Dominik Eulberg: „Es haben viele begriffen, dass Musik einen Wert hat“


Laut einem Bericht von „Golem“ will die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (Gema) durchsetzen, dass nicht nur YouTube Geld für Abrufe von urheberrechtlich geschützten Videos an die Gema zahlen soll. Die Verwertungsgesellschaft plane, auch von Nutzern Gebühren einzufordern, die solche Videos etwa auf Facebook oder in Blogs einbetten. Einfache Links seien keine Nutzung der Werke, eingebettete Inhalte allerdings schon und die sollten lizenzpflichtig sein, schreibt “SPIEGEL Online”.

Über dieses Thema haben wir mit dem im Westerwald aufgewachsenen Dominik Eulberg gesprochen. Der deutsche Musikproduzent sprach dabei über den Wert von Musik, über das Urheberrecht und was er jungen Musikern zum Thema Mitgliedschaft bei der Gema raten würde.

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trndmusik: Laut neuesten Berichten will die Gema nun durchsetzen, dass auch das Einbetten von urheberrechtlich geschützten Youtube-Videos eine Lizenz kosten soll. Wie beurteilst Du diesen Vorstoß?

Dominik Eulberg: Das finde ich richtig. Allerdings sollte die Lizenz von YouTube bzw. Google gezahlt werden, da sie durch das Zeigen der Videos die Werbegelder generieren.

trndmusik: Das Urheberrecht will Kreative und ihr geistiges Eigentum schützen. Tut es das aktuell in sinnvoller Weise?

Dominik Eulberg: Die Idee stimmt. Das Urheberrecht sollte jedoch umstrukturieren werden, damit die Verwertungsgesellschaften einfacher, schneller, moderner und internationaler arbeiten können. Es geht zum Beispiel nicht, dass die Gema Mechanicals von Download-Shops nicht richtig ausschütten kann, weil sie die Daten nicht digital bearbeiten können. Oder, dass die Gema geringe Download-Beträge nicht an die Urheber ausschütten, da ihnen das technische Know-How fehlt, die Einnahmen einfacher zu zuzuordnen. Im Moment fehlt es auch an ausreichender Vernetzungen der einzelnen Verwertungsgesellschaften, so können die internationalen Einnahmen oft nicht richtig zugeordnet werden.

trndmusik: Wie beurteilst Du die aktuelle Entwicklung: Wird der Umgang mit dem geistigen Eigentum anderer laxer?

Dominik Eulberg: Ich habe das Gefühl, dass der Umgang besser wird. Es haben, glaube ich, viele begriffen, dass Musik einen Wert hat.

trndmusik: Bis zum 5. März 2014 erhofft sich die EU-Kommission, die im Dezember 2013 eine öffentliche Beratung zum Urheberrecht startete, Beiträge von „Konsumenten, Nutzern, Autoren, Darstellern, Verlagen, Produzenten, Rundfunkunternehmen, Vermittlern, Verteilern und anderen Dienstleistern, Verwertungsgesellschaften, öffentlichen Behörden und Mitgliedstaaten“ zu dem Thema. Ist ein überarbeitetes Urheberrecht im Zeitalter der digitalen Welt nicht schon längst überfällig?

Dominik Eulberg: Klar, das hätte früher kommen können. Gut, dass es jetzt kommt. Ich hoffe, die EU-Kommission hat die richtigen Leute befragt, also auch Indie-Musiker und kleinere Verlage, so dass das Geld demnächst wirklich an die Urheber ausgeschüttet wird, die es generiert haben.

trndmusik: Ein Weißbuch zum Urheberrecht kündigt der zuständige EU-Kommissar für Binnenmarkt und Dienstleistungen, Michel Barnier, an. Er verspricht „Lösungen für reale Probleme, wenn und wo sie bestehen.“ Wird die EU Lösungen finden?

Dominik Eulberg: Ein Weißbuch zum Urheberrecht gab es ja schon öfter. Ich hoffe, es werden diesmal schnelle Lösungen gefunden, unabhängig von der Industrie-Lobby.

trndmusik: Was waren für Dich die ausschlaggebenden Gründe, Mitglied bei der Gema zu werden?

Dominik Eulberg: Da ich von Anfang an viel auf Vinyl und CD veröffentlicht habe, hat es sich für mich immer gelohnt, Mitglied bei der Gema zu sein.

trndmusik: Was würdest Du jungen Produzenten raten, die bislang noch keinen hohen Bekanntheitsgrad besitzen: Wann sollte man sich über eine Mitgliedschaft bei der Gema Gedanken machen?

Dominik Eulberg: Wenn man rein digital veröffentlicht und wenig lizensiert oder gespielt wird, kann man warten. Es ist aber auch als junger Künstler gut, wenn man eine Urhebergesellschaft im Rücken hat, die dafür sorgt, dass große Konzerne, die Musik auf ihren Plattformen streamen, auch dafür zahlen müssen.

Das Interview führte Benjamin Reibert.

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