Furchtloser durchs Leben – die Vorgeschichte zu Stephan Hinz‘ neue EP „Cosmic Collision“


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Stephan Hinz hat eine neue EP am Start: „Cosmic Collison“. Der 3-Tracker wird auf dem Imprint Mood Records am 25. Mai 2018 erscheinen, dem Label von Nicole Moudaber. Neben den drei Originalen umfasst das Release zwei Remixe, die von Jay Clarkes angefertigt wurden. Die Nummer „Cosmic Collision“ beeindruckt durch seinen schnurrenden Bass, „Conspiracies“ setzt auf ein Geflecht aus eisigen Atmosphären, während „Fearless“ mit kraftvollen Synth-Hooks und perkussiven Beats daherkommt. Wir sprachen mit dem Musiker über die Veröffentlichung.

Erhältlich ist die EP via Beatport.

trndmsk: Was hat dich inspiriert, diese EP zu produzieren?

Stephan Hinz: Sowohl „Conspiracies“ (engl. Verschwörungen) als auch „Fearless“ (engl. furchtlos) sind ursprünglich im Kontext meines Albums entstanden, das sehr stark durch den Moment, in dem ich es geschrieben habe, beeinflusst wurde. Das war Anfang 2017, Trump wurde gerade amerikanischer Präsident, in der Türkei hat Erdogan quasi eine Diktatur errichtet, hier in Deutschland hat die AfD immer mehr Fuss gefasst und es war insgesamt eine Zeit, in der ich mich sehr stark damit auseinandergesetzt habe, was sich gerade in der Welt verändert und was das mit uns anstellt. Es macht offenbar vielen Menschen Angst menschlich zu sein und Menschen aufzunehmen und zu helfen, die auf der Flucht vor einem nun sieben Jahren andauernden Bürgerkrieg sind. Wir werden immer neidischer auf unsere Mitmenschen und gönnen anderen ihre Erfolge oder ihren Wohlstand nur noch, wenn es uns selbst trotzdem noch ein kleines bißchen geiler geht als den anderen. Man redet uns ein, dass man den Medien nur noch trauen kann, wenn diese genau unsere Meinung und unser Weltbild widerkauen. Jeden Abend gibt’s zig Diskussionsrunden im Fernsehen, nur diskutiert wird schon lange nicht mehr, weil wir uns einfach nicht mehr zuhören. Sowohl gegenseitig als auch uns selbst. Irgendwie haben wir immer die Deutungshoheit gepachtet, und was wissen die anderen schon. Außerdem ist das alles ja eh eine große Verschwörung, was da abläuft – und wer weiß, vielleicht ist das ja auch so.

„Cosmic Collision“ versucht den Bogen zu spannen, in dem ich sage, vielleicht ist das alles nur Quatsch und es spielt gar keine Rolle, ob das alles eine große Verschwörung ist oder wir einfach furchtloser durchs Leben gehen sollten, weil einfach gerade irgendwo im Universum ein Sack Reis umfällt.

Abgerundet wird das Release durch zwei wunderbare Remixe von Jay Clarke. Wir haben uns vor einiger Zeit bei einem Gig kennengelernt, und ich bin ein großer Fan seiner Musik und habe mich sehr gefreut, dass er mit dabei ist und gleich zwei killer Versionen von „Cosmic Collision“ gemacht hat.

