Über Partnerschaft und eine große Liebe: Crom & Thanh im Interview


Für den informierten Otto-Normal-Raver steht OFF Recordings zurecht schon lange für treibenden und energiegeladenen Sound. Dafür verantwortlich: Label-Kopf Andre Crom. Eben jener hat bisher schon solo fleißig eigene Tracks produziert und das DJ-Dasein praktiziert und ist neuerdings mit einem Partner an seiner Seite unterwegs. Sein Name: Chi Thanh. Im Interview verrät uns das Duo, was das Fundament ihrer professionellen Symbiose ausmacht, wer verrückt nach Lana Del Rey ist und noch viele Neuigkeiten mehr.

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trndmusik: Wie habt ihr zwei Euch kennengelernt? Und was gab Euch die Gewissheit, dass da aus zwei Einzelkünstlern eine einzigartige neue Kombination entstehen könnte?

Thanh: Wir kannten uns beide vom Sehen und von diversen Partys in Berlin. 2013 im Sommer sind wir uns dann zufällig über den Weg gelaufen in Mitte am Hackeschen Markt (lacht). Andre suchte nach neuen Leuten für eine Zusammenarbeit im Studio und ich suchte derzeit nach einem Label für meine neuen Solo-Sachen. So kam eins zum anderen.

trndmusik: Gibt’s bei Euch eine bestimmte Rollenverteilung im Studio und auf der Bühne?

Andre: Ich bin seit langer Zeit DJ und Thanh ist seit langer Zeit Musiker und Produzent, im Studio ist es so, dass Thanh eher die Einspielungen etc. macht, er spielt 4-5 Instrumente virtuos und ist eine Art „One-Man-Orchestra“, mein Rolle ist eher das Sortieren und Dirigieren. Die Arrangements und das Sounddesign machen wir dann meist zusammen.

trndmusik: Für welchen Kontext komponiert Ihr eure Tracks? Dass die Musik von OFF auf der Tanzfläche funktioniert, ist ja allseits bekannt, aber wohin wollt Ihr es mit Eurer Musik sonst noch bringen?

Andre: Klar der Fokus  ist immer auf dem Club und der Tanzbarkeit, aber wir arbeiten ja recht viel mit Vocals und haben auch keine Angst vor Melodien. In Zukunft könnten wir uns sicher vorstellen, auch mal mehr Musik zu machen, die man auch außerhalb des Clubs am Sonntagnachmittag mal hören kann.

trndmusik: Warum lasst Ihr Eure Tracks so oft mit einer Kick beginnen? 

Thanh: Das ist eigentlich recht einfach erklärt, da DJs ja einen Song in den anderen mischen müssen, ist es am besten für den DJ, dass der Song relativ leer und mit den Drums beginnt, das vereinfacht die Arbeit und führt meist zu schöneren und musikalischeren Übergängen. Wir haben aber auch schon mal einen Song angefangen mit Vocals und einem Pad … (lacht).

trndmusik: Grundsatzfrage: analog oder digital?

Andre: Best of both worlds, wir arbeiten im Studio eher mit Rechner und Laptop, sprich digital, aber Thanh spielt sehr oft eine Akustik-Gitarre ein oder nimmt mal ‚Live Percussions‘ auf, also eine gesunde Mischung… Meist lassen wir auch noch das fertige Stück Musik analog mastern.

trndmusik: Andre, was schätzt Du an deinem Partner?

Andre: Thanh ist unglaublich musikalisch und sprüht nur so vor Ideen, außerdem ist er zuverlässig und ich habe das Gefühl, wir ergänzen uns gegenseitig sehr gut. Und das Beste, er hat er einen besonderen Humor! (lacht)

trndmusik: Jetzt Du, Thanh: Was schätzt Du an Andre?

Thanh: Andre und ich sind musikalisch komplett auf einer Wellenlänge und durch seine jahrelange Cluberfahrung hat er das Gespür, worauf es bei Produktionen ankommt. Sein Credo ‚weniger ist mehr’ ist sehr hilfreich bei der Studioarbeit. Wir haben beide ähnliche Interessen und gehen auch manchmal nach der Studioarbeit 1-2 Kaltgetränke trinken…

trndmusik: Thanh, man sagt sich, dass Du in deiner Vergangenheit schon für bekannte Künstler produziert hast. Sogar eine Grammy-Nominierung soll’s gegeben haben? Wir bitten um Aufklärung. 

Thanh: Ja, ich habe eine Vergangenheit als Musiker/Songwriter/Remixer für Urban– und PopActs, hab‘ aber schon immer mit Housemusic zutun gehabt. Ich habe mal in London zusammen mit ein paar Songwritern und Desmond Child (Produzent von Kiss, Bon Jovi, Ricky Martin etc.) einen Pop-Song namens Lipstick mitkomponiert. Der Song landete dann auf Umwegen in den amerikanischen und vor allem lateinamerikanischen Charts und war ein kleiner Hit und wurde in der Kategorie Best Latin Rock Song für einen Grammy  nominiert. Ich war dann in L.A. auf dem roten Teppich etc. und habe an dem Abend die Hände von Leuten wie Santana, Herbie Hancock und Quincy Jones geschüttelt. Gewonnen haben wir leider nicht! (lacht).

trndmusik: Euer Remix zu Lana Del Reys „Ultraviolence“ ist gerade kurz davor, Beatports Deep-House-Top-10 zu stürmen. Wie erklärt Ihr Euch, dass der Track so gut ankommt? Meint Ihr, der Track entspricht durch seine Gestaltung in irgendeiner Weise einem Zeitgeist?

Andre: Ja, unser Remix hält sich seit einer Weile in den Top-10-Beatport-Charts. Wir freuen uns, dass er so gut ankommt, es gibt bei Lana Del Rey ja immer viele viele Remixe, aber ich glaube unser Remix ist schon recht erfolgreich im Vergleich zu anderen. Ich bin persönlich schon lange ein Lana-del-Rey-Fan und wir haben versucht ihre besondere Stimme und den Song in ein Tech-House-Gewand zu stecken. Ich glaube, der Gegensatz von ihrer doch ruhigen balladesken Stimme und unseren doch recht harten House Beats passt gut zusammen. Wir haben ja auch viele zusätzliche Einspielungen gemacht und sogar neue Gitarren aufgenommen.

trndmusik: Wie kam es überhaupt dazu, einen Remix für einen Lana-Del-Rey-Song zu kreieren? Wisst ihr, was sie selbst davon hält?

Thanh: Im Musikbusiness gilt immer noch die alte Regel: „It’s always who you know…“ Wir haben ein Management in London, mit dem wir zusammenarbeiten, die wiederum die Leute um Lana kennen und wir wurden als Remixer vorgeschlagen und haben natürlich zugesagt. Von Lana selbst haben wir noch keinen Anruf bekommen, aber ihr Management und Label lieben den Remix und pushen ihn wo sie nur können… Wenn Andre Lana mal persönlich kennenlernen würde, kann ich für nichts garantieren. Er würde wohl den Verstand verlieren (lacht).

Das Interview führte Vitus Bachhausen.