Die Schlacht von Odonien: Moses Mehdi debütiert mit der epischen „Xerxes“ EP


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Vor ziemlich genau 2481 Jahren starb der altpersische Großkönig und ägyptische Pharaoh Xerxes I. So viel ist sicher. Darüber hinaus herrscht heute jedoch Unklarheit über den legendären Despoten. In heutigen Geschichtsbüchern beeindruckt wohl am meisten die Sage um die Seeschlacht von Salamis, in der Xerxes 100.000, bzw. 200.000, bzw. 2.000.000 Soldaten gegen die Griechen angeführt haben soll und letztendlich dennoch verlor. Im Nachhinein zweifelten Historiker an der scheinbar willkürlich einsetzbaren Zahl, aber jede noch so geartete Unwahrheit tat seinem Legenden-Status bis heute keinen Abbruch. Insbesondere die Pop-Kultur hat den Xerxes-Mythos für sich vereinnahmt – und zwar ohne Rücksicht auf Verluste. Schon der Komponist Georg Friedrich Händel erweckte Xerxes in seiner 1738 uraufgeführten Oper „Serse“ zu einem Leben auf der Bühne, das sicherlich mit mehr als nur biografischer Wahrheit ausgeschmückt war. Schön war das Stück aber allemal. Unvergessen ist sicherlich auch Zack Snyders Hollywood-Blockbuster „300“. Doch auch beim Anblick dieser Leinwand-Schlacht sollte sich der Zuschauer wohl eher am audiovisuellen Exzess, statt an der entlarvten Wahrheit ergötzen.

Moses Mehdi und das Xerxes-Epos

Angesichts dieser augenscheinlichen Disparität zwischen Geschichte und Rezeptionsgeschichte in den letzten Jahrhunderten ist sicherlich nicht verwunderlich, dass das Xerxes-Epos jetzt auch in epischer Tanzmusik Verwendung findet. Damit hat sich auch der Kölner DJ und Produzent Moses Mehdi in die Annalen der Xerxes-Interpreten eingeschrieben. Das jetzige Teilzeit-Beatkind releaste am 18. Juli 2016 seine Solo-Debüt-EP mit dem sinnfälligen Namen „Xerxes“ auf Bunny Tiger Dubs. Auch als Rave-König schlägt sich Xerxes hier jedenfalls hervorragend. Die auf dieser EP aufgestellte Armada ist bis in die letzten Reihen mit ausgeklügelten Dancefloor-Waffen ausgestattet und treibt im Gleichmaß unaufhörlich vorwärts. Der Sieg in dieser Schlacht, so viel sei euch versichert, geht an Xerxes. Warum diese Schlacht wohl als ‚Schlacht von Odonien‘ in die Geschichtsbücher eingehen wird, warum Moses Mehdi gerade diese Sage zum musikalischen Vorbild genommen hat und warum diese EP trotz alledem sein Plädoyer für Frieden und Eintracht ist, erklärte uns Moses Mehdi im Interview.

trndmsk: Jetzt, da du nach deiner Zeit bei Beatkind als Solo-Künstler unterwegs bist, würden wir dich gerne persönlich kennenlernen. Wer ist Moses Mehdi?

Moses Mehdi: Moses Mehdi ist ein DJ bzw. Produzent aus Köln. Ich liebe gute Musik, Kunst und Mode, gutes Essen und Menschen mit positiver Energie. Ich habe mit 14 Jahren angefangen Musik zu machen und in meiner Freizeit höre ich auch gerne Hip-Hop, Jazz und Soul.

Warum habt ihr das Duo Beatkind stillgelegt?

Stillgelegt ist der falsche Ausdruck. Beatkind gibt es nach wie vor, aber für uns war es nach so viel gemeinsamer Zeit einfach wichtig, unsere Erlebnisse und Inspirationen über die letzten drei Jahre in Solo-Projekte umzusetzen. Dieses Phänomen kommt bei den besten Bands der Welt vor und ist meiner Meinung nach nur gut für die persönliche und künstlerische Entwicklung. Wir nehmen uns also grade eine ‚kreative Pause‘ und sind nach wie vor gute Freunde, die sich immer unterstützen. Alle, die Beatkind gefeiert haben, werden auch meine Solo-Projekte mögen und vielleicht sogar bei dem einen oder anderen Track überrascht sein. It’s all love!

Der erste Track “Godonien” ist mit Sicherheit eine Hommage an den legendären Kölner Club Odonien, in dem du schon als Beatkind zum musikalischen Stammpersonal gehört hast. Wieso hast du dem Club diesen Track gewidmet? Repräsentiert der Sound dieses Tracks für dich das, was das Odonien ausmacht?

