„Durch mich durch, aus mir raus, rein in die Geräte“ – das Liveset von LUBØMIR vom Von Freunden für Freunde Festival


lubomir

„Elektro Uwe und Martin Saupe von Afterhour Sounds haben mich auf SoundCloud entdeckt und mein damaliges Set gefeatured“, erinnert sich LUBØMIR. Er sei recht berührt gewesen, da er bis dahin wenig Präsenz in sozialen Medien hatte. „Uwe hat einen Text zu meinem Set verfasst, zu dem ich mir dachte: „Meint der wirklich mich?“ Und irgendwann meinte er, ob ich nicht Lust hätte, beim Von Freunden für Freunde Festival auf der Himmelswiese zu spielen.“ Da musste er nur einmal fragen, denn LUBØMIR war sofort Feuer und Flamme. Bei seinem Liveset hat er am meisten Wert auf die Sounds gelegt: „Das ist für mich das wichtigste. Die müssen zusammenpassen und sich richtig anfühlen. Ich höre einfach auf die innere Stimme, die mir sagt, wann etwas passt.“ Das zweitwichtigste sei der Aufbau: „Der ist bei mir allerdings nur grob umrissen.“ Da er lieber an neuen Tracks schraubt, anstatt die bestehenden zu üben, hörte er auf, zu versuchen, sich alles zu merken. „Die einzelnen Beats, Sounds, Samples und Effekteinstellungen habe ich mir auf einer sechsseitigen Liste notiert“, so der Musiker, „wie und wann welches Element kommt und geht, entscheide ich spontan auf der Bühne.“ Das funktioniere manchmal gut, manchmal gehe es in die Hose und er denkt sich dann: „Oh Mist, das groovt jetzt aber überhaupt nicht – egal, weitermachen!“

„Dann stand ich plötzlich auf der Himmelswiese“

Seit sechs Jahren wird das Mini-Festival veranstaltet und ist ein bisschen einen Mischung aus DJ-Camp, Podcaster-Treffen und Familien-Grillen. „Das Konzept ist ganz einfach“, erklärt Elektro Uwe, „wir stellen nur die Anlage, Location (Himmelswiese mitten im Wald), zwei Dixis und einen Grill, den gesamten Rest müssen die Gäste selbst mitbringen. Jeder überlegt sich, was er für den anderen Gutes tun könnte und somit entsteht immer etwas anderes. Musikalisch gebe ich mir viel Mühe Künstler aus ganz Europa zu uns zu locken und auch hier kommen alle Künstler ohne etwas dafür zu bekommen, nur der Musik zu liebe.“ Vor seinem Gig stand quasi überhaupt nichts fest: „Ausser der Zeit, die ich bis zum Gig zur Verfügung hatte. Wenn ich neue Tracks will, muss ich welche produzieren. Um überhaupt neue Sounds auf meine Geräte laden zu können, muss ich alte Sachen löschen. Meine Sampler haben teilweise nur 128 MB Speicherplatz. Das hat aber auch was befreiendes. Was nervt, kommt weg.“ Vor dem Gig hatte er sich mehrere Wochen im Studio vergraben und einfach wieder drauf los geschraubt. „Irgendwie lief es gut“, erinnert sich der Produzent und Liveact, „durch mich durch, aus mir raus, rein in die Geräte. Am Ende hatte ich genug Material.“ Wenige Tage vorher war er wieder mal so unter Zeitdruck, dass es gerade gereicht hat, die Tracks zu mischen und zu schauen, ob alles richtig notiert und eingestellt ist: „Dann stand ich plötzlich auf der Himmelswiese und habe das Set gespielt.“

Sehr genau auf die Finger geschaut

Die Stimmung während seines Auftritts hat er als sehr gut in Erinnerung: „Irgendwie fast etwas Boiler-Room-mässig. Die Aufmerksamkeit war eine aussergewöhnliche: Es gab viele musikinteressierte Menschen, die sich auch für die technische Seite dahinter zu interessieren schienen.“ Er stand gut sichtbar am Rande der Tanzfläche: „Man hat mir sehr genau auf die Finger geschaut, was ich da eigentlich mache und wie ich mich verrenken muss, um mit nur zwei Händen die Geräte zu bedienen.“ Einen Lieblingstrack im Set kann er nicht ausmachen: „Die einzelnen Tracks sind Nebensache. Es fliesst sowieso alles ineinander. Es geht mir darum, dass das Set als ganzes funktioniert – wie ein Album.“ Als nächstes stehen bei ihm wahrscheinlich ein paar Gigs in Zürich an: „Ich warte noch auf Daten und Zusagen – und mache einfach weiter Musik.“ Sein Ziel ist es, wieder mehr mit anderen Musikern zu arbeiten: „Die letzten Jahre wollte ich nur mein Ego-Projekt durchziehen, weil ich davor in Projekten immer wieder viele Kompromisse eingehen musste. Ich denke jedoch, ein Musiker braucht ein Ego- und ein Gemeinschaftsprojekt. Momentan bin ich einfach nur zufrieden damit, wie es sich entwickelt. Ich bin weiter gekommen, als ich dachte. Eigentlich könnte ich jetzt aufhören und was neues machen“, sagt der Musiker mit einem Lachen.