Remcord: „Das Ohr ist der Weg zum Herzen“


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Der in Paris lebende Franzose Remcord wurde schon in frühen Tagen mit der Liebe zur Musik infiziert. Während er in frühen Tagen mit Gitarre und später auch noch Drums seiner Kreativität freien Lauf ließ, wechselte er irgendwann als DJ zur elektronischen Musik und später auch als Produzent zu einem Haufen Hardware, die er in beinahe magische Schwingungen versetzt. Mit Einflüssen von Super Flu über Anja Schneider bis hin zu Oliver Huntemann geht Remcord einen ganz eigenen Weg und steht für einen sehr eigenständigen Sound, wie er jüngst auf dem Label Heulsuse als auch aktuell auf dem belgischen Label Atmosphere Records bewiesen hat. Wir haben uns mit ihm über seinen Werdegang, seine Arbeit als DJ und Produzent unterhalten.

trndmsk: Remcord, wie bist du zur Musik gekommen, und wie hat die Szene dich aufgenommen?

Remcord: Schon als kleines Kind habe ich begonnen, eine Leidenschaft für Musik zu entwickeln.
Was die elektronische Musik angeht, so habe ich sie erst in den 2000er Jahren wirklich wahrgenommen. In einer Bar in meiner Heimatstadt habe ich Sachen von Stephane Pompougnac und Poker Flat gehört – und das hat meine Meinung über Musik grundlegend verändert.

Mein Neffe hat mir dann ziemlich schnell alle seine Lieblingskünstler vorgestellt, so dass ich schnell Fan von deutschem Techno wurde. Ich habe mir Plattenspieler gekauft, um die Musik besser kennen zu lernen und zu verstehen und binnen kürzester Zeit habe ich selber produziert. Es war keine Leidenschaft mehr, nun war ich süchtig und habe mehr als 80 Songs pro Jahr kreiert. Ein paar Jahre und EPs später kam ich zu Atmosphere Records. Dort erfuhr dort großartige Unterstützung und kam zu meinen ersten internationalen Gigs.

Du hast auch gerade deine neue EP „Saed“ auf Heulsuse, dem Label von Hanne & Lore veröffentlicht. Wie waren die letzten Monate für dich?

Die letzten Monate hatte ich viel Zeit um meiner Leidenschaft nach zu gehen. Ich liebe es, mit einer Deadline im Hinterkopf zu produzieren, habe aber auch viel Zeit mit Freunden im Studio verbracht. Ich liebe solche „Jams“!
Ich verbinde Musik immer mit Spaß haben und Teilen und diese Jams verbinden genau diese Eigenschaften. Einfach Spaß haben, ohne irgendwelche Genre-Grenzen (Dub, Reggae, Underground Techno, französischer Chanson). Ich habe Hanne & Lore im Sommer 2014 kennengelernt, als wir zusammen im Papaya Club in Kroatien aufgelegt haben, und wir hatten von Anfang an eine Verbindung. Seitdem haben wir uns noch öfter getroffen.

Einer deiner Tracks wurde von Ramon Tapia geremixed. Wie war es, als du den Track zum ersten Mal gehört hast?

Ich war gerade selbst im Studio, als Ramon mir die Mixe geschickt hat. Also habe ich alles Stehen und Liegen gelassen und sie mir sofort angehört! Ich habe natürlich einen ordentlichen Remix von einem angesehenen Producer erwartet, aber das hat mich echt umgehauen. Ich bin durch’s Studio getanzt und die Arme in die Luft geworfen! Der Track hat eine unglaubliche Energie und ich bin wirklich begeistert, wie Ramon den Geist des Originals behalten hat. Ich bin Ramon für diese großartige Interpretation dankbar. Und natürlich Heulsuse, die alles erst möglich gemacht haben.

Die EP hat einige interessante orientalische Einflüsse. Was hat dich dazu inspiriert?

