Chopstick & JohnJon (SUOL): „Es gibt nichts Besseres, als ein Land als DJ zu bereisen“


Am liebsten sehen sich Chi-Thien Nguyen und John Muder, die als Chopstick & JohnJon bekannt sind, als ein Ping-Pong-Produzenten-Duo. Im Interview mit trndmusik erklären uns die in Berlin lebenden Labelbetreiber, ob sie wirklich gerne Tischtennis spielen, wieso sie von Hamburg in die deutsche Hauptstadt zogen, ob sie zurzeit wunschlos glücklich sind und warum sie SUOL gegründet haben.

trndmusik: Im letzten Jahr habt ihr eure EP „Obviously She Is A Whore“, die übrigens mit dem gleichnamigen Song in unseren Top 50 Tracks of 2011 auf Platz 26 gelandet ist, veröffentlicht. Wart ihr mit dem Abschneiden des Werkes zufrieden?

Chopstick & JohnJon: Erst einmal vielen Dank für euren Support. Wir waren echt überrascht, dass wir es mit „Obviously She Is A Whore“ in die Top 50 geschafft haben. Lange Zeit waren wir uns über die Wirkung der Nummer gar nicht so im klaren, da wir sie in einem Lauf produziert hatten und keine Distanz besaßen. Beim ersten Mal spielen merkten wir erst, welche hypnotisierende Wirkung beim Publikum eintrat. Das war Belohnung genug.

trndmusik: Wie habt ihr beiden, Chi-Thien Nguyen und John Muder, euch eigentlich kennengelernt? Und wann hattet ihr festgestellt: Das passt! Wir machen was zusammen.

Chopstick & JohnJon: Ich (John) habe damals schon ein paar Jahre in Hamburg aufgelegt und Thien hat Musik produziert. Irgendwie fehlte uns unabhängig voneinader etwas. Da hat uns eine gemeinsame Freundin verlinkt. Danach stellten wir relativ schnell fest, dass wir musikalisch viele Parallelen aufweisen. Wir sind beide mit HipHop sowie RnB aufgewachsen und das beeinflusst uns doch stark auch im elektronischen Bereich. Das is nun an die 10 Jahre her. Wir sind daraufhin direkt ins Studio und haben festgestellt, dass wir uns gut ergänzen.

trndmusik: Ihr hattet bisher schon viele EP’s und einzelne Tracks produziert. Darf man sich in naher Zukunft auf ein Album von euch freuen? Oder steht da erstmal nichts an?

Chopstick & JohnJon: Wir kommen gerade an den Punkt, an dem wir beide der Meinung sind, dass wir ready für ein Album sind. Gerade in der „Clubmusik“ finden wir es wichtig, dass man künstlerisch abwechslungsreich ist, um ein Album zu produzieren. Wir werden uns im April langsam ransetzen, wenn unser neues Studio fertig ist. Dann haben wir als Releasedate das Frühjahr 2013 auf dem Plan.

trndmusik: „Geschichte eines Ping-Pong-Produzenten-Duo“ – Dieser Satz steht auf eurer Fanseite auf Facebook. Wie darf man diesen verstehen? Steht ihr auf Tischtennis?

Chopstick & JohnJon: Haha … Wir haben tatsächlich eine Tischtennisplatte im Studio und wenn wir mal nicht weiterkommen, egal ob im Studio oder bei der Labelarbeit für Suol, spielen wir eine Runde Tischtennis. Danach ist der Kopf wieder frei. Das, was in der Biografie angesprochen wird, ist aber mehr, dass wir immer „Ping Pong“, also back to back spielen, wenn wir auflegen. Jeder eine Platte, die ganze Nacht!

trndmusik: Das Brüder-Duo Tiefschwarz sagte einmal: „Wir wollen einfach nur die Welt sehen und welchen besseren Weg gibt es, sie als DJs zu bereisen.“ – Dieses Zitat scheint euch zu gefallen. War es schon immer euer Traum die Welt zu entdecken? Und das noch als DJs? Ist mit dem DJ-Dasein ein Traum von euch in Erfüllung gegangen?

Chopstick & JohnJon: Es gibt nichts Besseres, als ein Land als DJ zu bereisen. Man hat mit den Promotern sofort eine Anlaufstelle und kann so perfekt die „Touristenfallen“ umgehen. Wenn wir gefragt werden, was wir machen wollen, fragen wir den Promoter immer, was er machen würde und gehen einfach mit. Er wird schon wissen was gut ist. Unser Job ist schon das Beste, was uns passieren konnte – keine Frage!

trndmusik: In Hamburg habt ihr euch kennengelernt. Danach zog es euch in die deutsche Hauptstadt. Wieso dieser Schritt? Hat Berlin mehr zu bieten als die Hansestadt?

