Purple Disco Machine: „Leider gibt es mehr als genug Songs oder Edits, die beinahe einer Straftat gleichkommen“


Mit dem auf OFF Recordings veröffentlichten „My House“ wurde Purple Disco Machine einem breitem Publikum bekannt. Auch danach rissen die Erfolge nicht ab, es folgten zahlreiche weitere Release, die den Dresdner populärer machten. Seit heute ist Purple Disco Machines Remix zu „Do You Feel The Same“, im Original von Hercules & Love Affairs produziert, via Beatport erhältlich. Philipp Kutter sprach mit Tino, dem Kopf hinter der Purple Disco Machine, über die Veröffentlichung, das Sampeln und wen er in diesem Jahr in sein Herz geschlossen hat.

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trndmusik: Tino, Sampling gehörte von Anfang an zu den Merkmalen von House-Musik. Auch in deinen Tracks finden sich viele Samples. Wie suchst Du danach und wie entscheidest du, welches Sample sich für Deine Produktionen eignet?

Purple Disco Machine: Bereits zu den House-Zeiten in den 1990ern wurden viele alte 1970er-Discotracks geremixt. Für mich ist in erster Linie wichtig, dass ich einen Bezug zum Original habe. Wie zum Beispiel bei der Single „My House“, bei der ich das Original von William Bell (1968) schon seit vielen Jahren kannte. Ich konnte mir schon immer vorstellen, daraus etwas zu machen. Dennoch hat es ein paar Jahre gedauert, bis ich mich auf das Thema einließ. Andererseits gibt es oft auch Produktionsprozesse, bei denen ich mit einem Sample starte und am Ende darauf verzichte, da der Song auch ohne das Sample gut auskommt.

trndmusik: Mitunter entsteht der Eindruck, als würde es reichen, ein catchy Sample zu suchen, einen zwar treibenden, dennoch beliebigen Beat darunter zu setzen und fertig ist der Beatport-Hit. Mir fällt da zum Beispiel Vario Volinskis „Falling Love“ ein. Der Track ist dieses Jahr ein großer Erfolg für Suara, ein Label auf dem Du auch veröffentlichst. Vor eineinhalb Jahren gab es einen sehr ähnlichen Track von Adam Banks und Manos, der unter anderem von David August aufgelegt wurde. Sind die Grenzen des Samplings erreicht?

Purple Disco Machine: Ja, den Eindruck habe ich auch manchmal, wenn ich mir Beatport oder diese ganzen kostenlosen Edits anschaue. Es gibt einige Künstler, die es schaffen, alte Songs im eigenen Stil aufzuwerten. Gute Beispiele sind Todd Terje oder Dimitri From Paris. Leider gibt es aber auch mehr als genug Songs oder Edits, die beinahe einer Straftat gleichkommen. Doch es gibt scheinbar für alles einen Markt und so sollte es auch sein.

trndmusik: Gibt es Tracks, die Du Dich nicht traust, zu sampeln?

Purple Disco Machine: Sicherlich gibt es Künstler, die für mich unantastbar sind, da ihre Songs so perfekt und in sich stimmig sind. Für mich sind das Künstler wie Daft Punk, Michael Jackson oder Chromeo. Leider sehen das nicht alle „Produzenten“ so.

trndmusik: Fernab des Samplings. Wie produzierst Du Deine Tracks, welche Software verwendest Du? Planst Du, in Zukunft Instrumente oder Gesang live einzuspielen?

Purple Disco Machine: Ich produziere nun schon seit mehr als zwölf Jahren und hatte vorher andere mehr oder weniger erfolgreiche Projekte. Somit konnte sich mein Arbeitsprozess in den vergangenen Jahren entwickeln. Ich versuche immer, eine Mischung aus analog und digital zu kreieren. Als Programm nutze ich Cubase 7.5 und arbeite mit diversen VST-Plugins, wie dem Arturia Bundle. Aber ich habe auch ein paar analoge Synths, wie den Juno106 oder den Moog Minitaur, der oft für Basslines zum Einsatz kommt. Meine Rhodes und Chords spiele ich zum größten Teil selber ein. Ab und an hole ich dann auch mal die Gitarre aus dem Schrank. Meist aber nur, um sie zu entstauben. Bei meiner nächsten Single, die im Januar bei Kittball erscheint, habe ich mit Alex Mills zusammengearbeitet, die schon mit Miguel Campbell einen großen Hit hatte. Ich habe ihre Stimmfarbe schon immer gemocht und als ich sie vor einiger Zeit in London getroffen habe, trafen wir die Entscheidung, einen Song aufzunehmen. Ihr könnt also gespannt sein.

trndmusik: Pioneer hat jetzt angekündigt, dass sein neuester CDJ keine CDs mehr abspielen könne, sondern nur noch USB, was zu Kritik geführt hat. Wie siehst Du als Produzent und DJ diese Debatte um Vinyl, CD und USB?

Purple Disco Machine: Im Grunde siegt bei den meisten die Bequemlichkeit und Funktionalität. Ich habe selbst noch Ikea-Regale voller Platten im Studio, aber wenn man viel reist, dann ist USB schon ein enormer Vorteil – auch was die Flexibilität angeht. Ich sitze oft abends im Hotelzimmer und suche mir Tracks für die Nacht zusammen oder gehe noch einmal bei Beatport einkaufen. Natürlich vermisse ich ab und an das Gefühl, eine Schalplatte aufzulegen, aber thats the way of life.

trndmusik: Welche Veröffentlichungen stehen in den nächsten Monaten an? Stimmt es, dass Du einen Remix für Munk gemacht hast?

Purple Disco Machine: Zuletzt habe ich ein paar Remixe für Labels wie Defected, Toolroom oder auch Gomma gemacht, die alle dieses Jahr noch erscheinen. Ich war bei der Auswahl meiner Remixe sehr achtsam und habe mich nur noch für Songs entschieden, die ich schon immer gemocht habe (wie zum Beispiel Superlover – Steam), oder bei denen ich mir einen Purple Disco Machine-Remix vorstellen konnte. Was Munk angeht, musste ich nicht lange überlegen. Ich verfolge ihn ja schon seit vielen Jahren und so bedurfte es keiner längeren Bedenkzeit, als die Anfrage kam. Das galt auch für meinen Hercules & Love Affair-Remix, welcher kürzlich auf Defected erschienen ist.

trndmusik: Da wir uns langsam Richtung Jahresende bewegen: Welche Künstler haben Dich dieses Jahr inspiriert?

Purple Disco Machine: Für mich war das Jahr sehr ereignisreich und es gab auch einige Künstler, die ich persönlich kennenlernen durfte. So habe ich zum Beispiel Claptone, Monte oder Teenage Mutants, um nur ein paar zu nennen, musikalisch und persönlich sehr ins Herz geschlossen.

Das Interview führte Philipp Kutter.