Fernanda Martins: „Ich mixe am liebsten dynamische Tunes, mit denen ich frei und kreativ arbeiten kann“


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Fernanda Martins gehört zweifelsfrei zu den weltweit führenden Techno-Acts. Unterwegs in der ganzen Welt auf allen Kontinenten steht sie für einen treibenden und intensiven Techno. Diesen unverkennbaren Sound und ihre Liebe zum Techno stehen auch hinter ihrem Label Devotion Records, welches aktuell bei Resident Advisor als meist gechartetes Label neben Ostgut Ton und Get Physical platziert ist. Auch in den nächsten Monaten verschlägt es Fernanda Martins nach Deutschland in Clubs und auf Festivals. Zeit, mir ihr zu sprechen.

trndmsk: Fernanda, lass uns zu Anfang erst einmal über Barcelona plaudern, wo du schon seit einigen Jahren lebst. Was ist deine Nightlife-Empfehlung und welches Restaurant sollte man auf jeden Fall besucht haben?

Fernanda Martins: Barcelona ist immer eine Reise wert und dort zu leben erst recht. Man kann hier so viel unternehmen und das Nachtleben hat für wirklich jeden etwas zu bieten. Ich persönlich empfehle Input, Razzmatazz, City Hall oder den Moog Club. Ich bin Vegetarierin und glücklicherweise gibt es hier zahlreiche Optionen, aus denen ich wählen kann. Ich empfehle: Rasoterra, Gree Spot und Terresa Carles.

In Barcelona findet ja auch jedes Jahr das Sonar statt. Wie wichtig sind solche Events für dich, um dich mit anderen Künstlern, Labels und Leuten aus der Szene auszutauschen?

Ja, neben allem anderen, was Barcelona zu bieten hat, haben wir hier natürlich auch noch das Sonar Festival mit seinen vielen mit ihm einhergehenden Begleit-Events. Eine tolle Zeit, um in Barcelona zu sein. Hier haben wir die Gelegenheit, die verschiedensten Musik-Konzepte und Künstler kennenzulernen, mit Kollegen und Partnern aus der ganzen Welt eine tolle Zeit zu haben, Erfahrungen auszutauschen und natürlich neue Geschäftsbeziehungen und Kollaborationen zu gründen.

Wenn du nicht gerade in Spanien bist, bist du fast ständig on tour. Welche Länder und Städte magst du besonders?

Da gibt es so viele! Lissabon und Porto, viele Städte in Deutschland, Slovenien und Kroatien, Prag und Brünn, Neapel, Amsterdam, Sofia, Bogota, Sao Paulo.

Es scheint, als ob du die verschiedensten Arten von Techno magst. Wo fängt Techno für dich an und wo hört er auf? Oder hältst du gar nichts von solchen Eingrenzungen?

Das stimmt, ich mag die verschiedensten Techno-Genres. Wobei ich hier auch klar unterscheide zwischen dem, was ich höre, und dem, was ich tatsächlich spiele. Nicht alles, was ich mir gerne anhöre, landet am Ende in meinen Sets. Auch wenn ich mich nicht selbst einschränken möchte in dem, was ich spiele, fühle ich mich in einem bestimmten Genre einfach am wohlsten. Generell mixe ich am liebsten dynamische Tunes, mit denen ich frei und kreativ arbeiten kann. Ich bin nicht auf BPMs versteift, aber ich versuche immer, Tunes mit starken Drums und Bass Lines zu integrieren, die Energie und Power für lange Dancefloor-Nächte geben.

Wie arbeitest du an einem Mix wie deinem letzten Podcast für 6 am? Inwiefern ist es anders als ein Live-Mix?

Ja, einen Podcast zu erarbeiten unterscheidet sich immens von den Vorbereitungen für einen Gig. Bei einem Gig ist meine Playlist vollgepackt mit diversen Optionen, die mich für alle Eventualitäten flexibel sein lassen. Was ich tatsächlich spiele, hängt von den verschiedensten Faktoren ab: wer vor und nach mir spielt, wann und wie lange ich spiele, die Location… und am wichtigsten natürlich, wie das Publikum reagiert. So komm es häufig vor, dass ich zwar schon ungefähr im Kopf habe, was ich spielen möchte, aber während des Gigs ändert sich dann doch alles.
Bei einem Podcast ist es ganz anders. Hier habe ich die Möglichkeit, ganz nach meinem Gusto eine Stunde lang einen Lieblingstrack an den nächsten zu reihen. Allein in meinem Studio.

Was inspiriert dich momentan besonders?

Momentan versuche ich, so viel Musik zu hören wie möglich. Und zwar alle möglichen Richtungen, nicht nur Techno oder Elektro. Das inspiriert mich am meisten. Außerdem habe ich mir vorgenommen, mir mehr Musik von mir unbekannten Künstlern anzuhören. Das motiviert mich, bringt frischen Wind und neue Ideen.

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Du und Lucas Freire scheint ein tolles Arbeitsverhältnis zu haben, was sich besonders in eurem Label Devotion zeigt. Was sind eure Pläne für das Label?

Über die Arbeitsbeziehung hinaus sind wir auch schon seit zwölf Jahren ein Paar. Wir haben drei Labels zusammen: AudioCode Records (für extremeren, schnelleren Hardtechno), Devotion (für Techno) und nun kommen wir mit Hardwork zurück (um die Lücke zwischen Devotion und AudioCode zu füllen). Auf Devotion werden wir am 15. April unsere 63. Reference veröffentlichen, mit einem Talent aus unserer Heimat Brasilien, Mister Andres. Wir veröffentlichen alle drei Wochen und haben so schon Releases bis zum Ende des Jahres geplant.

In der ersten Mai-Woche starten wir mit dem ersten DVL-Release, ein Sub-Label von Devotion, das alle drei Monate mit einer Vinyl aufwarten wird. Auf DVL01 werden Tracks von Lukas Freire, Andres Gil (Kolumbien) und Vegim zu hören sein, und ein Remix von Dykkon aus Madrid. Drei der vier Tracks könnt ihr euch auch schon im Podcast anhören. Außerdem wird es auch ein paar Showcase-Partys geben, als erstes eine Release-Party zu DVL01 im Mai in Barcelona.

Wenn du dir rückblickend einen Ratschlag geben könntest, als du damals mit der Musikproduktion angefangen hast, was würdest du dir sagen?

Sei geduldig: es dauert einfach, bis man wirklich gute Resultate mit seiner Arbeit erzielt. Es ist wie mit allen anderen Dingen im Leben auch, je mehr Zeit man investiert, desto besser wird man. Und ganz wichtig: nimm dir auch immer die Ratschläge und Tipps anderer Produzenten zu Herzen, auch wenn sie nicht unbedingt die Musik machen, die du selbst anstrebst. Jeden Tag kann man neue Dinge lernen, von jedem.

Was steht 2019 noch so an? Gibt es spannende Gigs, auf die du dich besonders freust?

Wie jedes Jahr freue ich mich natürlich auf die Sommer-Festivals! Für dieses Jahr stehen für mich schon Festivals in Spanien, Deutschland, Slowenien, Tschechien und Portugal fest. Aber ganz besonders freue ich mich auf mein Asien-Debüt! Im Mai werde ich in Bangkok und im Juni in Tokio spielen.