Tube & Berger (Kittball): „Elektronische Musik ist jetzt erstmal nicht wegzudenken“


Zwischen Techhouse- und Techno-Floor können wir Arndt und Marko alias Tube & Berger kurz vor ihrem Gig in Salzburg in einem provisorischen Office für ein Interview gewinnen. Längst kein unbeschriebenes Blatt mehr startete das Duo vor elf Jahren mit ihrem Track „Straight Ahead“ international durch und trifft spätestens seit den Beatport-Nummer-1-Singles „Free Tribe“ und „Lovebreak“ den Nerv der Zeit, ohne sich dabei selbst untreu zu werden.

Unter wummernden Bassausläufern geben uns die zwei Solinger Aufschluss über Familienplanung, die aktuelle Musikszene und warum es zusammenschweißt, wenn man sich zuweilen kollektiv nicht mehr an Hotelnamen erinnern kann.

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trndmusik: Ihr arbeitet nun schon seit sehr langer Zeit zusammen, wohnt sogar immer noch im selben Ort. Die Macken, dass Arndt beim Weiterreichen der Kippe gerne mal zögert und Marko einen gesunden Schlaf hat, durften wir bereits in anderen Interviews erfahren. Wie sieht es denn andersherum aus: Was schätzt ihr am Anderen besonders oder was würde euch im Falle einer Trennung fehlen?

Arndt: Ui, jetzt wird es aber schwierig. Ich schätze die Loyalität vom Herrn Berger sehr. Das muss er jetzt aber auch zurückgeben!

Marko: Ja klar, umgekehrt genauso. Dass Arndt ein guter Musiker ist und dass er mich unterhält…

Arndt: Dass er mich aushält! Eben auch genau die kleinen Macken des Anderen. Das alles bügelt sich irgendwann glatt. Wir können zum Beispiel auch super zusammen schweigen und müssen uns nicht immer gegenseitig zutexten. Wir sind quasi Partner in Crime und erleben wahnsinnig witzige Momente zusammen, wenn wir beispielsweise irgendwo in Australien stehen und beide den Namen unseres Hotels vergessen haben. Wir kennen uns nun schon seit über 20 Jahren und da geht man durch viele Ups and Downs.

trndmusik: Was macht ihr denn, um dem Alttagstrubel und Tourstress zu entgehen und um euch auch voneinander zu erholen?

Arndt: Das klingt jetzt vielleicht langweilig, aber ich lese dann einfach Mal ein Buch. Oder ich bade, ich bin super im Baden!

Marko: Ich habe seit einem Jahr einen Hund und gehe mit dem spazieren.

Arndt: Ein Tour-Hund muss das werden!

trndmusik: Ihr seid bereits lange im Musikgeschäft tätig und habt einiges erreicht. Wo seht ihr euch in ein paar Jahren? In einem Einfamilienhaus mit drei Kindern?

Marko (lacht): Diesen Monat ziehe ich in ein Einfamilienhaus um und bekomme im Juli auch ein Kind.

Arndt: Bei mir besteht die Überlegung, zusammen mit meinem Kollegen Paji in ein Haus nach Köln zu ziehen und das mit einem Studio zu verbinden. Das hängt aber noch in den Wolken. Zur Zeit wohnen wir beide in Solingen und touren sehr viel. Vor nicht all zu langer Zeit, als wir noch 25 waren, stand es auch mal zur Debatte nach Berlin zu ziehen…

Marko: Aber jetzt kommt das nicht mehr in Frage. Wenn man sonst nicht soviel rumkommen würde, hätte es schon seine Vorteile, in einer Großstadt zu leben.

Arndt: Wir sind am Wochenende immer unterwegs, da muss man montags, dienstags, mittwochs nicht auch noch feiern gehen. Der Nachteil an einer kleineren Stadt wie Solingen ist natürlich, dass man etwas an Lebensqualität einbüßt – beispielsweise bekommt man nach 22:00 Uhr nichts mehr zu essen.

trndmusik: Mittlerweile seid ihr von so gut wie keinem Festival-Line-Up mehr wegzudenken. Gibt es nach wie vor Highlights im großen Festival-Kessel, auf die ihr mit besonderer Vorfreude blickt?

