Miyagi (Rennbahn Records): „Ein Gig auf der Fusion wäre ein Traum“


Seit rund zehn Jahren ist Miyagi aka Robert Wagenknecht von elektronischerer Musik fasziniert. Der in Prenzlau geborene DJ, Produzent, Booker und Labelbetreiber, der auch ursprünglich mit HipHop angefangen hat, lebt seit sechs Jahren in der Hansestadt Hamburg. Die Beamten-Laufbahn hat der 27-Jährige an den Nagel gehängt und sich stattdessen für die Musik entschieden. Von Hamburg aus produziert und betreibt er gemeinsam mit Thomas Jager das Label Rennbahn Records. Der nächste Streich ist Katalognummer 13 mit einem Remix von David Jach, die jetzt im März erscheinen wird.

Im Interview mit trndmusik spricht Robert über seine ersten Gehversuche, seine Homebase Fundbureau, über das Label sowie seine Arbeit im Docks und die ungebändigte Lust am Auflegen.

trndmusik: Was macht mehr Spaß? Auflegen oder Produzieren und wird es mal einen Liveact

Miyagi: Auflegen! Ich produziere ja nicht jeden Tag. Live wird es auch erst mal nicht geben; da hab ich ehrlich gesagt noch keine Lust drauf. Da spielst du dann jedes Wochenende nur die gleichen Tracks. Es sei denn, du bist eine Produktionsmaschine. Die gibt es auf jeden Fall auch! Ich produziere eigentlich auch nur, wenn ich gerade eine kreative Phase habe. Wenn ich mich jeden Tag davor setzen müsste, so ganz ohne Inspiration – das würde nichts werden.

trndmusik: Kaufst du dir heute noch Platten?

Miyagi: Nicht mehr so viele, wie damals. Es gibt noch ein paar gute Sachen, die „only vinyl“ erscheinen – das kaufe ich dann noch. Aber inzwischen bin ich umgestiegen auf Traktor Scratch und die Musik kaufe ich mir über Beatport. Letztendlich nutze ich aber trotzdem 2 Timecode-Vinyls und spiele damit eigentlich genauso, wie mit den Herkömmlichen. Ich finde es auch noch wichtig, dass man das noch so macht und sich nicht nur mit einem Controller hinstellt und die Tracks synchronisiert. Es sei denn, man macht daraus eine richtige Performance à la Richie Hawtin.

trndmusik: Folgende Situation. Du stehst in einem großen Club, legst auf und die Tanzfläche bleibt leer. Keiner tanzt. Albtraum, oder? Was machst du?

Miyagi: Haha ja, dann muss ich überlegen, was ich mache. Aber eigentlich ist mein Stil schon sehr tanzbar. Es hängt ja auch von der Uhrzeit ab. Aber so einen Extremfall hatte ich zum Glück noch nicht.

trndmusik: Das Projekt „Miyagi & Ronald Christoph“ liegt jetzt auch schon einige Jahre zurück. Lass das ganze Mal Revue passieren.

Miyagi: Kennengelernt haben wir uns, als ich ihn mal für eine unserer Partys in Hamburg gebucht habe. Wir waren uns von Anfang an sympathisch und haben das Projekt dann einfach mal gegründet. Der erste produzierte Track „No Fashion“ (RENN001) ist dann auch derbe durchgestartet, womit wir beide nicht gerechnet hatten. Am Ende landete er sogar auf Cocoon, weil Marco Carola ihn in seiner Mix-CD eingebaut hat. Danach haben Ronald und ich noch eine Platte gemacht und auch die ist ziemlich gut geworden. Heute machen wir auch noch Sachen zusammen, aber bringen unter dem ursprünglichen Projektnahmen nichts mehr raus, weil die Stile doch sehr unterschiedlich sind. Bei mir ist alles sehr melodisch, Ronald’s Sachen sind voller Groove und zum Teil auch experimenteller. Für mich kam dann der nächste große Schritt mit der RENN010: „Woodpeckers Love Affair“, wofür Sascha Braemer und Dan Caster einen richtig dicken Remix für abgeliefert haben. Nach dem Release folgten regelmäßige deutschlandweite Bookings. An dieser Stelle noch mal „Danke“ an Sascha und Dan!

trndmusik: Du hast ja inzwischen in Großbritannien, Österreich, Belgien, in der Schweiz und viel im deutschen Raum (Berlin, Stuttgart, Köln, München) gespielt. Was wird folgen bzw. gibt es ein Festival, auf was du total Bock hast?

Miyagi: Ja, gibt es. Eigentlich habe ich auf alles Bock: auf kleine dreckige Clubs, aber auch auf große Clubs und Festivals! Ich hab irgendwie immer Lust aufzulegen. Es ist einfach toll, dass durch eine Verkettung von glücklichen Zufällen das Hobby zum Beruf gemacht werden konnte. Fusion wäre zum Beispiel so ein Traum! Ansonsten würde ich natürlich immer total gern im Ausland oder Festivals, wie dem Sonar in Barcelona oder Burning Man, spielen. Das wäre schon cool!

trndmusik: Was sind derzeit deine Lieblingsclubs in Deutschland?

Miyagi: Einer meiner Favoriten ist das Docks und die Prinzenbar. Aber nicht nur, weil ich hier arbeite, sondern weil die Läden immer anders aussehen. Bei jedem Besuch erwartet einem eine fast neue Location. Das Dekoteam leistet wirklich super Arbeit! Ansonsten mag ich das Fundbureau, weil dort irgendwie alles begann. Ritter Butzke in Berlin oder das Heinz Gaul in Köln sind auch sehr cool. Mich hat ja auch München total positiv überrascht. Kein Club, aber eines meiner Highlights jedes Jahr sind unsere Bootspartys auf der Elbe. Mit circa 400 Leuten feiern wir dort wilde Partys.

trndmusik: Wann habt ihr Rennbahn gegründet und wieso? Es gibt doch schon eine ganze Menge Labels.

