SoloWg (kunsthandwerk): „Unser Debütalbum hat Höhen und Tiefen – wie in einem Märchen“


Mit ihrem Track L.O.V.E. haben SoloWg vor etwa zwei Jahren ihren ersten großen Hit gelandet, zumindest auf SoundCloud. Eine eingängige Melodie, tiefe Basslines und eine fesselnde Stimme – Deep House? Die drei Wahlkölner Nigel, Hankey und Dario sprachen mit unserem Redakteur Vitus Bachhausen über genau diese streitbare Frage, über ihr kommendes Album Human Labyrinth und über ganz viele andere deepe Themen.

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trndmsk: Gleich zu Beginn des Interviews möchte ich Euch eine richtig dämliche Frage stellen: Welchem musikalischen Genre würdet Ihr Euch zuordnen?

SoloWg: Das ist heutzutage schwer zu sagen, da viele Genres teilweise bei Beatport, iTunes, etc. ganz unterschiedlich eingeordnet werden. Wenn es nach uns geht, ist es „SuperWoWShit“ (lachen). Nein, im Ernst, wir glauben es ist eine Mischung aus Deep House und Electronica, aber das sieht jeder anders.

Ist momentan nicht irgendwie alles „deep“? Was bedeutet das Wort für Euch?

Wenn wir das wüssten. Es wird auf jeden Fall sehr viel als „deep“ beschrieben, doch auch hier ist es Geschmackssache. Menschen, die viel Musik in diesem Genre hören, sehen das ganz anders als welche, die es seltener hören. Wir empfinden Tracks mit „bösen“, tiefen Synths und langen Basslines z. B. als deep.

Wie ist Eure Rollenverteilung auf der Bühne und im Studio?

Unser Studio ist bei Nigel im Keller und er ist auch derjenige, der die meiste Erfahrung in puncto Umsetzung eines Tracks mit Ableton hat – sozusagen unser Headproducer. Wir sind aber alle drei regelmäßig zusammen im Studio und jeder hat seine Ideen und wir versuchen, so unsere Tracks zu produzieren, dass alle sagen können „Der ist fett!“ – und voll und ganz dahinter stehen. Dario und Hendrik bringen oftmals auch angefangene Projekte mit, die dann fortgeführt werden, oder bearbeiten angefangene Projekte zu Ende, was dank Dropbox recht einfach geht.

Auf der Bühne spielen wir meistens mit CDJs und haben eine feste Playlist, die oftmals von allen zusammen bearbeitet wird. Aus dieser spielen wir dann untereinander b2b und in der Regel spielt einer mit Effekten rum, um Zeit zu überbrücken (lachen). Ab und zu nehmen wir dann noch zusätzlich ein Drumpad mit. Unser Album werden wir jedoch komplett live spielen.

Grundsatzfrage: analog oder digital?

Wir sind eher die „digital boys“. Wir haben aber in unserer Anfangszeit mit Vinyl begonnen und im Studiobereich kommt manchmal z. B. der Roland SH-201 zum Einsatz.

Habt Ihr in irgendeiner Weise musikalische Ausbildungen hinter Euch?

Nigel hat am SAE Institute ein Studium zum Audiotechniker beendet und dort viel Erfahrung gesammelt. Hendrik hat zu Kindheitszeiten Gitarre gespielt, konnte davon aber nicht sehr viel behalten (lachen). Allerdings haben wir alle sehr früh angefangen, aufzulegen – und das in völlig verschiedenen Musikrichtungen.

Eurer Musik hört man an, dass sie für die Tanzfläche produziert ist. Würdet Ihr auch Musik für andere Kontexte produzieren?

Nebenbei wurden auch schon Musikstücke für Imagefilme produziert. Ansonsten wollen wir weiterhin das produzieren, worauf wir Lust haben, denn nur so macht es einem auch am meisten Spaß und das ist uns wichtig.

Was hört Ihr an Musik, wenn’s gerade mal nicht elektronisch zugehen soll?

Eigentlich hören wir sehr viel verschiedene Musik. Das fängt an bei Acid Jazz (Jamiroquai) und geht bis zu Oldschool-Hip-Hop oder Classic Rock. Eigentlich fast alles. Nur die meisten Charts und EDM-Geballer sind nicht so unser Ding.

Auch wenn man über Geld nicht redet: Wie verdient Ihr Euer täglich Brot? Reicht die Musik?

Fest steht auf jeden Fall, dass wir durch die Musik nicht leben können bzw. müssen. Allerdings ist uns das auch wichtig, denn somit haben wir keinen Druck oder ähnliches beim Produzieren. Unser Geld verdienen wir sonst in der Industrie, im Finanz- und Versicherungswesen sowie im Film- und Mediengeschäft. Wer was macht, verraten wir nicht (lachen).

Könnt Ihr schon was zu Eurem kommenden Album ausplaudern? Was war Euer Konzept dazu?

Wir können sagen, dass „Human Labyrinth“ 14 Tracks beinhaltet und wir ca. ein Jahr gebraucht haben, um es so zu erstellen, wie es jetzt geworden ist. Es ist nicht eintönig, sondern hat Höhen und Tiefen – quasi wie ein Märchen, das über 14 Tracks erzählt wird. Es ist zu 60 % Musik zum Zuhören und 40 % dancefloortauglich. Anhören, Meinung bilden.

SoloWg – Human Labyrinth Teaser

The debut album of SoloWg!!!! <3It spins, you can immerse yourself in a spherical world, and then you will be haunted by a surreal shape, but it has a cheerful nature in itself.You do not know what's coming.-Human Labyrinth-Release Date: 15 | 05 | 2015by kunsthandwerk

Posted by SoloWg on Dienstag, 14. April 2015

Welche Intention verbirgt sich hinter diesem Titel?

Wir verbinden damit die Höhen und Tiefen des menschlichen Geistes. Jeder Mensch durchlebt Höhen und Tiefen in seinem Leben, Jahr oder Tag. Wir haben versucht, diese so einzufangen, wie wir sie empfinden: das menschliche Labyrinth der Gedanken und Empfindungen.

Worin seht Ihr die Vorteile im Format Album? Die Aufmerksamkeitsspanne der Hörer ist ja nicht gerade gestiegen in den letzten Jahren.

Die Menschen sind zum größten Teil faul geworden. Man muss den Leuten eigentlich schon fast die Free Downloads auf den Desktop oder das Handy knallen, bevor sie aufmerksam werden, was kein Wunder ist bei der Übersättigung des Musikmarkts. Aber wir wollten trotzdem den Leuten unsere Geschichte erzählen – egal ob sie nun 3 000 oder 300 000 Zuhörer findet.

Was steht bei Euch in Zukunft an? Gibt’s schon Konkretes?

Wir chillen erstmal den Sommer weg (lachen). Nein, vielleicht beginnt im Geheimen die Arbeit an einem neuem Album? Eine kleine Tour? Die Weltherrschaft anstreben? Wer weiss. Findet es heraus.

Dieses Interview führte Vitus Bachhausen.