EVE ADAM AND: „Ein Festival dieser Art bleibt ein Schmelztiegel schwer kalkulierbarer Zufälle, Probleme und Vorkommnisse“


Nach fünf vergangenen Jahren EVE ADAM AND wissen die Veranstalter, wie es sich anfühlt, ein Festival zu organiseren, das viel mehr ist, als nur Musik und Tanz. Mehr als nur eine einmalige Location und tolle Menschen. „Es ist erstmalig ein ganzer Tag, von dem man das ganze Jahr zehrt. Auf den mehr als eine kleine familiäre Gruppe hinfiebert. Den man sich zurückwünscht, wenn er vorbei ist“, sagen sie über ihr eigenes Open Air. Es sei eine Jahresration Liebe, Freundschaft, Gefühl und Hingabe, komprimiert in einem Tag purer Ekstase. „Und weil EVE ADAM AND auch im sechsten Jahr weiter langsam reift, werden wir mit der sechsten Ausgabe erneut mit Leidenschaft und Eifer die vergangenen Jahre übereifern“, kündigen die Veranstalter an und präsentieren mit Stehpan Bodzin und seinem dreistündigen DJ-Set schon das Highlight des Festivals. Stattfinden wird das Spektakel vom 6. bis zum 7. August in der schmucken thüringischen Wartburgstadt Eisenach. Wir sprachen vorab mit ihnen über das Festival und das Drumherum.

PS: Wir verlosen noch Freikarten für die diesjährige Ausgabe.

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trndmsk: EVE ADAM AND – wer soll dieser „AND“ eigentlich sein? 

EVE ADAM AND: Mal nicht die erste direkte Frage nach dem gesamten Namen. Korrekt interpretiert, bist du das „AND“ und alles, was wir an Deko, Ideen, Gimmicks, Specials und Line Up zusammenstellen. Jahr für Jahr und immer neu. 


Schwenken wir ins Seriöse um: Wie kamt Ihr auf den Festivalnamen? Und wer hatte überhaupt die Idee, ein Open Air ins Leben zu rufen?



Eigentlich ganz genau so, wie man sich das vorstellt: ein weißes Blatt Papier und dutzende Ideen, wie unsere Vorstellung einer Veranstaltung wohl heißen könnte. Dabei stand es damals im Fokus, einen Namen zu finden, der sowohl zur Idee passt, aber auch vieles offen ließ, um die Idee zu verfeinern und links und rechts über Jahre hinweg noch kleine andere Events und Aktionen umzusetzen. Zu Beginn hatten wir es nicht im Fokus, ein großes Open Air Festival daraus zu machen. Mein damaliger Chef und Ausbilder sagte immer: „Ein Konzept muss sich in einem Satz verkaufen können!“ 

Unser Ansatz war es, und ist es bis heute, eine zweimal im Jahr wiederkehrende Veranstaltung im thüringischen Eisenach zu gestalten. Sozusagen ein großes generationen-übergreifendes Get-together. 

Das ist uns gelungen, es stand aber nie von vorneherein fest, dass wir ein Open Air veranstalten. Wir planten eher damit, ein Sommerevent und ein Winterevent zu veranstalten. Nach ständiger Location-Suche im Raum Eisenach waren wir mehr oder weniger gezwungen, im öffentlichen Raum zu veranstalten – mit sehr viel Erfolg. Spätestens 2013 war damit EVE ADAM AND als Open Air Festival in unseren Köpfen als Saat gesät und keimte dort seither.

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Welche Philosophie verfolgt Ihr als Veranstalter?



Es gibt eine einfache Philosophie: gemeinsam mit Ehrgeiz, Spaß und dem finalen Ziel – dem Festival in all seiner Pracht. Der Erlös ist nicht unser Lohn, der zu 100 Prozent ausschließlich zurück in das Festival fließt – kein persönlicher finanzieller Profit aller Beteiligten -, sondern das Gesamtwerk aller Freunde, Helfer, Planer, Individualisten und Querdenker. Jahr für Jahr schreiben wir gedanklich in ein Buch voller Erlebnisse und Geschichten, die uns auch in 20 Jahren noch verbinden werden. Unsere Philosophie ist der emotionale Wert des Festivals, der uns stets auf ein Neues begeistert.

In diesem Jahr findet die sechste Ausgabe des Festivals statt. Welche Erfahrungen nehmt Ihr mit? Aus welchen Fehlern habt Ihr aus der Vergangenheit gelernt, und was möchtet Ihr noch verbessern?

Es gibt viele Baustellen, an denen wir versuchen, jedes Jahr zu arbeiten. Sicherlich werden in diesem Jahr Hauptaugenmerke in Einlasslogistik, in Logistik im Allgemeinen, sowie die Infrastruktur im Hintergrund ausgebaut. 

Außerdem gibt es über 24 Stunden auf zwei Floors, mit Kreativmarkt und Foodcourt, sowie vielen kleinen Überraschungen mehr zu erleben, als es das in den vergangenen Jahren gab. 