Chopstick & JohnJon: Jein. Hamburg ist auf jeden Fall die schönere Stadt und wir haben noch viele Freunde da. Aber damals gab es zwei entscheidende Gründe nach Berlin zu ziehen: die Lebenshaltungskosten und die Musik- sowie Clublandschaft. Wir wollten „nur noch“ von Musik leben und das war damals in Berlin deutlich einfacher. Ein WG-Zimmer für 100,- € im Monat und Essen, das ist in Hamburg schwer zu finden (in Berlin inzwischen leider auch). Ausserdem sind einfach viele Labels und Künstler in Berlin. Da war es viel einfacher Kontakte zu knüpfen.

trndmusik: Im Jahr 2010 habt ihr euer eigenes Label SUOL gegründet. Was waren die Beweggründe ein Label zu gründen und wie kamt ihr auf den Namen?

Chopstick & JohnJon: Als es mit der Musikindustrie immer weiter „bergab“ gingen, erkannten wir, dass einstige „Labelfamilien“ mehr und mehr auseinander brachen und jeder für sich versuchte klar zu kommen. Das machte aus unserer Sicht keinen Sinn, da man doch gerade in schlechten Zeiten zusammenhalten sollte. Wir gründeten Suol, um uns und unseren Freunden eine neue Familie zu geben, bei der wir im Sinne der Künstler die Entscheidungen treffen. Für den Namen wollten wir unbedingt etwas haben, was es noch nicht gab, um irgendwelchem Copyright-Quatsch aus dem Weg zu gehen. Wir haben eine Liste gemacht und Soul mit umgedrehten o und u machte da sofort Sinn!

trndmusik: Am 16. März 2012 erscheint das Mix-Album “Suol Mates”, das Fritz Kalkbrenner zusammengestellt hat. Die Compilation ist der Auftakt einer eigenen Mix-Reihe. Wie viel werden noch folgen? Und wer mixt Nummer 2?

Chopstick & JohnJon: Wir wollten schon immer eine Compilation machen, damit sich unsere Artists auch auf eine andere Art und Weise präsentieren können. Das Konzept ist, dass der jeweilige Compiler eine Reise durch seine musikalischen Einflüsse zusammenstellt und einen Mix daraus zusammenstellt. Daher sind bei Fritz neben House auch Hip Hop und Soul Tracks auf der Compilation. Wir wollen ab jetzt jährlich eine Compilation produzieren. Wer die nächste macht, steht noch nicht zu 100 % fest. Es wird auf jeden Fall einer aus der Familie sein. Wir besprechen gerade mit allen Konzepte und entscheiden dann, wer die 2 macht.

trndmusik: Dortmund, Stuttgart, Berlin, Leipzig – Das sind eure nächsten Station, wo ihr spielen werdet. Aber wo seid ihr eigentlich am liebsten? Gibt es einen Favoriten unter den Clubs? Und wo habt ihr die bisher schönste Nacht erlebt?

Chopstick & JohnJon: Ich habe gerade während meines Urlaubs zwei Gigs in Südafrika gespielt und der Auftritt in Johannesburg bei „The Warmup“ war unglaublich. So viel Energie habe ich in den vielen Jahren selten erlebt. Der letzte gemeinsame Gig der wirklich herausstach, war bei unserer Labelnacht im Berliner Watergate im August 2011. Da gibt es ja auch das Video zu. Braucht keine Worte mehr.

trndmusik: Wenn ihr beide euch nicht kennengelernt hättet, was wäre dann wohl passiert? Wärt ihr trotzdem DJs und Produzenten geworden?

Chopstick & JohnJon: Wahrscheinlich wäre ich DJ geblieben und Thien eben Produzent. Aber vorstellbar ist „was gewesen wäre …“ nach 10 Jahren nur schwierig.

trndmusik: Was für Wünsche habt ihr noch, die ihr euch unbedingt noch erfüllen wollt? Oder seid ihr gerade wunschlos glücklich?

Chopstick & JohnJon: Wir bauen seit 15 Monaten an unseren neuen Studios (5 Stück) und jetzt wurde heute der Erstrich gelegt. Wir rechnen schon garnicht mehr damit, dass die fertig werden. Wenn wir morgens mit unserem Kaffee im Studio sitzen, sind wir auf jeden Fall wunschlos glücklich!

trndmusik: Unsere letzte Frage: Was werdet ihr in 10 Jahren machen? Werdet ihr 2022 immer noch gemeinsam Produzieren, Auflegen und euch auf die Nerven gehen?

Chopstick & JohnJon: Guckt Euch die lange Version des Videos an. Da beantworten wir am Ende die Frage (bei Minute 6).