Miyagi: Rennbahn ist vor circa sechs Jahren entstanden. Während meiner Ausbildung habe ich Thomas kennengelernt. Am Anfang wollten wir einfach nur mal eine Party machen – so ganz ohne Hintergedanken. Ich wollte diese Party, weil ich einfach mal auflegen wollte. Wenn man noch so unbekannt ist, kommt man halt auch schwer an Gigs. Thomas wollte die Party glaube ich einfach nur um Spaß zu haben und zu feiern. Wir wollten kein Geld verdienen, sondern nur raven. Dann haben wir nach einem Namen gesucht und Thomas meinte: „Lass uns doch das Ganze Rennbahn Records nennen!“ Ich wohnte zu der Zeit direkt an der Horner Rennbahn und es hat super gepasst.
Unter dem Namen haben wir dann auch später mehrere Partys gemacht. Von dort an ist es dann auch langsam groß geworden. Im Fundbureau machen wir jetzt schon seit fast fünf Jahren Partys. Durch den Laden haben wir viele Leute kennengelernt, mit denen wir heute noch Kontakt haben und die uns in der Entwicklung geprägt haben. Als wirkliches Musiklabel gibt es uns jetzt seit circa drei Jahren. Wobei zwischen der ersten und zweiten Platte eine neunmonatige Pause war. Am Anfang läuft halt alles noch nicht so rund. Ich finde aber auch, dass man bei Rennbahn von Platte zu Platte eine Entwicklung hört. Es wird schon alles irgendwie ein bisschen erwachsener. Unserem Slogan bleiben wir aber trotzdem treu: „sometimes we make music, sometimes we make party”!

trndmusik: Zu euren Artists zählen Oliver Schories, Ronald Christoph, Jules & Moss oder Newcomer, wie Gaudier oder M.Tuschy. Wann wird jemand zu eurem Pool aufgenommen?

Miyagi: Momentan sind das alles noch Freunde und Bekannte von uns. Aber wir sind da immer offen für neue Leute. Der Pool ist in den letzten Jahren jetzt nicht besonders gewachsen. Es müssen halt Leute sein, mit denen man auf einer Wellenlänge ist und die in gewisser Weise Talent besitzen und die Liebe zur Musik genauso teilen, wie wir.

trndmusik: Du hast auch bereits mit David Keno und einigen anderen zusammen gearbeitet. Wie funktionieren immer solche Kooperationen?

Miyagi: Ich habe einen ziemlich guten Draht zu Jaxson. Den habe ich irgendwann mal angehauen, ob er nicht Bock hätte einen Remix für mich zu machen. Und seine Antwort war: „Ja klar, mach ick mit’m David Keno zusammen.“ Cool.

Dann haben wir den Remix geschickt bekommen und das war eine Bombe. Krasses Teil. Der kam letztes Jahr im November auf der „Weird World“ raus. So kam zum Beispiel die Zusammenarbeit mit den Jungs zustande. Aber Thomas und ich sind immer auf der Suche nach coolen Remixern oder Leuten, die auf Rennbahn releasen können. Wir haben relativ klein mit unseren Freunden angefangen und irgendwann wurde das dann größer, sodass wir auch namenhafte Leute gefunden haben, die Lust auf uns hatten.

trndmusik: Euer Weird-Festival geht jetzt Ende März (23. März 2013) in die vierte Runde. Was steckt hinter dem Konzept; was habt ihr euch dabei gedacht?

Miyagi: Der Name WEIRD war eigentlich so ein Gedankenblitz gewesen. Dahinter steckt kein wirkliches Konzept – es soll halt einfach alles ein bisschen anders sein, als auf einer „normalen“ Techno-Veranstaltung. Auf einer WEIRD ist alles etwas weird: es fängt beim Line up an und geht bis hin zur Deko. Fliegenden Fische, Stelzenläufer, Seiltänzer, Feuershows, Lichtspiele – alles Dinge, die man auf einer normalen Clubveranstaltung nicht so unbedingt sieht. Gepaart wird das Ganze natürlich mit internationalen und nationalen Top-DJs wie André Galluzzi, Kiki, Djuma Soundsystem, Oliver Schories, Fairmont oder Format:B. Der Name WEIRD soll die Leute aber auch animieren. Es soll ihnen bewusst sein, dass dies keine normale Party ist, auf die sie jedes Wochenende gehen, sondern sich auch mal auslassen können. Sie müssen kein normales Outfit tragen, sondern können sich gehen lassen. Dann begegnet man auch mal einer feiernden Banane oder einem blonden Schachbrett.

trndmusik: Du bist auch Booker im Docks. Wie kam es dann dazu? Was kam zuerst: Auflegen oder der Job als Booker?

Miyagi: Irgendwann hatten wir mal Lust was richtig Großes zu machen (WEIRD) und sind dazu ins Docks gegangen. Wir haben uns mit der Besitzerin Leo getroffen, alles durchgesprochen und sie fand das ganz cool. Zum Ende des Gesprächs fragte sie, ob wir jemanden kennen, der als Booker im Docks anfangen möchte, weil sie jemand Neues sucht. Und meine Antwort war: „Ich kann dir ja mal eine Bewerbung schicken. Ich hätte da Lust drauf!“ Dann kam das Eine zum Anderen.

Das Interview führte Sarah Schlifter.