Nikolas Noam: Neue EP mit Krink-Remix


camillarhodes

Anfang März 2015 veröffentlichte der aus Leipzig stammende Nikolas Noam eine neue EP. Nachdem der Musikproduzent am 22. Januar 2015 seine „Celeste“ EP auf dem vom peruanischen Label Blankhaus Music rausbrachte, folgte nun ein Release bei Union Jack Records. Wie es dazu kam, dass „Camilla Rhodes“ mit Remixen von Krink und Jacob Phono auf dem mexikanischen Imprint erschien, erzählt uns Noam im Gespräch.

trndmsk: „Camilla Rhodes“ heisst Deine neueste EP. Gibt es eine Entstehungsgeschichte zu den zwei Original-Tracks?

Nikolas Noam: Im Gegensatz zu meinen vorherigen Releases sollten die beiden Originale auf der EP etwas clubbiger und düsterer ausfallen. Das stand für mich schon vor dem Produzieren fest. Denn in den vergangen drei Jahren hatte ich immer mal Schwierigkeiten damit, meine eigenen Produktionen in meine DJ-Sets zu integrieren. Dies ist wohl der Tatsache geschuldet, dass meine Songs im clubunabhängigen Studio-Kontext oft musikalischer ausfallen, als das, was ich auflege.

Mit „Camilla Rhodes“ wollte ich meine eigene Musik und meine Sets näher zusammenzubringen. Die EP sollte musikalisch facettenreich werden – das war mir auch sehr wichtig. Die beiden Originale sind sehr gegensätzlich, was die Klangästhetik angeht.
Die A-Seite, „U Got Me“, klingt sehr aufpoliert und durch die R’n’B- und Pop-Einflüsse etwas britisch. Der Titelsong, „Camilla Rhodes“, bildet da ein passendes Gegengewicht:
Er klingt dreckiger, vielschichtiger und dadurch vielleicht etwas skandinavischer. Während der Produktionszeit von „Camilla Rhodes“ habe ich viel DJ Tennis oder Tale Of Us gehört
und den Life and Death-Sound ziemlich gefeiert, daher kommen vermutlich auch einige Einflüsse auf der EP.

Den Titel der EP habe ich in Anlehnung an einen meiner Lieblingsfilme von David Lynch ausgewählt. Ich bin sehr filminteressiert und dieser Einfluss schleicht sich immer mal in meine Musik ein. Eine witzige Anekdote hinsichtlich des Titels: Luis Leon von Blankhaus Music machte mich neulich mal darauf aufmerksam, dass ich anscheinend viele meiner Songs mit Frauennamen betitel. Was wohl Freud dazu sagen würde.

Wie lange hast Du an den Werken gesessen? Und wo wurden sie produziert?

Die EP ist dieses Mal ausschließlich in meinem Home-Studio entstanden. Das Grundgerüst von „U Got Me“ stand relativ schnell; nach zwei oder drei Aufnahme-Sessions war ich bereits sehr zufrieden. Zum Einsatz kam überwiegend nur mein analoger Bass-Synthesizer. Auch die Vocals haben nicht viel Arbeit gebraucht und klangen sehr schnell schon ziemlich gut. Dadurch klingt der ganze Song wahrscheinlich auch sehr einfach. „Camilla Rhodes“ hat da auf jeden Fall länger gebraucht. Das liegt daran, dass der Song etwas komplexer als „U Got Me“ ist; zumindest was die Produktion angeht.

Ich glaube, das Ableton-Projekt des Songs hatte ungefähr sechzig Spuren, und ehrlich gesagt habe ich beim Produzieren auch immer mal den Überblick verloren. Was natürlich auch am Sekt liegen kann, der gelegentlich mit im Spiel war.

Wie wurden die beiden Remixer ausgewählt?

Im Gegensatz zu meinen vorherigen EPs habe ich mich dieses Mal alleine um die Remixer gekümmert. Mit Jacob Phono hatte ich letzten Frühling einen Gig in Hamburg gespielt, wodurch wir ins Gespräch kamen. Anschließend hatte ich mich in seinen Sound reingehört: Diesen düsteren und technischen Mix aus House und Techno, den Jacob auflegt und selbst produziert, mochte ich sofort. Umso mehr habe ich mich gefreut, als er Lust hatte, „U Got Me“ zu remixen.

Krink lernte ich letztes Jahr im Sommer über einen gemeinsamen Freund kennen. Wir verstanden uns sofort gut. Vor allem durch unser musikalisches und produktionstechnisches Interesse waren wir sofort auf einer Wellenlänge. Krinks Musik kannte und mochte ich schon länger. Seine Produktionen klingen immer sehr einzigartig und detailversessen; das mag ich echt gerne. Als er mir dann die erste Skizze seines Remixes zeigte, wusste ich sofort, dass seine Interpretation von „U Got Me“ ziemlich episch werden würde.

Wie kommt es, dass Du auf dem mexikanischen Label Union Jack Records released?

Für Union Jack wollte ich schon länger etwas produzieren, da ich mich sehr gut mit Memo Insua, dem Labelchef, verstehe. Memo hatte mich letztes Jahr im Frühling gefragt, ob ich Lust hätte, für sein Label Musik zu machen und so sind dann erst einmal zwei Remixe von mir für das Label entstanden. Ich mag den Sound von Union Jack und die Künstler auf dem Label sehr und so war es für mich nur eine Frage der Zeit, bis ich auch eine eigene EP dort herausbringen würde. In Zukunft hätte ich allerdings große Lust, mehr Kontakte in meiner unmittelbaren Umgebung aufzubauen. Ich lebe und arbeite momentan in Leipzig und so ergibt es Sinn, sich auch mehr auf deutsche bzw. europäische Labels zu konzentrieren.

Tracklist:

01. Nikolas Noam – U Got Me
02. Nikolas Noam – U Got Me (Krink Remix)
03. Nikolas Noam – U Got Me (Jacob Phono Remix)
04. Nikolas Noam – Camilla Rhodes