Lauter Unfug: „Künstler sollen bei uns das rausbringen, was ihre Kreativität hergibt“


Draußen ist sie, die erste Platte vom neuen Label Lauter Unfug. Das Imprint aus Luxemburg, das 2013 als kleine Veranstaltungsreihe startete, veröffentlichte am gestrigen Donnerstag, den 15. Oktober 2015, die EP „When Are You Hungry?“. „Vor fast drei Jahren habe ich mit meinem Freund Pierre in Luxemburg angefangen, Veranstaltungen unter diesem Namen zu organisieren“, erzählt Riven, der Schöpfer des Tracks. „In Luxemburg gab es quasi keine Underground-Szene, und wir hatten es einfach satt, jedes Mal, wenn wir mal ausgehen wollten, zu nervigen EDM-Sirenen oder dumpfen Hip-Hop-Beats zu tanzen.“ Wir sprachen mit Pierre über die Beweggründe, ein Label zu gründen, die erste Katalognummer und die Philosophie des ersten Imprints aus Luxemburg.

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trndmsk: Pierre, Mitte Oktober 2015 erschien die erste Katalognummer Eures Labels, Lauter Unfug. Wie fiel die bisherige Resonanz zur EP „When Are You Hungry“ aus? Wie haben andere DJs und Produzenten bislang auf die 001 reagiert?

Pierre: Viele Artists kennen den Namen schon wegen unseren Verantsaltungen in Luxemburg, wo wir schon seid zwei Jahren Partys veranstalten. Die Resonanz ist besser, als ich gedacht hätte. Die Tracks werden gespielt und die Grossen aus der Szene scheinen, dem Label auch ihren Support zu geben, zumal wir ja viele kennen, weil sie jedes Jahr bei uns spielen. Aber wichtig ist uns auch die Meinung der Käufer und Hobby-DJs, da diese für uns sehr wichtig sind, unsere Musik unter die Leute zu bringen.

Die erste EP wurde von Riven produziert. Wie seid Ihr auf das Original und ihn gestossen?

Riven hat mir mal auf einer After den Track vorgespielt, und wir dachten, dass wir den releasen sollten.

Wann hattet Ihr Euch entschieden, ein eigenes Label zu gründen?

Wir wollten es schon lange, aber wir wussten noch nicht, wie – und die Zeit fehlte uns. Wir wollten das Label erst machen, wenn wir die Zeit, Leute und Ressourcen dafür haben. Riven und ich haben Lauter Unfug gegründet, um die Szene der elektronischen Musik in Luxemburg zu födern, und ein Label für Luxemburg hatte noch gefehlt. Da ich wegen einem neuen Job nach Berlin gezogen bin und auch durch meinen neuen Job viele Kontakte und Wissen bekommen habe, dachte ich mir, jetzt wäre es an der Zeit, dass Luxemburg sein elektronisches Label bekommt, und wir unsere Tracks endlich mal veröffentlichen können, ohne es an andere Labels schicken zu müssen, bei denen du ein Jahr auf eine Antwort wartest, weil diese überlastet sind. Deshalb dachten wir: selbst ist der Mann (lacht).

Was waren Eure Beweggründe, die Labelidee wirklich in die Tat umzusetzen?

Wir wollten unsere Musik selbst veröffentlichen und auch die Leitung darüber haben. Die Tracks sollten nicht irgendwie und irgendwo released werden und einfach Teil eines Kataloges von einem Label sein. Wir wollten selbst über das Cover, Remixer bis hin zur Werbung entscheiden. Partys und die Arbeit eines Labels lassen sich gut verbinden, und wir hoffen, dass unsere Fanbase uns auch mit dem Label so unterstützt wie mit den Events.

Wie verteilen sich die Kompetenzen? Wer ist für was verantwortlich?

Wir sind im ganzen zu 7.. Jeder macht etwas anderes. Einer kümmert sich um die Werbung bei den Tracks und Events, der andere um Bookings und Remixer. Jeder hat seinen Platz, und solange es Spass macht, in der Gruppe zu arbeiten, wird das Label sicher gelingen.

Wie lautet die Philosophie des Imprints? Werdet Ihr z. B. auch Vinyl rausbringen?

Die Philosophie ist einfach Housemusik. Tracks von uns mit Remixen von unseren Lieblingskünstlern und Freunde. Uns geht es hauptsächlich darum, unsere Kreativität freien Lauf zu lassen – und auch der Remixer. Wir legen viel Wert darauf, dass wir alles selbstmachen und auch keinem sagen, was man im Track ändern soll. Der Künstler soll bei uns das rausbringen, was seine Kreativität hergibt und nicht, was sich am besten verkauft. Natürlich sollte es zu uns passen. Vinyl ist auch geplant, aber genau für welche Release kann ich dir noch nicht sagen, kommt aber in 2016 bestimmt.

Was erhofft Ihr Euch von Lauter Unfug? Was sind Ziele, die er mit dem Label erreichen möchtet?

Wir wollen erstmal die Marke Lauter Unfug in die Welt bringen, und die Leute an unserem Unfug teilhaben lassen. Unsere Ziele sind hauptsächlich, dass unserer Label so gut läuft wie die Partys und dass wir das irgendwann auf professioneller Basis machen können. Aber auch wenn nicht: Wir haben sehr viel Spass daran, und solange wir das alle zusammen als Freunde machen, haben wir eigentlich nur das Ziel, unsere Musik ausserhalb von Luxemburg bekannt zu machen. Leider ist es für einen Künstler in Luxemburg sehr schwer, über die Grenzen hinauszugehen.

Für welchen Vertrieb habt Ihr euch entschieden – und aus welchen Gründen?

Wir arbeiten mit Press & Play. Ich kenne durch meine Arbeit in Berlin den Kostas sehr gut, und sie helfen uns sehr viel auch im Punkto Marketing und wann wir welche Tracks releasen sollten. Durch ihre Erfahrung im Künstler- und Labelmanagement können wir viel von ihnen lernen, und wir sind froh, dass sie uns angenommen haben als neues Label.

Was wird demnächst bei Euch rauskommen ? Habt Ihr schon weitere Pläne in der Schublade?

Die nächsten Releases stehen schon bis September 2016. Wie schon oft erwähnt, kommen hauptsächlich Sachen von unseren Residents und Freunden raus. Wir haben auch für jede EP grossartige Remixer bekommen, die auf jede EP noch ihr Flair dazugeben. Das nächste Release ist von ND Catani mit einem Hermanez & Kellerkind-Remix, zu dem wir sehr gute Feedbacks bekommen haben. Des Weiteren haben wir noch Tyree Cooper, Alexander Aurel, Daniel Stefanik, Ruben Mandolini, Saytek und Timid Boy als Remixer gewinnen können und sind sehr froh über ihren Support. My Favourite Freaks unterstützt uns auch tatkräftig, und wir können nur danke sagen an alle, die uns den super Start ermöglicht haben.

Das Interview führte Benjamin Reibert.