Ein Gitarren-Sample von einer alten Soul-Platte – Jakobin & Peletronic steuern Track zu „forTunea Cookies Vol. 2“ bei


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Das Wiener Label forTunea beendet das Jahr 2017 mit einer Ausgabe ihrer Reihe „forTunea Cookies“. Den Auftakt der Platte hat Labelgründer Klaus Benedek produziert: „Splattered“ ist ein typisch melancholischer Trip von ihm. Eine gehackte Hookline, stark Synths und ein Vocoder sind die Markenzeichen der Nummer. Lukas Poellauer liefert seine Interpretation von „Underground“-Housemusik mit Chicago- und UK-Einflüssen ab. Die B-Seite wird etwas würziger. Das Duo Jakobin & Peletronic serviert mit „Morning Glory“ ein sehr funkyhafte Nummer. Abgerundet wird das Release von „More Xtc“, kreiert von Schampus Ghost & Anemona. Das Stück bekam eine coole Disco-Tech-Atmosphäre verpasst. Die Veröffentlichung wurde von Patrick Pulsinger gemastered und ist auf 300 Stück limitiert.

„forTunea Cookies Vol. 2“ ist bereits im Vorverkauf via Deejay erhältlich. Ab dem 15. Dezember 2017 wird die Kollektion auch im digitalen Format auf Beatport veröffentlicht.

Jakobin & Peletronic

trndmsk: Klaus, wann hast du das Label gegründet? Und wie kam es dazu?

Klaus Benedek: Ich habe forTunea vor etwa dreieinhalb Jahren gegründet. Anfangs nur, um meine eigenen Stücke zu veröffentlichen, da ich die Warterei bei diversen Digitallabels satt hatte. Bis einmal ein Track oder eine EP erschien, vergingen nach Unterzeichnung der Verträge oftmals ein dreiviertel- bis sogar ein ganzes Jahr. Außerdem wollte ich schon immer mal eine Vinyl rausbringen. Daher nahm ich das dann selbst in die Hand, die „Still Daydreaming“ EP erblickte im Juni 2014 das Licht der Welt. Nach einer Weile bekam ich etliche Demos von lokalen Produzenten. Mittlerweile haben wir einen Roster von zehn talentierten KünstlerInnen – Jakobin & Peletronic sind zwei davon.

Welch passende Überleitung. Wie und wo ist „Morning Glory“ denn entstanden?

Peletronic: Er entstand, wie die meisten unserer Tunes, während einer Jamsession in Georgs (Jakobins) Homestudio. Wir versuchen bei diesen Jams, unsere Köpfe vom Alltäglichen frei zu bekommen und der Kreativität freien Lauf zu lassen. Als Basis gibt’s meist einen Impulsgeber, dieser kann ganz unterschiedlicher Herkunft sein. Bei „Morning Glory“ war es ein Gitarren-Sample von einer alten Soul-Platte. Dieser Impuls kann aber auch genauso ein aufgenommenes Geräusch oder eine kleine Impro auf dem Synth sein.

Wo habt Ihr Euch die Inspiration für das Stück geholt?

Peletronic: Wir stehen Beide auf 70er und 80er Disco. Das spiegelt sich ab und an auch in unseren Produktionen wider. Die Ästhetik und klangliche Qualität vieler Songs aus dieser Ära ist unglaublich. Man denkt klassischer Weise gleich an Jean-Marc Cerrone oder Giorgio Moroder, es gibt aber auch etliche andere Produzenten aus allen möglichen Ländern. Apropos, schonmal ägyptischen Disco gehört? Falls nein, dann checkt z. B. mal Al Massrieen. Wir lassen uns gerne von Disco inspirieren, rauszuhören ist das bei unseren Tracks dann aber meist eher auf subtiler Ebene. Bei „Morning Glory“ ist diese Referenz bislang am stärksten.

Wie kam der Kontakt zum Label zustande?

