Ein Set als Neuanfang – „Sternenstaub“ von Somewhere Else Tomorrow


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„Der Mix bedeutet einen Neuanfang für mich“, erzählt Somewhere Else Tomorrow über die Zusammenstellung „Sternenstaub“. 
Vor etwas mehr als einem halben Jahr musste er seinen Bruder, der gleichzeitig sein treuester Gefährte, bester Freund und Seelenverwandter war, nach plötzlicher, schwerer Krankheit gehen lassen. „
Ich war danach eine ganze Weile wie betäubt und gefühlsmäßig ziemlich weit weg von Musik. Ich musste Abstand nehmen und Dinge mit mir selbst ausmachen. Ich habe aber weiterhin hier und da aufgelegt und mir durch eine relativ harte, funktionale Richtung Luft verschafft.“ Ende 2015 beendete er das gemeinsame Projekt von ihm und seinem Bruder, A Professional Dreamer bzw. Professional Dreaming: „Es hat sich für mich einfach nicht richtig angefühlt, alleine weiterzumachen.“ Anfang 2016 kam schließlich die Anfrage von Christoph Woerner für Klangextase. „Großartig wie er ist, hat er mich trotz meiner Unsicherheit bekräftigt, wieder dabei zu sein“, erklärt der Musiker.

Und plötzlich fühlte er sich total frei

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Ich war die ersten zwei Monate des Jahres in Berlin, um mein Wissen bezüglich der Produktion eigener Musik zu vertiefen.“ Dort lernte er neue Leute kennen – vor allem aus dem musikalischen Bereich: „Ich habe viel Inspiration bekommen und eine Menge gelernt. In der Zeit war ich wie im Tunnel, und alles hatte irgendwie mit Musik zu tun.
“ Als er zurück kam, stand direkt der Podcast an. Durch den langen Abstand zur Musik und beflügelt durch die Zeit in Berlin und den anstehenden Neuanfang unter neuem Namen, war er plötzlich total frei und hatte noch dazu einen riesigen Pool an Tracks, die er noch nie gehört oder verwendet hatte: „So ist das Set dann innerhalb recht kurzer Zeit entstanden.“

Der Beginn eines neuen Kapitels

Besonderen Wert legte er auf eine positive Grundstimmung. „Der Mix und auch das neue Projekt sind der Beginn eines neuen Kapitels für mich, und die Stimmung sollte irgendwie aufwärts gehen, der Spannungsbogen zum Ende hin steigen und steigen, bis er sich irgendwann positiv auflöst.“ Intro und Outro hätten sich im laufenden Prozess entwickelt, so der DJ, der im Set auch seinen ersten eigenen Track eingearbeitet hat – „Horizon“. „Ich muss sagen, dass ich lange Zeit so sehr mit mir selbst beschäftigt war, dass nur wenig Platz für andere Dinge übrig blieb. Das Zeitgeschehen holt mich nach und nach erst jetzt ein, wo ich wieder fähig bin, ein bisschen nach links und rechts zu schauen.“

Von Hoffnung und Zerbrechlichkeit bis hin zu Ernüchterung

Er müsste lügen, um zu sagen, das aktuelle Zeitgeschehen träfe ihn nicht. „Und damit meine ich gar nicht unbedingt nur das innerdeutsche, sondern einfach die Gesamtsituation. Ich bin 1983 geboren, habe also einen Großteil meiner Jugend in den 1990er Jahren verbracht. Für mich waren die 90er waren irgendwie euphorisch.“ Die Zeichen hätten auf Öffnung und Horizonterweiterung gestanden. „Du bist Teil einer freien Welt und damit privilegiert, geh raus und mach etwas daraus.“ Man brauche sich nur die alten Loveparade-Videos anzuschauen, die alles über diese Zeit aussagen würden. „Vieles von dem, was ich von damals mit auf den Weg bekommen habe, also sozusagen das damals vermittelte Weltbild mit seinen Ideen, Hoffnungen und Werten, hat sich dann als viel zerbrechlicher und viel weniger selbstverständlich herausgestellt, als es damals schien. Vielleicht sogar auch einfach als viel weniger realistisch. Und die heutige Zeit ist ja sowieso eine ganz andere. Das kann manchmal ziemlich ernüchternd sein.“

Von der positiven Stimmung etwas abgeben

Da wollte er ein bisschen gegensteuern: „Denn ich selbst habe in den letzten Monaten zum ersten Mal seit langer Zeit wieder so etwas wie eine positive Grundstimmung für mich verspürt, und davon wollte ich einfach ein bisschen was weitergeben.“
 Auch, wenn das nichts mit dem Zeitgeschehen zu tun habe, sondern vielmehr mit seinem Umfeld – seiner Freundin, seiner Familie und seinen Freunden -, das ihn trage und ihm über eine schwere Zeit hinweg geholfen habe, betont der DJ und fügt an: „Und natürlich mit Musik.“

Tracklist:


01. Intro (Vincent McMorrow – Wicked Games Live Version Cut + La Haine Ending Scene)
02. The Acid – Ra (David August Remix)
03. Stephan Bodzin – Sputnik (Dominik Eulberg Remix)
04. ANOUKA – Liberte (MIDAS 104 Remix)
05. Cubicolor – Falling feat. Tim Digby-Bell (Robag’s Uppa Baash Remix)
06. The Micronaut – Hasel
07. Rodriguez Jr. – Mistral (Stephan Bodzin Remix)
08. Marian Herzog & Modshape: Trapped In Time (Sascha Braemer Remix)
09. Somewhere Else Tomorrow – Horizon (unmastered preview)
10. Eric Prydz – Opus (Four Tet Remix)
11. Nick Dow – Smokes
12. Outro (Melody Moon – Vom Selben Stern Cover + Dinner Music – Vom selben Stern Piano Version + Noise)