Ist das Kunst, oder gehört das in den Club? Electro als Kunstform


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Immer mal wieder brandet die Diskussion über Electro als Kunstform auf. So hat der einflussreiche Poptheoretiker Simon Reynolds den Electro letztes Jahr dafür kritisiert, dass er sich zunehmend außerhalb der Clubs bewege. Was früher in klar abgegrenzten Hallen stattfand, sucht sich nun neue Räume, um zu wirken und möchte als Kunst angesehen werden. Aber ist es schlimm, wenn elektronische Musik sich erweitert und wandelt? Womöglich ist die Entwicklung ganz normal.
 
Conceptronica

Konkret bezeichnete Reynolds mit dem Begriff „Conceptronica“ elektronische Musik, die weniger in einen Club gehöre, als in ein Museum – da sie nicht den Backbeat in den Vordergrund stelle, sondern künstlerische (teils sogar sozialkritische) Aussagen. Die Statements von Reynolds haben im vergangenen Jahr für Kontroversen in der Szene gesorgt und wurden selbst von großen Medien wie der Zeit aufgegriffen. Derartige Diskussionen gibt es aber bei jeglichen neuen Kunstformen. Noch zur Zeit von Goethe und Schiller wurden Romane kritisiert, die sich inzwischen unzweifelhaft als Kunstform etabliert haben. Später das Fernsehen, das noch vor rund einem Jahrzehnt vielen nur als Form der seichten Unterhaltung galt, aber heute dank tiefgründigen und bahnbrechenden Serien einen künstlerischen Bereich für sich erobern konnte. Videospiele sind aktuell in derselben Diskussion begriffen. Seit 2014 können diese sogar vor dem Gesetz als Kunstform bezeichnet werden und befinden sich, wie ihr in der FAZ nachlesen könnt, ständig als Gesamtkunstwerk in Bewegung.
 

Generationenwechsel

Warum also nicht auch elektronische Musik? Dass Musik Kunst sein kann, das weiß man schon lange. Dass sich nun der Anspruch der elektronischen Musik ändert, sie zumindest teilweise auch künstlerisch durchdacht sein will, ist ein natürlicher Werdegang. Was als Gegenbewegung gegen den Mainstream angefangen hat, ist heute – wie wäre es anders möglich – über mehrere Generationen hinweg bekannt und populär. Gruppen wie Kraftwerk, die sich ab der Mitte der 70er Jahre zum großen Teil verantwortlich für die Entwicklung des Electro zeichneten, gelten den heutigen Mid-Zwanzigern als Retro. Elektronische Musik beeinflusst nicht mehr nur Clubs, sondern ist auch beim Streaming über Plattformen wie Spotify beliebt und zeigt ihren Einfluss bei Videospielen wie FEZ. Gerade die Verschmelzung von Gaming und Electro ist nicht zu leugnen: Spielt ihr bei NetBet einen Slot wie Starburst, wird der Einfluss der elektronischen Musik auf die im Hintergrund laufenden Beats sofort deutlich – auch wenn diese sich weniger hart zeigen. Games nehmen schon allein aufgrund ihrer elektronischen Natur Einfluss auf das Genre, sowohl im traditionellen Spiele-Bereich, als auch in Sparten wie mobilen Games und Casinospielen. Das sieht man nicht nur anhand der Musikstücke selbst, sondern auch an der Aufmachung vieler Spiele. Elektronische Musik ist heute eben nicht mehr nur in Clubs angesiedelt. Auch wenn diese weiterhin ihr natürliches Zuhause bleiben werden.

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Koexistenz

Und letztlich können sicher beide Seiten nebeneinander existieren: Die rein harte Musik in den Clubs, genauso wie durchdachtere Konzeptionen von Künstlern wie der Wahl-Berlinerin Holly Herndon, die mit ihrem neuen Album „Proto“ erst Mitte letzten Jahres für Aufsehen sorgte und laut eigener Aussage mit ihren Sounds Technologie weniger dehumanisierend erscheinen lassen will. Lest ihr Interviews bei Musikexpress mit der Künstlerin, werden die Beweggründe hierfür schnell klar. Wenn bei einer derartigen Entwicklung auch teils weniger durchdachte künstlerische Aussagen entstehen, dann ist das nur normal – nicht jede Musik ist Kunst, auch wenn sie es gerne wäre. Im Gedächtnis bleiben immer nur die besten Performer. Letztlich bleibt zu sagen, dass elektronische Musik beides sein kann: simple Untermalung des Clubaufenthalts und sorgfältig ausgearbeitete Kunst.