Storyteller statt Beatport-Top-20-Mix – Marc DePulse über seine Plattform How I Met The Bass


Im letzten Jahr rief der Leipziger DJ und Produzent Marc DePulse ein neues Projekt ins Leben. How I Met The Bass heißt seine Plattform, die vorrangig Podcasts herausbringt, sich aber künftig noch mehr in Richtung Community und Blog entwickeln soll. Wir haben mit DePulse über sein Baby, den Gedanken dahinter und was er zukünftig mit der Plattform vor hat gesprochen.

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trndmsk: Welcher Gedanke steckt hinter deiner Plattform?

Marc DePulse: Podcastreihen gibt es wie Sand am Meer, das wissen wir alle. Als Künstler bekommst du ja auch etliche Anfragen pro Monat und irgendwann wächst es dir über den Kopf. Ich wollte also etwas Innovatives schaffen, ohne aber das Fahrrad neu zu erfinden. Der Name sagt eigentlich schon alles, nämlich: Wie bist du zum Bass bzw. zur elektronischen Musik gekommen? Also bitte kein Beatport-Top-20-Mix, sondern einen Storyteller. Und dafür lade ich mir regelmäßig meine Lieblingsacts ein, um mir ihre Geschichten erzählen zu lassen. Es ist einfach total spannend, zu hören, mit welchen gemeinsamen Klassikern man damals groß geworden ist oder welche sprichwörtlichen Oldies sie aus der Kiste holen. Im Grunde geht es mir darum, dass mir die Acts einen Podcast aus Tracks mixen, die ihren Werdegang geprägt haben, bis hin zu dem, was sie heute machen. Im aktuellen Mix von Jan Oberlaender ist es interessant zu hören, wie der damalige Sound seine heutige Musik geformt hat. Jeder Künstler ist natürlich auch unterschiedlich alt bzw. unterschiedlich lange dabei. Wenn Sabb zum Beispiel noch recht junge Tracks mixte, die noch keine zehn Jahre auf dem Buckel haben, blickte Dave Seaman mit seinem Podcast sogar bis in die 1980er Jahre zurück. Zeitreisen einmal anders und jeder Künstler macht daraus seine eigene kleine Reise. Das macht es so aufregend.

Was hat du mit How I Met The Bass künftig vor?

Möglichkeiten hat man viele, Ideen sowieso. Meist scheitert die Umsetzung aber an der Zeit. Die Gedanken kreisen schon länger, und ich bin froh, dass mir mein Grafiker und Multitalent Daniel tatkräftig hilft. Wir überlegen schon intensiv, wie und was wir mit dem Portal noch anstellen können, natürlich immer im Hinblick auf Aufwand und Umsetzung. Der Zuspruch ist groß und das gibt uns Kraft und Lust, das Baby weiter wachsen zu lassen. Eine Rubrik mit dem Namen „Bass Of The Week“ haben wir schon installiert. Fernere Ziele sind: Künstlerportraits, Homepage, Blog, vielleicht sogar eine Veranstaltungsreihe. Aber erst einmal wollen wir die Podcastserie weiter ankurbeln, und ich freue mich schon auf ein paar große Fische, die 2016 noch kommen werden.

Ist das Projekt derzeit rentabel?

Finanziell nicht. Das Projekt ernährt sich aus Luft und Liebe. Betriebswirtschaftlich ausgedrückt: Es ist ausschließlich ein Ausgabeposten. Aber das ist auch nicht so wichtig. Ich mache es aus Liebe zur Musik, vor allem weil es auch mal etwas anderes ist. In einer völlig überfluteten Zeit, in der man hunderte Releases pro Woche auf dem Schirm hat, ist es doch schön, sich einmal wieder an seine eigene Jugendzeit zu erinnern und Tracks zu hören, die man vielleicht schon Ewigkeiten nicht mehr gehört hat. Wenn ich den Leuten damit ein Grinsen ins Gesicht zaubern kann, dann es für mich rentabel genug.

Podcastcover #19 Jan Oberlaender

Die aktuelle Ausgabe, Beitrag Nummer 19, kommt vom Rostocker Jan Oberlaender und erzählt die Geschichte eines heute Mitte-Dreißigjährigen.