Das Album habe ich am Ende nicht veröffentlicht, weil sich kein Rahmen finden ließ, in dem sowohl ein mögliches Label als auch ich glücklich gewesen wäre. Ein reines Club-Album wollte ich nicht machen, weil ich mich an keine Handvoll erinnern kann, wo das mal für mich funktioniert hätte und nicht wahnsinnig langweilig war. Deswegen habe ich klar einen Listening-Ansatz verfolgt, und ich war sehr glücklich mit dem Ergebnis. Leider haben die Labels, die ich dafür spannend gefunden hätte, die Idee zum Teil nicht verstanden oder sie haben sie nicht geteilt. Das ist auch völlig in Ordnung so und kann man keinem Vorwerfen. Es ist immer leicht, mehr Mut zu fordern, wenn man am Ende die Rechnung nicht selbst bezahlen muss. Vielleicht wars auch einfach nicht gut. Insgesamt darf ich mich auf jeden Fall sehr glücklich schätzen, mit Labels arbeiten zu dürfen, die eigentlich fast immer meine musikalische Vision teilen und mich darin bestärken. Da darf man sich auch mal nicht einig sein. Aber natürlich ist so ein Album etwas sehr persönliches, und ich wollte mir die Idee weder verwässern lassen, noch sie jemandem anbieten, den ich nicht kenne und dem ich nicht vertraue. Und dann ist es besser, es nicht zu machen, anstatt es um jeden Preis rauszuhauen, nur weil man nun mal Zeit und Energie reingesteckt hat. Umso schöner ist es, dass ich nun einen Rahmen gefunden habe, in dem zumindest ein kleiner Teil des Albums doch noch rauskommt. Für den Rest finde ich auch noch einen Weg.

Eine sehr interessante Vorgeschichte. Man merkt, dass Du Dir sehr viele Gedanken machst. Wo hast Du die Tracks aufgenommen?

Die Stücke sind alle in meinem Studio in den Riverside Studios Berlin entstanden. Bei den Stücken habe ich viel mit Native Instruments Reaktor experimentiert. Einer meiner Studiokollegen, Tobi Neumann, hat ein tolles und echt riesiges Modular-System und ich finde den Ansatz sehr, sehr spannend, weil man sich so selbst einfache Sounds erst erarbeiten muss. Das kostet so einfach mehr Zeit als mit irgendeinem Plugin und es mag sich vielleicht erst Mal schräg anhören, aber ich nehme oft Dinge, die ganz schnell entstanden sind, nicht so richtig ernst, weil sie eben so schnell entstanden sind. Das Problem besteht bei nem Modular-System nicht, weil da muss man einfach mehr Zeit mitbringen und man muss den Sound quasi im wörtlichen Sinne in die Hand nehmen, um ihn zu kreieren. Das führt bei mir dazu, dass ein Element eine höhere Wertigkeit bekommt, weil ich mich letztlich bewusster damit beschäftigt habe. Mit Reaktor kann ich all das erst Mal ausprobieren und checken, ob ich den Ansatz länger mag als nur für den Moment bevor ich viel Geld für ein Modular-System ausgebe. Ich bin halt Schwabe (lacht).

Wie bist Du mit dem Label von Nicole Moudaber in Kontakt gekommen?

Ich habe Ende 2016 schon mal ein Release auf Nicole Moudabers Label Mood Records gemacht. Der Kontakt war also schon da, und nachdem das erste Release gut gelaufen ist, war klar, dass wir irgendwann gerne wieder was zusammen machen möchten. Manchmal verfliegt die Zeit einfach so schnell, dass dann plötzlich eineinhalb Jahre ins Land schießen, bis das nächste Release steht.

Und was steht nach dem Release bei Dir an?

Zu aller erst freue ich mich gerade auf die Geburt meines Sohnes. Es kann jetzt jeden Tag soweit sein. Und nach der Erfahrung mit dem Album habe ich beschlossen, Ende des Jahres mein eigenes Label zu gründen. Da kann ich dann machen, was ich möchte – zumindest solange ich mir es leisten kann (lacht). Außerdem sitze ich gerade an einem sehr, sehr spannenden Remix. Die Anfrage hat mich völlig aus den Schuhen gehauen, weil sie von einem meiner allerliebsten Komponisten überhaupt kommt und zumindest aus meiner Sicht einem Ritterschlag gleichkommt. Leider kann ich noch nicht erzählen, um wen es sich handelt. Und natürlich ist generell nach der EP vor der EP.

Tracklist:

01. Stephan Hinz – Cosmic Collision
02. Stephan Hinz – Cosmic Collision (Jay Clarkes Galactic Groove Remix)
03. Stephan Hinz – Cosmic Collision (Jay Clarkes 5am Saint Remix)
04. Stephan Hinz – Conspiracies
05. Stephan Hinz – Fearless