Mathias Kaden (Freude am Tanzen): „Frankfurt ist für mich die wichtigste Stadt für Technokultur in Deutschland“


Am 21.Mai 2011 findet im Club Longbeach in Hattersheim das Le Freebase Bonheur Festival statt. Neben Radio Slave, Karotte und DJ Koze wird ebenso Mathias Kaden dabei sein. Zu diesem Anlass konnten wir den DJ und Produzenten vom Label Freude am Tanzen für ein Interview gewinnen. Dabei erzählt uns Mathias wie es in der Szene in und um Jena bestückt ist, wie er zur elektronischen Musik gekommen ist, wieso er in Zukunft wohl mehr Coca Cola Light trinken wird und was er von sozialen Netzwerken hält.

trndmusik.de: Du stammst aus Thüringen. Erzähl uns doch bitte wie man sich die Technoszene in und um Jena, wo dein Label Freude am Tanzen zuhause ist, vorstellen muss und was der Vorteil ist, in dieser, deiner Region, zu bleiben und nicht in eine Metropole wie Berlin zu ziehen.

Mathias Kaden: Das Wort, das mir in den Sinn kommt, wenn ich an die Jenaer Szene denke, ist „Familie“. Viele von uns, insbesondere innerhalb des Labels und der Agentur, kennen sich schon seit vielen Jahren und sind mehr Freunde als „Arbeitskollegen“. Man hält zusammen und bleibt auf dem Boden, was mir schon immer sehr wichtig war. Hinzu kommt die räumliche Nähe, womit wir auch beim zweiten Punkt wären. Denn für uns ist es kein Problem, aus der Tür zu gehen und zu Fuß innerhalb von Fünf Minuten bei einem der anderen Labelkünstler anzukommen. Das macht den kreativen Austausch natürlich wesentlich einfacher und stärkt auch im Umkehrschluss die familiäre Atmosphäre bei uns. Trotzdem muss ich hinzufügen, dass die Szene in der Gegend hier größer ist, als man denkt. Oft wird Jena und seine Umgebung nur mit FAT in Verbindung gebracht. Aber auch z.B. im Hard-Tech Bereich haben sich hier einige Künstler etabliert.

trndmusik.de: Wie bist Du zur elektronischen Musik gekommen?

Mathias Kaden: Natürlich habe ich mich wie viele andere in der Wendezeit aufgewachsenen Jugendlichen schnell für die legendären Produktionen, die damals über den großen Teich zu uns gekommen sind, begeistert. Deshalb sind auch bis heute Leute wie Carl Craig, Josh Wink oder Kevin Saunderson grosse Vorbilder von mir. Mitte der 90er habe ich dann angefangen, im damaligen Undergroundware in Gera verschiedenste Houseplatten zu kaufen. Damals gab es im Biox Ultra auch die ersten Technopartys bei uns. Die ersten Warmupgigs habe ich dann dort gespielt und von da an ging es los.

trndmusik.de: Marek Hemmann ist Produktionspartner von Dir. Wieso passt ihr so perfekt zusammen? Oder gibt es auch Sachen bei denen ihr manchmal gar nicht harmoniert?

Mathias Kaden: Marek und ich kennen uns seit über 10 Jahren und haben auch damals zusammen angefangen, unsere ersten Platten zu releasen. Deshalb hatten wir beide schon immer ein gutes Gespür für den Sound des jeweils anderen. Aus dem Grund denke ich harmonieren wir auch bei unseren Livesets so gut. Dennoch muss man sagen, dass wir eine unterschiedliche Soundphilosophie verfolgen. Marek war schon immer der melodischere von uns beiden, während ich mich mehr auf den rhythmischen Aspekt der Musik konzentriere und versuche, den Beat zum Mittelpunkt meiner Tracks zu machen.

trndmusik.de: 2005 hast Du dein Vinyl-Debüt auf dem Berliner Label Vakant gegeben. Wie ist dein Verhältnis zu dem in Berlin ansässigen Label? Ist ein zweites Album von Dir in Planung?

