Lars Wickinger: „Ich hoffe, dass es wieder Menschen geben wird, die Musik suchen und entdecken wollen“


Derzeit veröffentlicht Lars Wickinger sein Debütalbum „The Unknown Side Of The Moon“ auf seinem eigenen Label – So What Music. Das Imprint stößt nicht nur bei Kollegen wie Kollektiv Turmstrasse, Pig & Dan und Acid Pauli auf Support, sondern auch ansonsten auf offene Türen im Mediendschungel trifft. Der Berliner Produzent und DJ ist den meisten durch sein Fusion-Set oder seine Releases zwischen deepen und analog klingenden Technosounds bekannt. Sein erster Longplayer ist ein sehr persönliches und tiefgehendes Werk geworden, dass durch ein breites technoides Soundspektrum, warme Arrangementes und einfühlsame Vocals überzeugt. Wir sprachen mit Wickinger über das Album, seine Studioarbeit und das Leben als Künstler.

Wie bist Du an die Auswahl und Entstehung der Tracknamen deines neuen Albums herangegangen? Welche Absicht steckte dahinter?

Lars Wickinger: Ziemlich früh hatte ich das Hauptthema des Albums gefunden. Über den „Wolf“ als Thema, den ich sehr Interessant finde, bin ich beim Vollmond und dessen Symbolik für den Menschen gelandet. Das Album sollte insgesamt etwas dunkel, mystisch und „erdig“ klingen. Warm und Analog. Die Namen der Tracks habe ich dann nach dem Aufhänger des Albums und anderen Themen, die mich interessieren, wie z. B. das Leben im Jetzt („Now Or Never“) benannt. Aus dem Hauptthema des Albums, die Symbolik und Wirkung des Vollmond auf den Menschen, hat sich dann das Künstlerfoto und das Albumcover entwickelt. Ich will auch schon zum Nachdenken anregen und das Album sollte ein rundes Ganzes ergeben!

Gab es von Anfang an ein musikalisches Konzept für den Longplayer?

Konzept? Ja, vielleicht. Ich würde eher sagen mehr so Ideen, Gefühle und Stimmungen, die ich ausdrücken wollte. Der Sound des Albums sollte rund, warm und analog klingen, aus einem Guss, weshalb ich mich auch mit den Instrumenten bewusst eingeschränkt habe, die ich zur Produktion des Albums benutzte.

Wie sieht die typische Routine bei dir im Studio aus. Wie ist dein Arbeitsablauf?

Zum Produzieren eines Tracks brauche ich Zeit und eine innere Bereitschaft. Manchmal habe ich zwar Zeit, aber die innere Bereitschaft fehlt, um ein neues Kind in die Welt zu setzen. Wenn beides gegeben ist, gibt es meistens am Anfang eine Idee, dann fange ich an, einen Beat mit meiner Drum Machine zu bauen, oder nach interessanten Samples und Sounds zu suchen. Ich bin kein „Nine to Five“-Mensch, weshalb es auch keine typische Studioroutine bei mir gibt.

Du hast auf deinem Album auch Vocalaufnahmen des Sängers Skelly genutzt und verarbeitet. Stößt man im Techno eigentlich schneller an Genregrenzen als in anderen Bereichen und muss Vocals mit Bedacht nutzen?

Tracks mit längeren Vocalparts gibt es im Techno üblicherweise nicht und richtig, in dem Genre sollte man sie dann wohl mit Bedacht einsetzen. Die beiden Tracks mit dem Sänger Skelly sind für mich selbst aber auch keine Techno-Tracks.

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Es gibt ja durchaus einige Künstler, die viel für die Tanzfläche produzieren und sich dann irgendwann entschließen, um ein ganz anderes Album zu machen. Wie ist das bei dir?

Für mich war es an der Zeit für ein Album, was auch eine größere Herausforderung darstellt als eine EP. Es ist ein interessantes Thema, dem ich mich so noch nicht gestellt hatte.

Nimmst du selbst Inspiration aus dem Club mit ins Studio? Wieviel steckt von deinen Gigs im übertragenen Sinne im Album?

Als Künstler inspiriert mich alles, was mich umgibt. Als Produzent von elektronischer Musik inspiriert mich natürlich, was ich an anderer elektronischer Musik aufsauge – ob im Club oder woanders. Wichtig im Club ist die Wirkung der Musik auf die Menschen und Crowd. Wenn man als DJ regelmäßig in Clubs auflegt, wirkt sich das automatisch auf die Musik, die man macht aus.

Glaubst du, dass ein Ende des Hypes und Booms von elektronischer Musik und im speziellen Techno und House absehbar ist?

Findest du, dass es einen Hype und Boom gibt? Nein, kein Ende in Sicht, würde ich sagen. Rein technisch gesehen, kann es nur in dem Bereich zu Weiterentwicklungen kommen.

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Wie stehst du zum Thema Streaming und den teils sehr geringen Verdienstmöglichkeiten für Künstler, die nicht gerade in den Charts oder bei Major-Labels gelistet sind?

Tja, rein finanziell gesehen, ist der Stream der Tod für die Musik und die Musiker! Es ist traurig, wie der Wert der Musik seit Jahrzehnten den Bach runter geht. Wer verdient überhaupt Geld an den Streams? Das betrifft aber nicht alleine die Musikbranche, da durch das Internet einiges im Wandel ist. Das zu verfluchen, nützt leider nichts, es ist eh nicht aufzuhalten. Zu hoffen ist, dass es irgendwann wieder mehr Menschen geben wird, die Musik suchen und entdecken wollen, statt sie vorgesetzt zu bekommen. Den Naturgesetzen nach müsste es eigentlich irgendwann eine Gegenbewegung geben.

Du hast neben deinem Album auch noch weitere Projekte und anderen Namen laufen. Was steht bei dir gerade sonst noch an?

Richtig, ich veröffentliche noch unter dem Namen Elfgrin, da geht es mehr in Richtung Deep- und Tech-House. Dann mache ich ja meine beiden Labels: Eclaire The Heart und So What Music. Ausserdem produziere ich für andere DJs und mache noch das Mastering für meine und andere Labels. Das übliche halt. Des Weiteren versuche ich, mich als Lebensberater und interessiere mich für die Psyche des Menschen und die Wirkung der Musik.

Das Interview führte Jana Nowak.