Record Bird – die Zukunft des Musikkonsums?


Es gibt solche und solche Apps. Solche, die nützlich sind, und solche, die nicht nützlich sind. Klingt doch eigentlich ganz einfach, oder? Ist es aber nicht. Leider erweisen sich allzu viele Apps als der letzteren Kategorie zugehörig. Ein Smartphone ist letztlich wie ein Wandschrank: rein kommt allerlei Verschiedenes. Fotoalben, eBooks, die Musiksammlung, und, und, und. Der Inhalt eines Wandschranks macht diesen zu einem Behälter der eigenen Persönlichkeit. Nicht zuletzt weil der Speicherplatz beschränkt ist, muss die Auswahl der Inhalte also sorgfältig getroffen werden.

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Der King aller Musiknerds?

Zu diesem Zweck können wir eine smarte Applikation empfehlen, die sich in dem Musikregal eures digitalen Wandschranks ganz ausgezeichnet machen würde: Record Bird. Unter dem Motto „NEVER MISS A BEAT“ verspricht die Wiener App-Schmiede Record Bird GmbH, dich zum „King aller Musiknerds“ zu machen. Record Bird, so der eigene Anspruch, informiert über Releases von über vier Millionen Musikern weltweit. Dazu gibt’s die Möglichkeit, bestehende Accounts in Facebook, Spotify und neuerdings auch Apple Music mit Record Bird zu verbinden. Gerade diejenigen User, die in eben solchen Netzwerken mit ihren Lieblingskünstlern bereits verbunden sind, sparen sich so aufwändiges manuelles Followen. Für Viele sind Facebook und Co. ohnehin so etwas wie ein Plattenladen, in dem die aktuellsten Waren angeboten werden. Im eigenen News Feed können User durch die Posts ihrer Lieblingsmusiker scrollen. Doch in den Präferenz-Spiralen der Algorithmen verlieren sich die wirklich wichtigen News wie die neusten Releases paradoxerweise immer wieder. Record Bird verspricht hier Abhilfe, indem die kuratierte Datenbank aus Likes ganz einfach synchronisiert wird. Schon kann es loslegen.

Ein Plattenladen der Zukunft

Record Bird ist wie ein Plattenladen der Zukunft – könnte man sagen. Dementsprechend haben wir es bisher mit Plattenläden der Vergangenheit zu tun gehabt. Die sollen damit keinesfalls als Anachronismen diskriminiert werden. Beide leisten etas fundamental Anderes. Soll heißen, Record Bird, als Plattenladen der Zukunft, ist voll von noch nicht existenten Platten, solchen eben, die erst zukünftig erscheinen werden. Auch wenn noch nicht existent, hier kann ganz nach Belieben in zukünftigen Releases gestöbert und in kürzliche Veröffentlichungen reingehört werden. Über Push-Nachrichten bekommt ihr am unmittelbarsten Bescheid. Sowas gibt’s nur im Neuland. Besonders praktisch: Dieser hübsch eingerichtete Plattenladen der Zukunft ist gut angebunden, denn er liegt direkt neben den Musik-Stuben von Spotify und Apple Music. Wer hier Zugang hat, kann über einen Hintereingang direkt weitergeleitet werden und die frische Platte per Tap kaufen oder als Stream direkt auflegen. Dass es diesen Hintereingang gibt, ist unbedingt erwähnenswert. Die direkte Weiterleitung von solchen Apps, in denen vornehmlich gestöbert wird, zu solchen, in denen gekauft und gehört wird, war bisher oft zu holprig. Im Falle von Record Bird klappt das jedenfalls einwandfrei. Die flüssige Nutzungserfahrung freut sicherlich auch den Verkäufer, vor allem aber den Kunden.

