Die Bandbreite Berlins – Radikon bringt mit „Reto“ die erste Compilation raus


Reto 1 - Rahmen

Das Label Radikon bringt seine erste Compilation raus, die die gesamte Bandbreite an Künstlern aus Berlin präsentiert. „Reto“ ist eine Kollektion aus sieben Tracks der wichtigsten Künstler des Imprints und kommt mit einer subtilen Atmosphäre daher. Das Münchner Duo Yubik startet die Compilation mit einem Groover, der auf dem Dancefloor für Chaos sorgen wird. Dahus „Primordial“ ist dagegen ursprünglich und deep. Die Nummer „Realism“ ist ein Beweis für die melodische Handwerkskunst des Tony Casanova. Ein verspieltes Orchester aus Synths, Pads und LFOs zeigt eine fein erarbeitete melodische Struktur. Radikon-Mitbegründer Jonas Saalbach steuert mit „Edgework“ ein Stück bei, das auf verstimmte Synthies und einen elegant gestalteten Groove setzt. Foreign Guest verleiht „Reto“ mit „Catch the 101“ seinen charakteristischen Touch. Dagegen ist Budakids „Amalia“ eine hypnotische Angelegenheit geworden. Abgerundet wird die Compilation durch Radikon-Mitbegründer Guzys „Doloro“. Der Track ruft mit zart gewebten Pads und Synthies Gefühle vergangener Tage hervor.

trndmsk: Jonas, woher kam die Idee für deine Nummer? Wo hast Du Dir die Inspiration geholt?

Jonas Saalbach: Ich bin mit einem mir selbst auferlegten Plan, an die Produktion von „Edgework“ rangegangen. Manchmal kann so etwas ganz hilfreich sein, wenn man in eine bestimmte Richtung produzieren möchte. Groovige Drums, eine Mischung aus Tom- und Sub-Bassline, ein Pad und ein Lead-Synthie wollte ich für diesen Track einsetzten. An mein Vorhaben habe ich mich auch weitestgehend gehalten und bin zufrieden mit dem Ergebnis. Grundsätzlich können mich verschiedene Aspekte inspirieren. Bei „Edgework“ war es ein neuer Synthesizer, den ich mir damals gekauft hatte und mit dem ich dann die Lead-Melodie geschrieben habe. Ausproduziert habe ich den Song wie immer in meinem Studio im Berliner Funkhaus. Auch wenn ich viel unterwegs vorbereite, ist mein Studio immer die letzte Instanz.
 
David, wie kam es dazu, dass ihr ein neues Label gründet?

Guzy: Es ist schön, eine Plattform zu haben, auf der wir selbstbestimmend arbeiten können – ohne z. B. Demos versenden zu müssen, um einen Song dann möglicherweise erst ein Jahr später rauszubringen. Diese Unabhängigkeit ist uns sehr wichtig und so gestalten wir das Projekt mit Freunden, denn wir verbringen generell gerne Zeit zusammen, tauschen uns aus und haben stellenweise schon zusammen Musik gemacht. Diese ganzen Aspekte zu vereinen, ist uns eine Herzensangelegenheit. Die Möglichkeit, selbst in jegliche Bereiche einer Veröffentlichung und das ganze Drumherum von Social Media bis hin zum Artwork eingreifen zu können, um ein Gefühl zu kreieren und dieses nach außen zu tragen, ist der Grund, warum wir Radikon gegründet haben.
 
Wie kamt ihr auf den Namen?

Guzy: Jonas und ich saßen auf einer Bank in einem Wald, neben uns eine Quelle. Dort haben wir frisches Wasser gezapft, ein Glas Wein getrunken und gebrainstormt, kreuz und quer gedacht. Wir haben uns Fantasiewörter ausgedacht und vieles in verschiedene Sprachen übersetzt. Hängen geblieben sind wir bei Radikon, was auf Esperanto soviel wie Wurzel heißt. Esperanto ist in keinem Land eine Amtssprache, sondern aus verschiedenen Sprachen zusammengesetzt und sollte einst als Weltsprache dienen. Es geht also um Kommunikation und auch unsere Musik, unser Label dient als Plattform zur nonverbalen Kommunikation. Freundschaft in der Gruppe ist die sinnbildliche Wurzel des ganzen Projektes. Zudem mögen wir es stimmungsmäßig auch sehr natürlich und organisch, womit der Name Radikon für uns unumgänglich wurde.

Wie seid ihr beim ersten Release vorgegangen? Wie wurden die Tracks ausgewählt?

Jonas Saalbach: Zuerst einmal musste geklärt werden, wer fester Bestandteil von Radikon ist. Unser Konzept sieht also vor, dass wir erst einmal in dieser Gruppe von sieben Produzenten plus Maler und Grafiker bleiben. Alle Beteiligte sind untereinander persönlich befreundet. Wir haben in der Gruppe versucht, unseren Sound zu definieren und Überschneidungsmerkmale herausgearbeitet. So ist das erste Release entstanden und kommt als Compilation mit dem Titel „Reto I“ am 23. November raus. Wir repräsentieren auf dem ersten Release jeden Artist und stellen somit die gesamte Gruppierung vor. Zeitgleich haben wir intensiv mit unserem Künstler Simon Kneip, der für die Artworks zuständig ist, kommuniziert, um auch hier die passende Atmosphäre für unsere erste Veröffentlichung zu erzeugen. Simon malt mit Acryl auf Leinwand. Für uns ist das Design genauso wichtig wie die Musik.

Was steht danach an?

Jonas Saalbach: Nach der „Reto I“-Compilation folgen Solo EPs der einzelnen Künstler. Wir starten mit zwei Originalen von Dahu und einem Remix von Foreign Guest. Januar 2019 geht’s los. Neben den Solo-EPs lassen wir aber Freiraum für weitere Ideen, denn das ist Teil des Konzepts und großer Vorteil eines eigenen Labels.

Tracklist:

01. Yubik – Eprect
02. Dahu – Primordial
03. Tony Casanova – Realism
04. Jonas Saalbach – Edgework
05. Foreign Guest – Catch The 101
06. Budakid – Amalia
07. Guzy – Doloro