Torsten Kanzler – Techno, wie in Stein geschlagen


Seit Jahren serviert Torsten Kanzler druckvollen Techno. Innerhalb der letzten zwei bis drei Jahre hat sich sein Sound jedoch in eine spannende und internationale Ecke entwickelt, ohne dass man auf den ersten Blick sagen kann, warum. Zwar massieren die Produktionen und Mixe immer noch intensiv Magen und Gehirngänge, doch nun mir mehr Selbstverständnis und Reduktion zum Wesentlichen.

Längst zählt der in Berlin lebende Künstler nicht mehr zum Hardtechno, sondern steht für einen Technosound der in einer Linie mit Adam Beyer und Sam Paganini genannt wird. Mit seinem aktuellen Release auf seinem eigenen Imprint TKR drückt Kanzler nun eine EP durch die Boxen, welche die Seele des düsteren und intensiven Technos förmlich aufsaugt und zu einem pulsierenden und scharfkantigen Geschoss transformiert. Wir haben mit dem Technoproduzenten über seine Studioarbeit, seinen Gig während des Amsterdam Dance Events und Techno gesprochen.

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trndmsk: Du warst vor Kurzem in Amsterdam auf dem Amsterdam Dance Event (ADE), auf welchem Du auch zur Primetime live gespielt hast. Wie hast Du Dein Set vorbereitet?

Torsten Kanzler: Ich war dieses Jahr zum ersten Mal da und fand es echt fett. Ich habe am Mittwoch im Nova Club gespielt, ein recht kleiner, aber sehr schöner Club mit fantastischen Leuten und einer super Stimmung. Mein Set habe ich wie immer vorbereitet. Ich habe Promos und Demos durchgehört und mich nochmal kurz durch Beatport gewühlt. Da das DJ-Pult sehr klein war, konnte ich am Abend leider nicht meine vollständiges Set Up aufbauen, aber die Hütte hat trotzdem gebrannt (lacht).

Was hat Dir an Amsterdam und der Veranstaltung am besten gefallen? Hast Du Dir auch selbst noch Shows angesehen?

Das Wetter hat mir am besten gefallen, ich hatte ja mit Schnee oder Mistgabeln gerechnet, zum Glück war es dann doch nur etwas Regen (lacht). Spaß beiseite. Es war schön, ein paar Leute zu treffen, mit denen man sonst das ganze Jahr nur über Email kommuniziert. Man konnte einfach gemütlich beim entspannten Frühstück oder Abendessen plaudern. Am Donnerstag war ich dann noch beim Drumcode Showcase im Gasholder, was, wie zu erwarten, mein Highlight auf der ADE war. Freitag musste ich leider schon wieder los.

Gerade ist auch Deine neue EP „Makro“ auf Deinem Label TKR mit Remixen von Sven Wittekind sowie Drumcomplex & Roel Salemink rausgekommen. Wie kam es zu den drei Künstlern?

„Makro“ ist nach langer Pause mal wieder eine Single von mir auf meinem eigenen Imprint. Mit Sven habe ich ja schon oft zusammengearbeitet. Ich schätze ihn als Freund und mag seine Produktionen sehr. Dass er auch ein toller Remixer ist, hat er mir hier erneut bewiesen. Sein Mix ist definitiv mein Lieblingsstück auf dem Release. Ich bin echt mega auf sein neues Album gespannt. Hinter Arnd (Drumcomplex) war ich schon länger her. Der hat sich schon so oft in meine Playlist geschlichen und stand schon lange auf meine Remixer-Favoritenliste.

Gibt es bestimmte Parts oder Sounds mit denen Du immer startest, wenn Du einen Track im Studio neu beginnst – wie jetzt gerade für die neue EP?

Ich habe keine bestimmte Vorgehensweise, wenn ich mit der Produktion eines Tracks starte. Manchmal suche ich mir eine schöne Bassdrum, und manchmal schraub ich mir am Analog-Four einen Groove zusammen und suche anschließend den passenden Beat dazu.

Du arbeitest sowohl als DJ als auch im Studio mit viel Hardware-Komponenten. Welche Vorteile bringen Geräte in Deinem Fuhrpark von Electron, Allen & Heath und die MASCHINE von Native Instruments mit sich?

In erster Linie spielt die Soundqualität und Verarbeitung eine große Rolle, und da habe ich mit meinen Geräten bisher nur gute Erfahrung gemacht. Es ist unglaublich, was aus einem Electron alles für Sounds rauszuholen sind, und wie lebendig der klingt. So auch der Zone 92 von A&H, der seit Jahren einfach Mal der am besten klingende DJ-Mixer auf dem Markt ist. Nicht für umsonst haben ihn viele der bekanntesten DJs der Welt ihn in Ihrem Set Up. Als nächstes die Vielseitigkeit. Ich kann im Studio auf der Maschine programmierte Arrangements spielend leicht auf meinen Rechner ziehen, und das in mein DJ-Set-Up einbauen oder umgekehrt. Jeder Musiker hat bestimmte Vorlieben oder Ansprüche an ein bestimmtes Gerät, und meine werden hier bisher perfekt erfüllt.

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Viele Deiner Livemixe, wie von der Nature One oder der Ruhr in Love, findet man auf Deinem SoundCloud-Profil. Wie sehr besorgen Dich die Entwicklungen bei SoundCloud und den teilweise gesperrten Mixsessions von Kollegen?

Ich war glücklicherweise davon bisher nicht betroffen, aber an sich kann ich es etwas nachvollziehen. Es geht ja am Ende um den Schutz der Künstler und ihre Musik, in die sie viel Zeit, Geistesgut und Energie gesteckt haben, bis sie dann auf dem iPod landet. Allerdings finde ich es etwas übertrieben, einen Mix zu sperren, weil dort zwei Minuten eines vielleicht fünfminütigen Tracks zuhören sind. Vielleicht sollte man es so regeln, dass nicht mehr als 50 % eines Tracks im Mix zuhören sein darf.

In den vergangenen Jahren warst Du auf der ganzen Welt unterwegs und hast mit internationalen Künstlern und Labels zusammengearbeitet. Was hast Du für die nächsten Monate geplant?

Es kommen in nächster Zeit einige Releases – unter anderem auf Silent Storm UK mit einem DJ Emerson-Remix, auf dem französischen Label Dolma Records mit Remixen von A. Paul, Wex10, Sutter Cane und Drumcomplex, auf Driving Forces mit Remix von Flug sowie einige Remixe von mir. Da bleibt wenig Zeit zum Durchatmen.

Das Interview führte Martin Schwalb.