Thorsten Hammer: „Ich bin kein Mensch, der anderen wegen einer Veröffentlichung in den Hintern kriechen möchte“


“Wir hatten in den vergangenen Jahren viele bemerkenswerte Digital-Release, die bei bekannten Künstlern gut ankamen”, resümiert das Mannheimer Label Ametist Records. Nun brachte das Imprint seine erste EP in 2015 raus. Dafür kreierte der Musikproduzent Thorsten Hammer die Kollektion „Braining“. Wir sprachen mit dem gebürtigen Karlsruher über seine Produktion – und über musikalische Krisen.

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trndmsk: Thorsten, Ende Januar 2015 erschien Deine neue Nummer: „Braining“. Wie kam das Werk bisher an? Wie viel die Resonanz zum Track aus?

Thomas Hammer: Das bisherige Feedback zur kompletten EP ist bisher durchweg positiv und kann sich sehen lassen. Ich denke, wir können mit dem bisherigen Verlauf soweit zufrieden sein. Durch unsere Promo-Kampagnen und den daraus
resultierenden Rückmeldungen diverser Künstler sowie Magazine kann ich euch sagen, dass die EP bisher von Artists wie Wankelmut, Dubfire, Davide Squillace, Joyce Muniz, Stacey Pullen, Joseph Capriati, Betoko, Markus Kavka, Animal Trainer, Madmotormiquel oder Edu Imbernon supported wird. Um jedoch weiter ins Detail gehen zu können, ist der Zeitraum nach der Veröffentlichung aber noch zu kurz und wir werden sehen, was noch kommen und passieren wird.

Gibt es auch eine Entstehungsgeschichte zum Track? Woher hast Du Dir die Inspiration zur Nummer hergeholt?

Natürlich gibt es eine Entstehungsgeschichte, doch es ist jetzt nicht so, dass diese in dem Falle auf einem bestimmten Ereignis basiert. Der Track ist im Zuge einer normalen Studiosession entstanden. Meine Inspiration gewinne ich aus alltäglichen Momenten. Einmal ist es die Natur, das andere Mal schöne Momente und Ereignisse mit Freunden, aber auch negative Dinge, die einem im Leben so widerfahren. Ich denke, dies ist ganz normal und kennt jeder, der sich etwas mit Musik beschäftigt.

Hattest Du in Deinem bisherigen Produzenten-Dasein auch mit musikalischen Krisen schon zu kämpfen?

Mit Sicherheit hatte ich schon musikalische Krisen zu meistern. Es gibt Phasen, da läuft es einem einfach so von der Hand und man sprüht nur so von Energie und Ideen. Es gibt auch auch Momente, in denen einfach nicht so funktioniert, wie man es gerne hätte und man emotional nicht das Ergebnis erreicht und erzeugen kann, was man selber in diesem Moment übermitteln möchte.

Es wäre gelogen, zu behaupten, einem Musiker gehen niemals die Ideen aus. Auch Musiker und Produzenten haben Phasen, in denen sie kreativer und auch mal unkreativer sind und diese gilt es zu überwinden. Wenn das mal eintritt: Einfach einmal eine kreative Pause einzulegen.

Welche Künstler haben Dich in Deinem bisherigen musikalischen Schaffen inspiriert?

Ich möchte mich hier jetzt gar nicht auf einzelne bestimmte Künstler festlegen, denn es gibt verdammt viele Musiker und Musik, dich mich geprägt und inspiriert haben – ob dies nun HipHop oder elektronische Musik ist, ist für mich eher zweitrangig, da ich in dieser Hinsicht schon immer recht offen gegenüber allem stand. Ich hatte das Glück, die Zeit um das Frankfurter Omen und Dorian Grey erleben zu dürfen, und man könnte damit sagen, dass mich diese Zeit in puncto elektronische Musik und dem daraus resultierenden Frankfurter Sound entscheidend geprägt haben.

Das Werk erschien mit fünf Remixen auf dem Label Ametist: Wie haben das Imprint und Du die passenden Remixer ausgesucht?

Mir war es wichtig, nicht einfach Remixer zu haben, die alle im selben Genre tätig sind und dies ist uns auch ganz gut gelungen. Von Deep House über Tech House, Dub Techno zu eher emotionalem melodischem Techno haben wir alle zusammen eine wunderbare
EP erschaffen, wo jedes Stück seine eigene emotionale Welt erschafft und widerspiegelt. Jeder der Remixer hat hier wunderbare Arbeit geleistet und seinen Teil dazu beigetragen.

Wieso gerade eine Veröffentlichung auf dem Mannheimer Label Ametist Records? Wie kam der Kontakt zustande?

Da das Label mein eigenes Imprint und meine Homebase ist, lag es natürlich nahe, dies auch auf diesem zu veröffentlichen. Ich war es irgendwann leid, immer nur meine neuesten Promos zu versenden und oftmals nicht einmal eine Antwort oder Reaktion
darauf zu erhalten. Viele renommierte Labels werden jeden Tag auf das neue mit Promos überflutet, so dass leider gute Musik oftmals in der Masse dieser Promos untergeht, was mich auch mit dazu bewegt hat, damals mein eigenes Label zu gründen. Wie wir alle wissen, läuft in diesem Bereich heute auch vieles über Vitamin B und gute Beziehung. Ich bin kein Mensch, der hier in irgendeiner Weise irgendjemandem in den Hintern kriechen möchte, nur um auf einem bestimmten Label veröffentlichen zu können. Dies wäre nicht mehr ich selber.

Was steht demnächst bei Dir auf dem Programm? Arbeitest Du bereits an weiteren Projekten?

In nächster Zeit steht einiges an. Es folgen viele weitere Release – unter anderem auf Bonzai Music und natürlich Ametist Records – wo wir sehr schöne Veröffentlichungen und Tracks in den nächsten Monaten von Künstlern wie Thalluah, William Medagli, Jose Maria Ramon, Martinez, Mikalogic, Mr. Dello und vielen weiteren haben werden.

Wir arbeiten gerade sehr intensiv an etlichen Label-Showcases in diversen Städten und sind nach momentanem Stand der Dinge, auch mit einem kleineren Showcase über die OFF Week beim Sonar in Barcelona vertreten.

Ich arbeite gerade an der Umsetzung eines neuen Live-Projekts, was aber noch etwas Zeit in Anspruch nehmen wird. Ganz besonders freue ich mich auf den 25. April 2015, wo ich das erste Mal in der Romy S. in Stuttgart zusammen mit den Italoboyz und meinen
Freunden und Label-Artists Erasmus & Krieger spielen werde und wir mit Sicherheit eine wundervolle Nacht und viel Spass haben werden.

Das Interview führte Benjamin Reibert.