Du hast Recht, da sind ein paar Orient-Einflüsse – besonders beim Track „Saed“. Ich höre viel Weltmusik, meistens afrikanische und südamerikanische Musik. Außerdem reise ich gern, wenn ich die Möglichkeit bekomme. Ich habe ein Tascam (Diktiergerät), mit dem ich alle möglichen Sounds und meine Umgebung aufnehmen kann. Für „Saed“ habe ich die Sounds im Frühling in Marokko gefunden. Das Wetter war großartig und ich hörte die ganze Zeit ein Album von Ibrahim Maalouf. Dieser Musiker spielt eine vierteilige Trompete, die sein Vater ihm gebaut hat und macht damit so erstaunliche Musik. Das hat meine eigene Produktion ordentlich angefeuert.

Wenn du an deinem Job als DJ und Produzent etwas ändern könntest, was wäre das?

Es wäre toll, mal ein gesamtes Jahr nur zu produzieren. Außerdem hätte ich gern mal die Chance, meine Arbeit in einem improvisierten Liveset zu präsentieren. Das ist nicht gerade leicht, denn man braucht dazu eine Crowd, die offen für alles ist und in jede Richtung mitkommt. Die Hauptsache ist, einen einzigartigen Moment zu erschaffen, in dem Teilen und mit der Musik Spaß haben miteinander verschmelzen.

Was ist für einen leidenschaftlichen Produzenten wie dich wichtig für einen ordentlichen Arbeitsablauf und womit arbeitest du im Studio?

Im Studio arbeite ich mit Ableton Live. Meine Synths und alle anderen Instrumente sind verbunden mit einer Soundkarte, aber manchmal nehme ich auch ein Mikrofon um spezielle Percussions einzufangen und mit anderen Instrumenten zu verbinden. Da mir die warmen, organischen Sounds besonders gefallen, greife ich sehr oft auf akustische Instrumente zurück. Mein allerbester Freund im Studio ist jedoch mein 83er Roland SH 101, von dem ich nicht genug bekommen kann. Die Möglichkeiten dieses Synths sind schier unendlich! Einige meiner Tracks, wie zum Beispiel „Essential Flavor“, habe ich ausschließlich mit dem SH 101 und dem TR 8 produziert.

Heutzutage bekommt man viele Mixe und Podcasts umsonst. Was muss ein Mix deiner Meinung nach haben, um interessant zu sein?

Ich muss zugeben, für mich ist das Intro sehr wichtig. Ich möchte gleich von Beginn an gefangen genommen werden. Und das Ende ist natürlich auch wichtig. Es muss richtig gut sein. Manchmal finde ich auch eine Geschichte, die erzählt wird, interessant, aber so richtig reizen tut es mich nicht. Am Ende ist alles nur ein ständiger Konkurrenzkampf, bei dem es nur darum geht wer den neuesten Track am schnellsten hat. Für mich ist es genauso toll, einen Track zu hören, den ich liebe. Wenn da dieser gewisse Groove ist, weißt du?

Denkst du, dass in Zeiten des Internets die lokalen Szenen noch wichtig sind?

Na klar! Ich denke, sie sind besonders wichtig, kommen wir doch alle dort her. Ich denke, es ist wichtig, nie zu vergessen, woher man kommt um seine Ziele zu erreichen. Die lokale Szene ist wichtig um mit den Leuten neue Styles zu entdecken oder sie ihnen vorzustellen. Besonders denen, die sonst ausschließlich im Netz unterwegs sind.

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Hast du je daran gedacht, was anderes zu machen als Musik?

Ich kann mir beim besten Willen nichts Anderes vorstellen. Musik wird immer meine Leidenschaft sein und ich hätte eine wirklich harte Zeit ohne sie. Aber sollte so was doch passieren, dann würde ich mich wohl in der künstlerischen Umgebung eines Live-Theaters wiederfinden.

Was liegt gerade bei Dir an an?

Die nächsten Wochen werde ich meine neue Liveshow in Le Havre, Paris und 2016 in Deutschland vorstellen. Dann sind noch einige EPs auf dem Weg, gerade ist meine neue EP auf Atmosphere Records mit zwei großartigen Remixen meiner lieben Freunde Hanne & Lore und Beatamines erschienen.