Mathias Kaden: Das Verhältnis zwischen mir und dem Label ist natürlich sehr gut. Über die Jahre hat sich ein grossartiges Vertrauensverhältnis entwickelt, innerhalb dessen ich perfekt arbeiten kann. Ein weiteres Album ist derzeit nicht in Planung. Ich bin sehr viel unterwegs und da ich mir für meine Produktionen immer viel Zeit nehme, kann ich einen Longplayer aufgrund meines Pensums derzeit nicht realisieren. Es wird aber natürlich – und hoffentlich bald – eine neue EP von mir geben.

trndmusik.de: Dein erstes Album „Studio 10“ erschien 2009. Wie kam denn der Name des Albums zustande und hat er eine spezielle Bedeutung?

Mathias Kaden: Studio 10 ist schlicht der Name meines Studios in Gera.

trndmusik.de: Folgende beiden Sätze hattest Du mal in einem anderen Interview gesagt: „Ich möchte nicht nach Berlin oder Barcelona ziehen, nur weil ich dann den direkten Anschluss an die Szene habe. Wenn du etwas Gutes und Beständiges machst, ist es egal, wo du wohnst und wer du bist“ – Bist Du heute noch der gleichen Meinung?

Mathias Kaden: Absolut. Um genau zu sein, hat sich dieser Eindruck sogar in den letzten Jahren noch gefestigt und ich habe noch mehr als Früher das Gefühl, mit dieser Einstellung den für mich richtigen Weg gefunden zu haben..

trndmusik.de: Wie arbeitet ihr bei Freude am Tanzen zusammen? Wer macht was? Trefft ihr euch 4x die Woche und betrinkt euch?……

Mathias Kaden: Wir kochen lieber Suppe (lacht). Aber wir treffen uns tatsächlich oft, eigentlich fast jeden Tag. Insofern dreht sich unser Zusammenleben auch nicht nur um die Musik, da wir auch viel Zeit privat miteinander verbringen. Die Kreativität und die Ideen kommen dann von ganz alleine…

trndmusik.de: Wo siehst Du Dich in 25 bis 30 Jahren? Was möchtest Du unbedingt noch erreichen in deiner DJ-Karriere?

Mathias Kaden: Ich bin überglücklich mit dem, was ich bis jetzt erreicht habe. Alles, was noch dazu kommen könnte, wäre ein Bonus für mich. Und zur ersten Frage: 30 Jahre sind ne ganz schön lange Zeit im Musikgeschäft. Von daher kann ich da keine Prognose abgeben. Was ich mir wünsche, ist dass ich gesund bleibe. Wenn ich so drüber nachdenke, trinke ich vielleicht sogar meinen Cuba Libre in Zukunft nur noch mit Cola Light …

trndmusik.de: Am 21.Mai bist Du beim Open Air Le Freebase Bonheur in Frankfurt/Hattersheim dabei. Bevorzugst Du eher Festivals unter freiem Himmel oder doch einen dunklen Club und ist es was besonderes für dich hier in der Rhein Main Region zu spielen die früher mal als einer der „Techno-Hauptstädte“ galt?

Mathias Kaden: Ich schätze beides sehr. Aus jeweils unterschiedlichen Gründen. Deshalb möchte ich auch keins von beiden missen. Prinzipiell kann man aber sagen, dass ich im Sommer die Festivals bevorzuge, in den kälteren Monaten aber lieber im Club spiele. Was die Rhein/Main Region betrifft: Frankfurt ist für mich immer noch die wichtigste Stadt für Techno und Technokultur in Deutschland.

trndmusik.de: Unsere Abschlussfrage: Wir haben festgestellt, das man heutzutage, um eine Veranstaltung „berühmt“ zu machen , fast ganz auf konventionelle Werbung verzichten und alles über „Sozial Network“ Plattformen erledigen kann. Wie wichtig ist Dir das soziale Netzwerk? Spielt Facebook in deinem alltäglichen Leben überhaupt eine Rolle? Und wie siehst du das im Allgemeinen?

Mathias Kaden: Ich habe mittlerweile auch eingesehen, dass die sozialen Netzwerke im Internet sehr wichtig geworden sind. Deshalb habe ich jetzt auch eine Artist Page bei Facebook, die ich stetig verfolge. In meinem Privatleben spielen diese Plattformen jedoch keine Rolle.

PS: Für das Date am 21.Mai 2011 verlosen wir 2*2 Tickets! Was müsst ihr tun? Entweder schreibt ihr einen Kommentar mit eurer Emailadresse oder ihr schickt einfach eine Email mit eurem kompletten Namen und dem Betreff ( Le Freebase Bonheur ) an win@trndmusik.de!

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