„Manchmal drängt die Musik einfach, released zu werden“ – Beck And Rius releasen auf Disguised Arts


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„Es ist bei uns oft so“, erklären Beck And Rius, „dass wir im Studio sitzen und einfach ein paar Chords einplanen. Man hat zwar eine ungefähre Vorstellung von einem Gefühl, einem Ort oder einer Story, die man erzählen möchte, aber die zugehörigen Klänge müssen erst noch erschaffen werden.“ Und manchmal ist es bei den beiden Musikern so, dass aus einer kleinen Chordfolge durch die Reduzierung auf einfache Noten etwas ganz Großes entsteht. So war es bei ihrer Nummer „Observatory“. „Der Track wuchs sogar durch erneutes Hören und hat uns immer besser gefallen“, so das Duo. Die Idee, den Track „Observatory“ zu nennen, kam bei ihnen erst später: „Man schließt die Augen und stellt sich etwas unter den Melodien und dem Sound allgemein vor. Das war in diesem Fall eine Beobachtung der Nacht – ein Observatorium des Nachthimmels.“ Auch bei „Journey“ war es so, dass zuerst der Track stand und sie etwas damit in Verbindung brachten. „Durch seine Vielseitigkeit und die abwechslungsreiche Geschichte, die er erzählt, war es eben wie eine Reise.“ Die Idee zur dritten Nummer, „Adam Sixteen“, kam vom Erlebten des Amsterdam Dance Festival. „Gleichzeitig eine schöne Melodie mit einem groovenden Bass zu verbinden, passte unserer Meinung perfekt zur Abrundung der EP.“

Tracks ohne Gesicht

„Manchmal drängt die Musik einfach, released zu werden“, erklärt das Produzenten-Gespann aus Hessen. „Sie muss einfach raus, an die Welt. Die Zeit war eben einfach gekommen, diese EP rauszubringen.“ Es sei heutzutage nicht einfach, auch für etablierte Artists, auf Labels Releases zu bekommen, finden die beiden.“ Jedenfalls dann, wenn man nicht grade auf einer Hypewelle schwimmt oder der hippste und angesagteste Typ ist. Auch ist es schwierig, wenn die Musik grade nicht dem aktuellen Szene-/Industrie-Denken entspricht und wie nach einem Produktions-Template mit einem Break, Build Up und der Standard Percussion aus einem Sample-Pack zusammengesetzt wurde.“ Daher haben sie sich entschieden, das Label-Experiment zu wagen und die Tracks ohne Gesicht, ohne Identifikationsperson zu releasen, um rein die Musik sprechen zu lassen. „Eben unvoreingenommen und nüchtern einfach die Sounds wirken zu lassen“, finden die frischgebackenen Labelgründer, „es geht momentan mit dem Personenkult (nicht nur in der Politik) in unserer Szene zu weit. Tracks werden teilweise nur noch wegen des (vermeintlichen) Produzenten gehypt und nicht mehr, weil es einfach gute Musik ist. Leider geht hierbei dann aber einiges an guter kreativer Musik unter oder sogar verloren. Da Labels kein Risiko mehr eingehen wollen und lieber die bekannten Gesichter und sozusagen die Sicherheit haben wollen, dass Artist X immer zieht, weil die Leute teilweise blind folgen.“

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„Wir sind auf die Unterstützung der Szene angewiesen“

Nach der ersten Katalognummer auf Disguised Arts sollen definitiv weitere Releases folgen. „Wir beobachten erstmal wie das erste ankommt, aber dennoch haben wir geplant, in ein paar Monaten das zweite Release zu veröffentlichen. Ehrlich gesagt haben wir noch einige Tracks, die sehr gut zu Disguised Arts passen und die wir auch gerne rausbringen würden. Wir sind jedoch auf die Unterstützung der Szene angewiesen.“ Daher hoffen sie, dass die Tracks, wenn sie gut gefallen, weiter verteilt werden, sodass sie dadurch ein positives Feedback für das Labelmodell und die Musik bekommen. Seiten wie Bandcamp oder Beatport spielen für sie momentan keine Rolle, „da leider Umsätze auch aufgrund von Streaming niemals unsere Kosten tragen werden“, so das Duo. „Deswegen freuen wir uns über jeden Share und Repost auf Facebook, SoundCloud, Twitter, Instagram – wo auch immer, unser Lohn ist es, wenn die Musik gehört und verbreitet wird.“

Mehr Informationen zum Label finden sich auf disguisedarts.com, SoundCloud und Facebook.

Tracklist:

01. Beck And Rius – Adam_Sixteen
02. Beck And Rius – Journey
03. Beck And Rius – Observatory