Eine aufgeklärte Konsum-Erfahrung ohne Widerstand

Record Bird macht Spaß. Fast wie das echte „Diggen“. Klar, die echte Plattenladen-Erfahrung kann die App nicht bieten. Statt zwischen den duftenden Wachsscheiben zu blättern, wird hier schwerelos geswipet und getoucht, bis die neue Platte spätestens nach Release im digitalen Wandschrank erscheint. Das ist sicherlich nichts für den romantisch-vernarrten Platten-Nostalgiker. Der begnügt sich währenddessen damit, die aus den Untiefen der Musikgeschichte ausgegrabenen Platten so stolz wie sorgsam in seinen 1960er-Jahre-Wandschrank einzuräumen.

Die Zukunft, das ist die digitale Avantgarde (ja, ein tatsächliches Milieu aus der Meinungsforschung). Meinungsforscher meinen, dass diese das neue Leitmilieu sei, dem auch alle anderen tendenziell folgen werden. Ganz in diesem Sinne weigern wir uns, innovative Apps wie Record Bird als unnötigen digitalen Firlefanz zu verstehen. Ganz im Gegenteil. Ist es nicht schön, dass die Konsumerfahrung von Musik neuerdings immer barrierefreier wird? Der Kulturkritiker Günther Anders sagte einmal (ganz der Frankfurter Schüler): „Wenn die Welt zu uns kommt, statt wir zu ihr, so sind wir nicht mehr ‚in der Welt‘, sondern ausschließlich deren schlaraffenlandartige Konsumenten.“ Waren wir denn jemals etwas anderes? Wir erinnern uns: Sogar Adam hat schon blind drauf los konsumiert. Der digitale Avantgardist aber kennt sich in seinem Garten Eden bestens aus. Nicht alles, was schön aussieht, sichmeckt auch. Und der digitale Avantgardist mag keine sauren Äpfel. Lasst uns doch einmal von der Zukunft träumen: Der digitale Avantgardist freut sich über die App Record Bird, als er sie im App Store entdeckt. Mit postmoderner Leichtigkeit pflegt er schon seit Jahren zwei Wandschränke gleichzeitig, einen analogen und einen digitalen. Andere bezeichnen ihnen deswegen als ‚Hipster‘. Aber er meint es wirklich so. Sowohl in der analogen als auch der digitalen Welt zelebriert er seine Individualität und schafft es gleichzeitig, seine Effektivität zu steigern. Nachdem der digitale Avantgardist seine Daten bereitwillig synchronisiert hat, browst er in den kürzlichen und kommenden Releases. Zum Beispiel trägt er sich die bald erscheinende DJ-Kicks von Daniel Avery in den Kalender ein. „Geil, das neue Album von Nicolas Jaar ist raus – Heureka!“, stellt er daraufhin vergnügt fest. Politisch soll es sein, hat er gehört. Genau sein Ding also. Ohne zu zögern tappt er auf den Stream-Button und wird in Millisekunden zu Apple Music weitergeleitet, wo er das Album erst in seine Musiksammlung einräumt und dann kurz durchskippt. Da steht es nun leuchtend im brillant-blauen Schein des Displays, das brandneue Album des Ausnahmemusikers! Bei nächster Gelegenheit, auf einer langen Bahnfahrt, hört der viel beschäftigte digitale Avantgardist dann mal intensiver rein. Und weil ihm gefällt, was er da so hört, bestellt er die Vinyl über Amazon Prime. Schon am nächsten Tag kommt der Briefträger mit der frohen Botschaft: „YA DIJIMOS NO PERO EL SI ESTA EN TODO“ reimt ihm das Albumcover dann aufgebracht entgegen. „Die Platte wird sich ausgezeichnet in meinem 1960-Jahre-Wandschrank machen“, entgegnet er zufrieden. Eine aufgeklärte Konsum-Erfahrung ohne Widerstand, der perfekte Flow. Schöne, neue Welt!

Record Bird ist für iOS gratis im App Store erhältlich.

Ein Artikel von Vitus Bachhausen.