Terranova: „Vinyl, CD und Digital bieten verschiedene Welten von von Möglichkeiten, Einschränkungen, Vorgaben und Gewohnheiten“


Vor drie Monaten veröffentlichten Fetisch und &ME unter ihrem Alias Terranova das Album „Restless“. Zehn Werke erschienen auf dem Kölner Label Kompakt Records. Wir sprachen mit einem Teil des Duos über das Release – und wieso sie sich auf dem Imprint am wohlsten fühlen.

terranova

trndmsk: Seit dem 11. Mai 2015 ist Euer Album „Restless“ im Handel erhältlich. Was war Euer erster Gedanke, als der Longplayer unter Dach und Fach war?

Fetisch von Terranova: Für mich hat sich bis jetzt das Unter-Dach-und-Fach-Gefühl noch nicht eingestellt. Ich arbeite immer noch an „Restless“ – und an neuen Tracks.

Wie lange habt Ihr an den zehn Tracks gesessen?

Das Album ist in den Monaten Dezember 2014 und Januar 2015 entstanden. Der 9. Februar 2015 war als Deadline vorgegeben, um am 11. Mai 2015 als Releasedate festhalten zu können. An den Vorgängern sassen wir länger. Da gab es wenig Zeit, zu reflektieren. Es kam noch eine Filmmusik dazwischen, die ich unbedingt machen wollte und die dann viel Zeit in anspruch genommen hat. Danach blieben nur diese zwei Monate, um „Restless“ fertig zu stellen. Wir wussten diesmal recht genau, was wir wollten und hatten Unterstützung in Form von befreundeten Sängern – so sind wir zum Ziel gekommen.

Wie ist die Kollektion musikalisch aufgebaut?

Komponenten fügen sich zusammen in eine eigene Dynamik – am besten man bleibt offen im Produktionsprozess. Im Grunde entsteht nach relativ schneller Zeit etwas: ein „Stück“. Dem arbeitet man zu -sozusagen wir als Angestellte des jeweiligen Stücks – bis es fertig ist. Klingt seltsam, wenn ich das lese, aber so ist es. Vorausgesetzt, man hat eine Vorstellung von der Natur des Endprodukts. Sonst können aus zwei Monaten mühelos zehn Jahre werden. Das gilt für jedes einzelne Stück und am Ende für alle zusammen. Was Arrangements und Reihenfolge betrifft, sind wir diesmal dem Format entsprechend vorgegangen: Es sind drei welten – Vinyl, CD und im digitalen Format. Drei verschiedene Welten von Möglichkeiten, Einschränkungen, Vorgaben und Gewohnheiten.

Bis jetzt ist das noch niemandem aufgefallen, aber das wollten wir auch so. Der Hauptgedanke hinter allem war: Diese Musik soll auf Tanzflächen und in Raumschiffen laufen können.

Bei einigen Nummern habt Ihr Unterstützung von Musikerkollegen bekommen – wie z. B. Bon Homme und Cath Coffey. Wie kamen die jeweiligen Kollaborationen zustande? Und wie habt Ihr Euch die Helfer ausgesucht?

Terranova war von Anfang an als Soundsystem gedacht. Ich bin durch meinen ersten Job als Teenager in einem Plattenladen, der hauptsächlich auf Jamaican 7″ spezialisiert war, zum ersten Mal auf DJ-Musik aufmerksam geworden. DJ und Open Mike: Er war auch ein Jamaikaner, der es in die South Bronx gebracht hat. Der Rest ist bekannt.

Cath Coffey ist Terranova-Veteran sozusagen – z. B. „Chase the Blues“ aus dem Jahr 2000 und als wir letzes Jahr „Headache“ covern wollten, habe ich sie gleich angerufen. Mit Tomas Hoffding (Bon Homme) haben wir schon auf „Hotel Amour“ und „Painkiller“ gearbeitet. Er ist grossartig, und seine Stimme haut mich immer wieder um. Er hatte vorgeschlagen, aus „Skin & Bones“ gemeinsam mit Lydmor ein Duett zu machen. Mandel Turner singt zum ersten Mal bei Terranova. Wir sind uns vor langer Zeit in der Paradise Garage begegnet und haben viele gemeinsame Freunde. „Tell Me Why“ mit Stereomcs hat gleich eine Lawine von neuen Stücken ausgelöst. Wir arbeiten an einem gemeinsamen Album, im Herbst erscheint die erste EP und 2016 das Album.

Habt Ihr einen absoluten Trackliebling aus dem Album?

Wir haben sieben bis acht Tracklieblinge. Es kommt aber immer auf die Situation und die Uhrzeit an.

Der Longplayer erschien – wie so viele Eurer Veröffentlichungen – via Kompakt. Fühlt Ihr Euch auf dem Kölner Imprint am wohlsten?

Ausser frage. Ich habe auf vielen Labels veröffentlicht. Es ist eine riesen Leistung in 2015, so souverän und solide aufgestellt zu sein – inhaltlich und strukturell. Das ist weltweit einzigartig, dazu machen die Chefs dann auch noch selber großartige Musik. Da kam eine EP von Michael Mayer gemeinsam mit Reinhard Voigt: ein Hammer! Die hat mich komplett umgehauen.

Was sind nun die nächsten Schritte? Gibt es zum Album auch eine Tour?

Wir spielen beide viel. Im Studio sitze ich an der Stereomcs-LP und André an der nächsten Keinemusik. Im September 2015 kommt die erste „Restless Remix“ EP, zwei Monate später die zweite.

Was ist das für ein Gefühl, wenn man sein eigenes Album als Schallplatte in den Händen hält? Immer noch etwas Besonderes?

Absolut, immer wieder! Es ist auch die Schallplatte, das Album auf Vinyl als Ziel vor Augen, wenn wir daran arbeiten.

Das Interview führte Benjamin Reibert.