Dem Odonien verdanke ich unvergessliche Nächte. Die Energie und Atmosphäre im Club ist unvergleichlich. Ich kann jedem Techno-Liebhaber nur empfehlen diesen Ort anzupilgern. Also: GOdonien! Während der Produktion von „Godonien“ wollte ich, dass auch Menschen, die den Club noch nie live erlebt haben, die Atmosphäre fühlen können. Außerdem kann man in der ersten Silbe des Titels das Wort „God“ erkennen. Jeder Techno-DJ, der „Godonien“ ab fünf Uhr morgens bei voller Tanzfläche spielt, wird den Leuten das göttliche Gefühl geben, dass ihnen für den Abend die Welt gehört und ihnen Nichts und Niemand im Weg steht.

Deine Tracks sind rein strukturell typisch Techno. Warum hat diese musikalische Form, selbst während der aktuellen technoiden Inflation, immer noch nicht ausgedient? Inwiefern, glaubst du, schaffst du mit deinen Tracks trotzdem etwas Neues?

Techno ist zeitlose Musik. Natürlich ändern sich mit der Zeit Zyklen, Trends und die technischen Möglichkeiten, aber im Vordergrund steht immer, eine gute Zeit im Club zu haben. Meine Musik ist aber nicht nur straight-up Techno. Ich setze mir musikalisch keine Grenzen und habe auch schon Sachen produziert, die eher funky und sexy sind und in eine housige Richtung gehen. Vielleicht bekommt ihr bald was davon zu hören. Limits bei Musik finde ich uncool. Zum Beispiel arbeite ich gerade mit einem, meiner Meinung nach, der lyrischen Top Five deutscher Rapper – dessen Namen ich hier nicht erwähnen möchte – zusammen an Stücken, die eher in die poppige Richtung gehen. Musik zu machen und sie zu spielen macht mich einfach glücklich.

Was macht für dich den Reiz derartiger Musik aus? An dieser Stelle eine kurze Runde Kitsch-Tabu: Antworte, ohne Wörter wie “Gefühl”, “Klangreise” und “Ballern”.

Hammer Fragestellung! Generell finde ich, dass Musik eine universale Sprache ist. Menschen können sich gehen lassen und ganz einfach den Alltagsstress hinter sich lassen. Im Idealfall triggert gute Musik bestimmte Emotionen in einem, die durch das ganze Leben leiten. Den Reiz derartiger Musik macht aus, dass sie keine Barrieren kennt und überall verstanden und gefeiert werden kann.

Wie kommt’s zu dem Titel „Xerxes“? Was haben der ägyptische Pharao und du gemeinsam?

Meines Wissens war Xerxes Großkönig im Altpersischen Reich und hat auch als Pharao über Ägypten geherrscht. Also ist das Einzige, was wir gemeinsam haben, wohl unsere persischen Wurzeln. Im Hollywood-Film „300“ wird er als bösartiger, narzisstischer Herrscher dargestellt, woraufhin sich viele persischen Mitbürger und Gelehrte aufgeregt haben, weil sie die Darstellung von Xerxes‘ Persönlichkeit als falsch angesehen haben. Ich bin aber kein Experte in diesem Thema, alles was ich feiere, ist die epische Stimmung des Films. Diese Stimmung wollte ich in meiner EP mit einbringen.

Der Titel-Track “Xerxes” ist ziemlich episch aufgebaut und damit ein Track, dem man wohl zurecht das anerkennende Attribut “ballert” verleihen könnte. Was hattest du bei der Produktion im Sinn? War es dein Ziel, einen Dancefloor-Killer zu Erschaffen?

Ja! Genau das war mein Ziel. Punkt.

Was ist dein Konzept von Tanzmusik? Muss sie, deiner Meinung nach, mehr als ’nur‘ tanzbar sein oder rechtfertigt sie sich allein durch diesen Zweck?

Gerade in den heutigen Zeiten finde ich, dass elektronische Musik etwas Positives zu unserer Gesellschaft beiträgt. Wir gehen als gutes Beispiel voran, denn im Grunde geht es in unserer Szene und in unserer Musik doch nur um Love, Peace and Harmony. Tanzbare Musik versprüht positive Energie und Zusammenhalt. Genau das, was die Welt gerade gebrauchen kann!

Wer Love, Peace and Harmony für über eine satte Stunde am Stück empfinden möchte, der sollte mal den neusten Bunny Tiger Team Podcast von MOSES MEHDI konsumieren:

Ein Artikel von Vitus Bachhausen.