Jakobin: Wir haben Klaus über Social Media kennengelernt. Er buchte uns unabhängig voneinander für zwei seiner Veranstaltungen. Eine davon musste leider kurzfristig abgesagt werden, was jedoch blieb, ist der Kontakt und ein reger musikalischer Austausch. Unsere zweite Vinyl-EP hieß „Girlo“. Es war unser Debüt auf forTunea und auch gleichzeitig der Grundstein für die anhaltende Zusammenarbeit.

Klaus Benedek: Ich konnte damals einfach nicht glauben, dass diese Tracks nicht bei einem größeren Label gelandet sind. Predi (Peletronic) sagte mir einst, dass sowohl „Girlo“ als auch „The Ghetto Code“ schon einige Jahre auf dem Buckel hatten. Es wäre einfach zu schade gewesen, diese Stücke auf der Festplatte verstauben zu lassen.

Als Labels wie G-Stone, Grow und Cheap in den 2000er Jahren aufhörten, verschwand Wien quasi von der elektronischen Musiklandkarte. Uns Außenstehende würde es interessieren, wie dort derzeit der Stand der Dinge ist. Was könnt ihr darüber erzählen und weiterempfehlen, musikalisch als auch in punkto Locations?

Klaus Benedek: Da hat sich in den letzten acht Jahren Einiges getan. Labels wie zum Beispiel Affine, Luv Shack, Secret Crunch, Life Is For Living, Schönbrunner Perlen, Morbid, Sama Recordings und Yoshi sind am Puls der Zeit und brauchen sich auf dem internationalen Bankett nicht zu verstecken. Punkto Clubs kam, vor allem seitdem die Pratersauna zum ersten Mal eröffnete, ein regelrechter Boom. In den Anfängen der 2000er Jahre gab es nur drei- bis vier Locations, wo Techno oder House frequentiert gespielt wurde. Das war das Flex, die Fluc Wanne, der Camera Club als auch ein paar große Bookings im Volksgarten. Jahre später haben wir dann die Grelle Forelle und das (umgesiedelte) Werk in Spittelau dazu gewonnen. Es gibt viele nennenswerte kleinere Clubs wie das Celeste, das erst kürzlich eröffnete SUB, das Elektro Gönner oder das Sass. Klar, im Vergleich können sie aufgrund behördlicher Auflagen nicht so laut sein. Ich selbst habe aber in den letzten drei Jahren viel spaßigere Nächte in den kleineren Locations verbracht als in den Großen. Gerade dort haben viele talentierte Artists eine Homebase gefunden. Wien ist wieder auf der Karte!

Was steht nach der Veröffentlichung bei Euch, Jakobin & Peletronic, an?

Jakobin: Im Zuge der Veröffentlichung von forTunea Cookies Vol. 2 gab es am 9. Dezember im Rhiz (Wien) eine Releaseparty, die richtig gut besucht war. Neben allen Akteuren, die auf der Platte vertreten sind, haben auch Predi (Peletronic) und ich dort aufgelegt.

Peletronic: Ein weiterer Release von uns ist ebenfalls im Dezember geplant. Der Track heißt „Shut Up N Dance“ und wird auf einer Compilation des britischen Labels Hungarian Hot Wax rauskommen.

Arbeitet Ihr bereits an weiteren Projekten?

Jakobin: Da wir beide in unterschiedlichen Kollaborationen aktiv sind, ist es oft gar nicht so leicht Zeit freizuschaufeln. Wir versuchen aber, einmal pro Woche einen gemeinsamen Jam einzuplanen.

Klaus Benedek: Ja und für März, Mai bzw. Juli/ August stehen die nächsten Releases auf forTunea an. Dabei werden wir unser Artist-Roster erweitern. Ansonsten arbeite ich natürlich auch an einigen Produktionen. Wann und wo die erscheinen, ist aber noch unklar. Fix ist aber schon eine EP auf dem portugiesischen Label Colour In Music. Es wird aber wohl noch bis Anfang nächsten Jahres dauern bis die Remixe fertig sind.

Tracklist:

01. Klaus Benedek – Splattered
02. Lukas Poellauer – Underground
03. Jakobin & Peletronic – Morning Glory
04. Schampus Ghost & Anemona – More Xtc