Wie verliefen die letzten fünf Jahre für Euch?


Wie man es sich nicht vorstellt (lacht)! Wir hatten alles, von traumhaften und herzzerreißenden Höhepunkten, bis hin zu herben Niederschlägen. Ein Festival dieser Art bleibt ein Schmelztiegel schwer kalkulierbarer Zufälle, Probleme und Vorkommnisse. Aber vielleicht macht uns dies auch genau zu dem, was wir in Mitteldeutschland bzw. Thüringen sind? Die Mutigen, die aus effektiven Problemlösungen und einem Miteinander, immer neuen Mut schöpfen. So haben wir viele Erfahrungen hinzu gewonnen und bauen auf diesen immer wieder auf. Es ist eben ein Prozess, und da gehört die volle Ladung Emotionen dazu. 


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Oft bekommt man als Festivalveranstalter zu hören, dass ein Open Air erst nach ein paar Jahren rentabel sei. Stimmt Ihr dem zu? Wenn ja, was sind die Gründe dafür?


Natürlich, das ist ganz einfach so und lässt sich auch eben kurzerhand erklären. Eine Open Air-Veranstaltung unserer Art ist eine ausschließlich temporäre Veranstaltung, irgendwo ins naturell ostdeutsche Nirgendwo gebaut. Das haben grundsätzlich fast noch alle Open Airs gemeinsam, aber dann trennt sich die Spreu vom Weizen. Denn dann gibt es zwei Optionen: 

1. Ich miete, Bühne to go, Bierwagen to go, fülle meine Bühne mit einem Programm, das massiv in eine große Zielgruppe stößt, biete das Ticket für 100,- € an und bastel noch ein schönes Image drum herum. Um mit Jan Böhmermanns Worten zu sprechen: „Das kann man so machen, ist halt aber eigentlich einfach nur scheiße.“ Aber es ist, garantiert auch im ersten Jahr rentabel. 

2. Oder ich lebe die Idee in meinem Kopf, finde Gleichgesinnte und arbeite Jahr für Jahr an einer Umsetzung eines Festivals, die Authentizität ausstrahlt. Ein Open Air, das ein Gefühl transportiert, mit individuellem Charme, einem Publikum, das nicht nur passiv konsumiert, sondern ein Teil der Veranstaltung wird. Verwende natürliche Materialien, schütze die Natur in allen Positionen, insofern möglich, und biete es dann noch zu einem fairen Preis an. Dann hast du eine Open Air-Veranstaltung, die erst nach Jahren rentabel wird. 

Ein Studium als Diplom-Eventmanager und Projekte für große Kunden konnten nicht ersetzen, was EVE ADAM AND für mich bzw. uns bedeutet. 




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Wie hat sich die Szene in Eisenach in den vergangenen Jahren entwickelt?



Eisenach ist eine Kleinstadt im Thüringer Wald mit knapp 40 000 Einwohnern. „Szene“ ist hier sicher das falsche Wort. Aber es gibt natürlich auch in Eisenach viele Liebhaber und frisch Begeisterte. So können wir jedes Jahr ein Publikum mit jüngsten Besuchern, aber auch rüstige Rentner mit Enkeln oder Familie begrüßen. Darüber hinaus pilgern unsere Gäste mittlerweile aus der gesamten Republik nach Eisenach. Schön, wenn wir das in den nächsten Jahren noch ein bisschen ausbauen können. Wirklich stolz macht es uns aber, dass wir gemeinsam mit den anderen Veranstaltern aus der Region wachsen, egal ob Electronic Greene, das Bayou, die Sommernachtsmelodie oder die Muna Open Airs. So kann sich die Szene in Mitteldeutschland auf jeden Fall sehen lassen. 



Über welche Acts darf man sich in diesem Jahr freuen? Wie kam das Line Up, so wie es jetzt steht, zusammen?

Stephan Bodzin, Jan Blomqvist & Band, Daniel Stefanik und Ruede Hagelstein sind nur die I-Tüpfelchen unseres Programms. Wir geben uns jedes Jahr Mühe, über 24 Stunden hinweg, einem durchdachten musikalischen Leitfaden zu folgen. Dabei starten wir in den Tag mit live gespielten groovigen Tönen, über die smoothen Sonnenuntergangs-Sets, die Höhepunkte gegen Mitternacht und die Closing-Sets am frühen Morgen bis in den Mittag hinein. Erstmalig auf zwei Floors, so haben unsere Resident-Artists (Justin Cowley, Florian Seifert, Erik S, Steffen R, SCHAEFER & SØN uvm.), die uns seit Jahren begleiten, nun auch einmal die Chance, zu Peaktime-Momenten den Takt anzugeben. Aber auch Talente aus anderen Ecken der Republik ergänzen unsere Vielfalt im Thüringer Wald, wie z. B. die Wahl-Berliner Greenville Massive (live), aber auch Davidé und Spanks sind Gäste aus Hamburg und Berlin mit Historie. Das hat Tradition und werden wir uns auch immer beibehalten.

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Das Interview führte Benjamin Reibert.