Steve Cole: „Das, was bis jetzt released wurde, ist nur die Spitze des Eisbergs“


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“Das neue Jahr ist da und mit ihm kommt die nächste Katalognummer bei uns raus”, verkündete das vorfreudige Label Affinity Lab, das im Süden von Frankreich, genauer gesagt in Pézilla-la-Rivière, sitzt. Die 16. Veröffentlichung des Imprints wurde in Zusammenarbeit von Steve Cole und Ronald Christoph produziert. „Amme“ – so der Titel der EP – erschien im Januar 2015. Wir sprachen mit den beiden Künstlern über die Produktion und ihr gemeinsames Schaffen von Musik.

trndmsk: Steve und Ronald, Eure EP „Amme“ ist kürzlich erschienen. Wie lange habt Ihr an dem Werk gesessen? Wo und wie ist die EP entstanden?

Steve Cole: Wie lange der effektive Produktionsprozess gedauert hat, können wir gar nicht so genau sagen, da wir immer an mehreren Tracks gleichzeitig arbeiten. Der Track „Amme“ ist aber über mehrere Monate entstanden. Da wir räumlich fast 1000 Kilometer (Steve in Basel und Ronald in Berlin) getrennt sind, haben wir uns anfänglich Ideenskizzen per Mail hin und her geschickt. Diverse Elemente sind rausgeflogen und neue Elemente dazugekommen. Teilweise haben wir sogar gemeinsam via Skype „produziert“, aber so konnten wir gleich ein direktes Feedback zu einem spezifischen Element vom anderen bekommen, wenn einer von uns an einem Track gearbeitet hat. Auf diese Weise haben wir uns die Basis zu „Amme“ erarbeitet, welche wir dann gemeinsam bei Ronald im Studio in Berlin fertig produziert, arrangiert und gemischt haben.

Wie kam es eigentlich zur Kollaboration zwischen Euch beiden? Wo habt Ihr Euch kennengelernt?

Wir haben uns „online“ around 2010 kennengelernt, als Ronald einen Remix für das Vinyllabel von Steve (Schallbox Records) gemacht hat. Wir hatten von Anfang an einen guten Draht zueinander, waren in dauerndem Kontakt, haben uns dann auch öfters in Basel oder Berlin getroffen und sind in der Zwischenzeit richtig dicke Freunde geworden. Da wir uns menschlich so gut verstanden haben, war schnell klar, dass wir gemeinsam ins Studio müssen. Gesagt, getan! Und wie eigentlich schon erwartet, haben wir uns im Studio ebenfalls so gut verstanden, sodass wir zwischenzeitlich diverse Tracks zusammen produziert haben. Das, was bis jetzt released wurde, ist ja nur die Spitze des Eisbergs. Wir haben noch einiges in der Pipeline, wofür wir momentan gerade mit der Labelsuche starten.

Aus welchem Grund erscheint die EP auf dem Label Affinity Lab?

Wir haben den Track an ein paar Labels geschickt und Eddy Romero von Affinity Lab hat mit seiner ersten Antwort so viel Gefühl für den Track zum Ausdruck gebracht, dass für uns relativ schnell klar war, dass er unseren Track verstanden hat. In dem Track steckt nämlich sehr viel Herzblut und Seele von uns Beiden, da wir beide fast zum gleichen Zeitpunkt privat eine etwas schwere Phase durchgemacht haben. Der Track war die Verarbeitung unserer Schmerzen – das Sprachrohr, über welches wir unsere Gefühle und Empfindungen zum Ausdruck bringen konnten. Als uns Eddy dann noch einen Remix von Leix – den wir beide sehr mögen – dafür vorgeschlagen hat, konnten wir „Amme“ beruhigt in die Hände von Affinity Lab übergeben, da wir uns gewiss waren, dass dem Track die entsprechende Fürsorge gewidmet wird.

Werdet Ihr auch weiterhin gemeinsame Produktionen rausbringen? Oder geht jetzt erstmal jeder seinen eigenen Weg?

Jeder von uns hat noch seine eigenen Projekte laufen: Neben den Produktionen hat Steve mit seinem Plattenlabel Schallbox Records und als Mitorganisator vom Grenzenlos Festival genügend um die Ohren, da er noch einen ganz normalen Day-Time-Job hat. Ronald arbeitet als Produzent – hatte letztes Jahr sein 100-stes Release – und ist immer offen für Neues. Natürlich werden wir aber auch neben unseren Solo-Tracks weiterhin gemeinsame Track produzieren, da es uns extrem Spass macht, die verschiedenen Einflüsse von uns beiden zu kombinieren und weiterzuentwickeln.

Steve, in diesem Jahr findet die dritte Ausgabe des Grenzenlos Festivals statt. Erzähl uns bitte die Geschichte zum Open Air, das Du mitveranstaltest.

Anfangs 2013 habe ich mich mit Sven Galvez und seiner Freundin, Jule Maurer, getroffen, denen eine Festivalidee durch die Köpfe schwirrten. Nach dem ersten Brainstorming war klar, dass wir versuchen wollen, in der Region Basel ein Festival für das Dreiländereck zu kreieren, da Basel in einer Grenzregion zu Hause ist. Diese Ländergrenze wollten wir sprengen und sind so auch auf den Namen – „Grenzenlos“ – gekommen. Das wir das erste Festival nur knapp sechs Monate nach dem ersten Treffen durchführen konnten, grenzt für mich heute noch an ein Wunder, da er Aufwand natürlich enorm war – von Locationsuche und Konzeptionierung, über Sponsorensuche bis hin zum Artwork, Werbung und der Gastronomie musste alles erst mal durchdacht und organisiert werden. Sven, Jule und ich hatten alle schon Erfahrung im Veranstalten von Events bzw. der Gastronomie, aber natürlich nicht in dieser Grössenordnung. Während unserem ersten Festival 2013 mit rund 2000 Besuchern konnten wir dann sehr viel neues dazulernen, haben Probleme (zum Glück keine schwerwiegenden) erkannt, an welche wir dazumals gar nicht gedacht hatten. Diese Erkenntnisse haben wir dann natürlich in der zweiten Ausgabe 2014 mit rund 3000 Besuchern einfliessen und entsprechend umsetzen können. Ich denke, dass wir uns mit diesen zwei Festivals eine gute Basis für die kommenden Jahre erarbeitet haben, da das Feedback von allen Seiten ausschliesslich positiv war – sogar Petrus war beide Jahre auf unserer Seite und hat uns Ende August jeweils strahlenen Sonnenschein beschert.

Wie wird das Line Up für das diesjährige Jahr aussehen? Gibt’s schon bestätigte Acts?

Über das diesjährige Grenzenlos Festival möchten wir noch nicht zuviel verraten, da wir noch verschiedene Optionen am prüfen und erarbeiten sind. Auf jeden Fall werden wir an die beiden vergangenen Grenzenlos Festivals anknüpfen, um unseren Besuchern wieder eine schöne Erinnerung mit nach Hause geben zu können. Lasst euch also überraschen.

Das Interview führte Benjamin Reibert.