beispiel arbeiten oder welche Geräte wir verwenden. Unsere Facebook-Seite ist unser kleines Heiligtum und der persönliche Kontakt ist immens wichtig! Nur Veranstaltungen teilen wir ungern!

Clemens: Nach Facebook checken wir die Rechnungen. Da kümmert sich Meli drum! Momentan gibt es viele Remix-Anfragen, die wir bearbeiten müssen. Wenn das nicht der Fall ist, setzt sich einer an die Gitarre oder an das Klavier und es wird direkt aufgenommen. Dann kommen die Lyrics.

Melanie: Es läuft so ab, dass wir uns ein Instrumental-Standard basteln, um der Musik eine bestimmte Richtung zu geben und an etwas festzuhalten. Dann denke ich über die Lyrics nach: Was da passen könnte, wie ist die Stimmung und was wäre da ein cooler Text. Da habe ich meine Black-Books, wo inzwischen Seiten zusammengeklebt sind. Anschließend bauen wir um dieses Gerüst rum, bis wir die fertige Nummer haben.

trndmusik: Spannendes Thema: euer Album. Könnt Ihr irgendwas dazu verraten?

Clemens: Wir können sagen, dass zwölf bis 14 Lieder drauf sein werden.

Melanie: Vier Features werden drauf sein und das sind alles unbekannte Künstler und Freunde natürlich. Warum? Weil es für uns wichtig ist, dass neue und frische Stimmen die Chance bekommen, gehört zu werden. Wenn man sich eine große Stimme zum featuren nimmt, dann ist das etwas, was die Leute schon zehntausend Mal gehört haben. Bekanntlich lässt sich über Geschmack streiten!

Wir wollten einen Sound schaffen, der Bandcharakter hat und in der Elektronik selbst roh und ungeschliffen klingt. Ich finde, Ecken und Kanten sind etwas Gutes – das lässt Personen menschlich wirken. Und ich sage: Eine Rihanna trifft auch nicht jeden Ton! Bei einer Beyonce würde ich das nicht sagen, aber bei Rihanna.

Clemens: Nochmal zum Album: Es soll ein Mix aus The xx, The Naked and Famous, M83, aber mit dem Wums von Justice werden.

Melanie: Es klingt impossible!

Clemens: Unsere Stimmen oder zu zweit auf dem Album geben – nie gepaart mit anderen Künstlern. Nur wir beide singen gemeinsam!

Melanie: Nächstes Jahr im Frühjahr kann man damit rechnen!

Clemens: Was wir uns noch überlegt haben: Wir wollen eine Album Pre-Tour machen!

Melanie: Ja, das machen wir auf jeden Fall! Wir nehmen unseren Bus, schreiben unseren Fans, die Bock haben, mit uns Party zu machen und fahren dann zu ihnen. Wir geben Euch Musik, Ihr gebt uns einen Schlafplatz und etwas zu essen. Wir wollen einfach immer viel zurückgeben. Ich sage mal: Ohne unsere Fans wären wir nicht da, wo wir jetzt sind!

Das Interview führte Sarah Schlifter.