Der DJ als Entertainer – die Kolumne von Marc DePulse


Musik produzieren und damit Geld verdienen? Da muss man schon vieles richtig machen bzw. in einschlägigen Branchen (Filmmusik oder Schlager) aktiv sein. Natürlich spielt man als Musiker seine Monatsmiete heutzutage über die Auftritte ein. Aber auch hier hat man schnell die Grenzen erreicht. Denn einfach nur gut Auflegen reicht schon seit vielen Jahren nicht mehr aus. Der moderne Künstler ist ein Gesamtpaket aus Musikproduzent, Labelbetreiber, Veranstalter, Marketing-Profi, Blogger, Entertainer und, ach ja, DJ.

Der DJ als Entertainer - GRAFIK

Grafik: Daniel Gläser (ZOVV)

90 Prozent des Auftrittes passieren weit vorher. Denn da entscheidet sich, ob überhaupt jemand die Party besucht, auf der man spielt. Für die moderne Welt der sozialen Netzwerke ist man vor allem eins: ein Entertainer. Der Begriff hört sich vermutlich aufregender an, als er wirklich ist – denkt man doch sofort daran, wie man sich mit seltsamen Kostümen oder Masken auf der Bühne zum Affen macht oder mit dem Mikrofon in der Hand den Stimmungs-Steffen mimt.

Dabei geht es doch am Ende nur darum, wie man seine Fans richtig an die Hand nimmt und dafür muss man gar nicht als Entertainer geboren sein. Sei wie du bist, aber sei vor allem authentisch. Denn das Produkt, was du verkaufen möchtest, bist du als Künstler – mit deiner Musik, mit deiner Performance. Und es dient schließlich auch nur einem Zweck: du möchtest gebucht werden.

Entertainment beginnt im Netz

Diese Form des Entertainments passiert größtenteils außerhalb deiner Playtime, gehört quasi zur aktiven Vorbereitung deiner wöchentlichen Darbietungen. Schwimme mit dem Strom oder gehe unter. Wer sich der modernen Netzwerke nicht bedient, verschwindet schnell vom Bildschirm der Feierleute und damit auch vom Horizont derer, die Jahr für Jahr die wichtigen Line-Ups zusammenstellen.

Entertainment beginnt also vor allem im Netz. Dazu gehört, dass man sämtliche der von der jungen und auch älteren Generation genutzten Kanäle mit Inhalt füllt und sie sorgsam pflegt. Sei es mit neuen Releases, Podcasts, Tour-Fotos, Videos der letzten Gigs, Livestreams, Gewinnspielen, einem Tech-Talk, Lieblings-Tracks der Woche, Blogs, etc. Die Gedanken sind frei.

Wichtig ist auch, die Kanäle dabei auf das Wesentliche zu beschränken. Im Musiker-Dasein sollte das auch möglichst die Musik sein, die ein jeder macht. Mit anderen Worten: politische Grundsatzdiskussionen oder Familienfotos führen nicht dazu, dass man als Künstler wahrgenommen wird, sondern eher als Privatperson. Es hinterlässt sogar den Eindruck, als könnte man nur noch punkten, wenn man seine hübschen Kids zeigt. Oder DJanes: schön, dass ihr schön seid. Aber wollt ihr nur deswegen gebucht werden? Inhalte sind wichtiger als Make-Up. Zumindest wünsche ich mir das.

Natürlich kommt es gut und interessant rüber, wenn man Bilder von sich im Studio veröffentlicht oder kurz vor dem Wochenende ein Selfie aus der Plattensammlung online stellt. Dies aber in regelmäßigen Abständen zu wiederholen, kann schnell langweilen. Der König möchte schließlich amüsiert werden und jeder einzelne Fan ist quasi ein kleiner Like-König. Als Hofnarr ist man nur solange gut, solange man immer wieder abliefern kann. Ganz ohne Maske und Kostüm.

Beugt euch nicht zu sehr den Trends

Guter Inhalt ist eine Frage der Qualität, nicht der Quantität. Zuviel Interaktion kann überfluten, zu wenig davon lässt dich schnell in Vergessenheit geraten. Das Geheimnis ist die ständige Präsenz ohne das Gefühl zu verbreiten, dass man nervt. Im Handumdrehen stellt man fest, dass man längst zum Entertainer geworden ist, ohne dass man es überhaupt wollte.

Das Ergebnis dieser virtuellen Arbeit kennt jeder selbst: der Abend rückt heran, Freunde kommen zu Besuch, man leert ein paar Kaltgetränke und entscheidet dann frei nach Sektlaune, welche der 5 coolen Partys in der Stadt man heute besucht. Was früher einmal die Mundpropaganda war, sind heute Facebook, Instagram, SoundCloud oder Youtube. Wer dort als Künstler und Club bzw. Veranstalter gut aufgestellt ist, kann leichter überzeugen.

Entertainment hat auch Grenzen. Viele Clubs und Festivals gehen mit gutem Beispiel voran und verbieten Fotoaufnahmen bzw. wünschen generell keine Handynutzung – was ich persönlich sehr begrüße. So verlernt die Menschheit nicht ganz, das Geschehene im Kopf abzuspeichern und einfach mal zu genießen. Früher waren es Feuerzeuge, die eine Konzertatmosphäre besonders machten, heute Smartphones. Eine Entwicklung, die vermutlich niemandem gefällt.

Der Konsens aus allem bleibt trotzdem der Gleiche: Beugt euch nicht zu sehr den Trends, macht nicht immer jeden Mist mit, sondern stellt euer Tun und Schaffen in den Vordergrund. Nur wer sich selbst verwirklicht und dabei Grenzen überwindet, ruft sich dauerhaft ins Gedächtnis der Menschen. Kreativität auf allen Ebenen sollte man unabhängig von den sozialen Netzwerken immer leben, denn Kunst wird immer Kunst bleiben, egal was passiert. Innovation schlägt Imitat, Herz und Verstand finden ein gesundes Mittelmaß. Entertainment wie es schon immer war. Nur moderner.

Die Kolumne von Marc DePulse.