Richie Hawtin: „Musik ist in digitalen Medien so allgegenwärtig, vielleicht ist die Idee des physischen Verkaufs überholt“


„Kreativität muss so schnell sein dürfen, wie sie will“ – In einem Interview mit der deutschen Wochenzeitung Die Zeit sprach die Reporterin Rabea Weihser in Barcelona mit dem in England geborenen und in Kanada aufgewachsenen Richie Hawtin über den freien Zugang zur Musik, für den der DJ plädiert, und die Lizenz zum Remix.

ZEIT ONLINE: Mister Hawtin, wie wird Musik in 50 Jahren verkauft?

Richie Hawtin: In 50 Jahren kann es viele Wege geben, Musik zu verkaufen. Vielleicht ist es aber auch die falsche Art, darüber nachzudenken. Musik ist in digitalen Medien so allgegenwärtig, vielleicht ist die Idee des physischen Verkaufs überholt.

ZEIT ONLINE: Sie glauben nicht mehr an Musik als haptisches Gut?

Hawtin: Ich muss ein Stück Musik nicht kaufen und besitzen bis ans Ende meines Lebens. Heute verstehe ich Dinge, die ich mit 24 nicht verstanden habe. Und gleichzeitig gibt es immer noch Dinge aus meiner Jugend, mit denen ich heute noch verbunden bin. Also muss es einen Weg der nutzungsbasierten Monetarisierung geben. Ich hoffe, dass Technologie uns so etwas ermöglicht.

ZEIT ONLINE: Wie genau stellen Sie sich das vor?

Hawtin: Es sollte keine physische Transaktion geben. Jeder sollte frei sein, zu hören und zu benutzen, was immer er möchte. Durch Informationstechnologie ist ohnehin schon alles mit Metadaten versehen, jeder Song hat einen ISRC-Code. Wenn man Technik einsetzt, um diese Spuren zu beobachten, könnte man für jeden speziellen Fall einen fairen Preis berechnen.

ZEIT ONLINE: Vorausgesetzt, die Datenschützer machen das mit.

Hawtin: Wir bewegen uns auf eine Gesellschaft zu, die jederzeit im Datenaustausch ist. Wir müssen uns soweit entwickeln, dass wir noch nicht mal mehr darüber sprechen, dass wir connected sind. Sondern: Alles ist da, alles ist sofort zur Hand.

Quelle und zum kompletten Interview: www.zeit.de

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