Marko: Zwei Highlights: Fusion und Tomorrowland, wobei Fusion noch nicht ganz fest steht, da wir zu dem Zeitpunkt eventuell in Kanada sind.

trndmusik: Tomorrowland ist ein gutes Stichwort: Elektronische Musik ist aktuell sehr angesagt und hat sich auch im Mainstream etabliert, sei es in Form von EDM oder des momentan sehr gefeierten Deep House. Denkt ihr, dass sich dieser Hype in Zukunft weiter steigert oder eher wieder abflacht und wie wirkt sich das auf eure Musik aus?

Arndt: Als wir begonnen haben, elektronische Musik zu machen, war diese Szene gerade in einer Krise. All die Major-Labels wollten kein Geld mehr investieren,  MTV und VIVA strahlten keine Dance-Videos mehr aus. Clubsterben – mit diesem Begriff sind wir aufgewachsen. Seit zwei, drei Jahren merkt man wieder einen deutlichen Anstieg der Popularität der elektronischen Musik – dieser geht parallel zur eigenen Karriere und das kommt uns wiederum zu Gute. Ich denke auch nicht, dass dieser momentane Hype recht schnell wieder vorbei sein wird. Im Gegenteil: ich glaube, da geht noch was. Alle sind gespannt, was in den USA passiert und der ganze Trend orientiert sich allgemein immer mehr an diesem EDM-Sound. Elektronische Musik ist jetzt erst mal nicht wegzudenken.

trndmusik: Beeinflussen euch diese Phänomene in eurer eigenen Musikproduktion in irgendeiner Weise?

Marko: Elektronische Musik an sich ist als Massenphänomen anzusehen, indem stets gewisse Trends aufsteigen und natürlich machen wir die in einer Form auch mit und prägen die auch mit. Aber es handelt sich stets um ein Gesamtphänomen und man kann nicht etwas komplett eigenes machen und das isoliert so stehen lassen.

Arndt: Es macht ja auch Spaß zu beobachten, wie sich solche Trends herauskristallisieren. Das ist, wie gesagt, eher ein kollektives Ding und man kann es mit einer Party vergleichen. Man ist nicht alleine der DJ und kümmert sich nicht darum, was die Leute machen, sondern ist immer Teil einer Interaktion. Zu gewissen Phänomenen hat man eher einen Draht, zu manchen nicht. Als Minimal damals seine Hochphase feierte, lag uns das zum Beispiel einfach nicht im Gespür. Als dann alles wieder ein bisschen melodischer wurde, haben wir gemerkt, dass das unser Ding ist. Um nochmal konkret auf die Frage einzugehen: Wir hätten da diverse Angebote und Möglichkeiten, schön den Sell-Out-Knaller durchzuziehen. Das macht dann aber auch keinen Bock. Das wichtigste daran ist immer noch, seinen Spaß dran haben. Wir jammen auch gerne zusammen und kommen ja eigentlich eher aus der Rock’n’Roll Szene.

trndmusik: Nun konkret zu eurer Musik. 2012 habt ihr nach 8-jähriger Tüftelei mit eurem Debütalbum „Introlution“, erschienen auf eurem eigenen Label ‚Kittball‘, den Startschuss für eine sozusagen „revolutionäre Einleitung“ hingelegt. Wie sieht der „Hauptteil“ nach eurem Plan aus? Was steht bei euch in puncto Produktionen, Remixe oder Alben in naher Zukunft an? 

Marko: Wir haben auf jeden Fall Lust auf ein neues Album. Es ist schon eine ganz andere Herangehensweise, Singles zu produzieren, die dann wirklich jeder DJ spielen soll, als wenn man ein Album kreiert, das man auch mal unterwegs im Auto als Ganzes hören kann. Ein zweites Album steht also definitiv an, vielleicht schon Ende dieses Jahres.

Arndt: Vielleicht legen wir schon ab circa Mai wieder los, daran zu arbeiten. Es ist ja nicht so, dass wir noch nichts daheim rumliegen hätten, trotzdem ist es generell immer schwer, Zeit für das Studio zu finden, da man sich dafür nicht mal kurz zwei Stunden hinsetzt, sondern das sehr zeitintensiv ist.

trndmusik: Kurz zum Schluss: 4 Worte, die eure aktuelle Musik beschreiben:

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Wobei „esotech“ als Ableitung des Begriffs „esoterisch“ und „emotech“ als solche von „emotional“ anzusehen ist.

Das Interview führte Tabea Lichtinger.

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