Die Knöpfchendrücker vom Dienst – die Kolumne von Marc DePulse | trndmusik

Die Knöpfchendrücker vom Dienst – die Kolumne von Marc DePulse


Es ist über zig Jahre her, als Bebetta, Nico Pusch und Einmusik als DJs bzw. Live-Act zum Regensburger Bürgerfest eingeladen wurden. Vom dortigen Kulturreferenten wurden sie danach in der lokalen Presse als „Knöpfchendrücker“ bezeichnet. Doch warum? Der handgemachte Live-Gedanke wurde nicht erfüllt und die Bühnen der „echten“ Bands blieben weitgehend leer, während die versammelte Meute den elektronischen Klangkünstlern zujubelte. Nun, das passiert in der Regel, wenn man sich einschlägige Szene-Lieblinge auf die Bühne stellt.

Die Knöpfchendrücker vom Dienst

Grafik: Daniel Gläser (ZOVV)

Hip ist was „hype“ ist und so geht auch die Musikkultur mit der schönen neuen Zeit. Man sollte sich von dem Gedanken lösen, dass Live-Musik nicht von Tonträgern kommen darf, auch wenn sich der Liebhaber klassischer Instrumente damit nur schwer anfreunden mag. Elektronische Musik erfreut sich anno 20xx einer zuvor nie dagewesenen Beliebtheit und auch die Klangkunst der früheren Schallplattenunterhalter lässt sich heute nur noch schwer zwischen Konserve und Live-Entertainment unterscheiden. Die Grenzen sind fließend. Das weiß jeder, der entweder 7% (künstlerische Eigendarbietung) oder 19% Mwst. (Dienstleistung, das Abspielen von Tonträgern) beim Finanzamt abrechnet. Dank moderner Geräte könnte man jedes DJ-Set im Handumdrehen als einzigartige Live-Darbietung definieren. Ergo: ein moderner DJ ist auch ein Künstler, nur auf das „wie“ kommt es an.

Der Weg der Evolution von analog auf digital

Was nützt ein Live-Act mit einer Bühne voller Geräte, wenn seine Staubsaugermusik allenfalls kollektives Einschlafen fördert? Es ist allemal ein Hingucker für die Nerds. Doch natürlich soll die Musik lieber in Klang, Fülle und Variation begeistern und die Hörer bestenfalls zum tanzen, feiern oder träumen animieren. Es geht schließlich in erster Linie darum, gemeinsam eine schöne Zeit zu haben. Musik ist zwar Geschmackssache, aber sie verbindet – egal ob sie aus der Dose kommt oder handgemacht ist.

Nur wer hat es im vorliegenden Fall definiert, was „live“ ist und was nicht? Es ist die beinahe mittelalterliche Denkweise, die mit manch betagter Behörde einher geht. Wer z. B. schon einmal seine Urheberrechte bei der GEMA geltend machen wollte, weiß, welchen hoch wissenschaftlichen Wisch man ausfüllen darf. Bezeichnungen aus klassischer Musik (so wie ich sie noch aus meiner Schulzeit kenne) sind für neumodische „Unterhaltungsmusik“ keineswegs zeitgemäß, geschweige denn überhaupt relevant.

Es sind jene Verwaltungen, die damals Jahre nach dem Durchbruch der PC-Technologie immer noch mit Karteikarten gearbeitet haben, weil sie der modernen Entwicklung nicht trauen wollten, frei nach dem „Was der Bauer nicht kennt“-Prinzip. Es ist das Nostalgie-Denken derer, die heute ein Smartphone in der Hand halten und sich die Frage gefallen lassen müssen, warum sie zum Telefonieren nicht ganz klassisch an die Telefonzelle gehen. Die, die immer jammern, dass früher alles besser war, aber auf die Einparkhilfe ihres SUVs nicht mehr verzichten wollen. Jene Herrschaften, die zuletzt in ihrer Jugend eine Disko-ähnliche Veranstaltung besucht haben und vermuten, dass der DJ mit Fliege, Hemd und Bügelfalte den sprichwörtlichen „Riemen auf die Orgel“ haut, die Songs anmoderiert, während die Besucher artig an ihrer Brause nippen und sich nur für etwaige Klatschpausen von ihren Konzerthockern erheben.

Man wird sich daran gewöhnen müssen, dass der einstige Schallplattenunterhalter den Weg der Evolution von analog auf digital gegangen ist, genauso wie sich auch das Feiervolk entsprechend weiterentwickelt hat. Und wenn man bereit ist, Kultur von diesem Gesichtspunkt aus zu betrachten, öffnen sich viele neue Türen. Vor allem wenn man bei jenen Feierlichkeiten auch weiterhin jung und alt zusammen bringen möchte.

So, genügend Knöpfchen für heute gedrückt. Den nächsten Blog schreibe ich wieder mit Füllfederhalter und Tinte.

Die Kolumne von Marc DePulse.