Leipziger Nikolas Noam und seine „Celeste“ EP


celeste

Bereits am 22. Januar 2015 erschien die neue EP von Nikolas Noam. Seine Zusammenstellung „Celeste“ wurde vom peruanischen Label Blankhaus Music released. Wir sprachen mit dem jungen Leipziger Produzenten über die Entstehungsgeschichte der Kollektion und wie lange er an der EP gefeilt hatte.

trndmsk: „Celeste“ heißt Deine neue EP. Woher kam die Idee für die Zusammenstellung?

Nikolas Noam: Für Blankhaus Music wollte ich schon seit einiger Zeit etwas aufnehmen. Persönlich und eigen sollte die EP werden, das war mir wichtig. Mit Luis Leon, dem Labelchef, stand ich in ständigem Austausch, was die Songauswahl anging. Wir haben uns aus einem Fundus von über zehn Songs bedient und die drei persönlichsten herausgesucht, so war die Clubtauglichkeit der Nummern dann auch eher zweitrangig. Obwohl die Songs weitestgehend eine gerade Kick haben, sind sie doch ziemlich theoretisch und vielleicht eher was für zu Hause.

Der gemeinsame Nenner der Stücke auf „Celeste“ ist eine gewisse Grundmelancholie, die sich wie ein roter Faden durch die gesamte EP zieht und mal mehr und mal weniger stark hervorbricht. Das kommt vermutlich daher, dass ich oft versuche, Erinnerungen durch Musik zu verarbeiten – das ist sowas wie mein innerer musikalischer Motor.

Der Titelsong „Celeste“ klingt für mich so, als würde man ein Fotoalbum wiederfinden und es im Schnelldurchlauf durchblättern. Eine Reihe von Bildern prasselt auf dich ein und was zurückbleibt, ist ein eher abstrakter und melancholisches Gesamteindruck. Ob ich allerdings geschafft habe, dieses Bild auch erfolgreich rüberzubringen, ist dann die andere Frage.

Die Idee zum zweiten Song, „La Catrina“, hatte ich schon vor zwei Jahren, als ich mit zweien meiner Brüder in Los Angeles war. Dort waren wir einmal auf einem mexikanischen Flohmarkt, der in mir etwas sehr morbides und nostalgisches zugleich ausgelöst hat. Dieses Gefühl hat mich nicht losgelassen und das habe ich dann versucht, in „La Catrina“ loszuwerden.

Wie und wo sind die drei Tracks produziert worden?

Prinzipiell wurden alle Stücke zu Hause in meinem Home-Studio ausproduziert. Viele Ideen und Skizzen, die in die Songs eingeflossen sind, waren aber schon älter und sind teilweise unterwegs entstanden. Da ich ursprünglich aus der „handgemachten“ Musik komme und meine Jugend mit Schlagzeug- und Klavierspielen verbracht habe, war es mir auch beim Produzieren von elektronischer Musik wichtig, ein Hauptinstrument zu benutzen. Deshalb habe ich versucht, auf der EP das Maximum aus meinem analogen Moog Synthesizer herauszuholen; der ist für mich in gewisser Weise das geworden, was mein Schlagzeug früher für mich war: ein Instrument eben.

Im Vorfeld der Produktion habe ich recht lange Sound-Design betrieben. Ich habe viel mit dem Synthesizer experimentiert und von Grund auf eigene Sounds kreiert. Ich wollte mich nicht auf Presets verlassen, die jeder im Handumdrehen selbst nachbauen könnte.
Dadurch ist der Sound auf der EP sehr eigen und persönlich geworden.

Das dritte Stück, „We Will Be Alright“, ist ziemlich einfach und fast schon roh und entstand letzten Sommer an einem Nachmittag. In dieses Stück sind auch einige Field-Recording Aufnahmen eingeflossen, die ich aus dem Fenster meiner damaligen Wohnung im Leipzier Süden gemacht hatte. Dadurch ist die Nummer vermutlich die persönlichste auf der EP.

Wie lange hast Du dran gesessen?

Der Kontakt zu Luis Leon von Blankhaus Music steht nun seit etwa anderthalb Jahren
und genauso lang hat dann auch die Arbeit an der EP gedauert. Da ich nebenbei noch an weiteren Projekten wie Remixen oder EPs für andere Labels gearbeitet und währenddessen auch meinen Uni-Abschluss gemacht habe, hat sich der Produktions-Prozess von „Celeste“ etwas in die Länge gezogen.

Wie hast Du Luis kennengelernt?

Im Sommer 2013 hatte mich Luis via Soundcloud kontaktiert. Ich hatte gerade einen Remix für Cimelde Records produziert, welcher Luis gut gefallen hatte. Daraufhin fragte er mich, ob ich auch etwas für sein Label aufnehmen würde. Zu dieser Zeit kannte und mochte ich die Musik von Luis bereits sehr. Daher habe ich mich auch total gefreut, dass er von sich aus bezüglich einer Veröffentlichung auf Blankhaus auf mich zugekommen ist.

Hat er aus diesem Grund auch den einzigen Remix beigesteuert?

Luis war sofort von der Nummer „We Will Be Alright“ angetan. Ihm gefiel, dass man ein solches beatloses und soundtrack-mäßiges Stück nicht auf einer House Veröffentlichung erwarten würde. Da wir seit einiger Zeit auch schon zusammen an Musik gearbeitet hatten und daher schon eine gemeinsame musikalische Basis hatten, war es für ihn die logische Konsequenz, eines der Stücke auf „Celeste“ noch einmal selbst zu interpretieren. Er hat mit seinem „Bipolar Rework“ im Endeffekt geschafft, zwei total gegensätzliche Blicke auf ein und den selben Song zu zeigen – das hat mich enorm beeindruckt.

Tracklist:

01. Nikolas Noam – Celeste
02. Nikolas Noam – La Catrina
03. Nikolas Noam – We Will Be Alright
04. Nikolas Noam – We Will Be Alright (Luis Leon Bipolar Rework)